Torres

Kenner▶ 14 Videos🏛 KlassikerStand 21.10.2026
Mitspieler findenNoch keine Stimmen
DE RegelEN Rules
Spieler
2–4
Dauer
60 Min.
Alter
ab 10
Erschienen
1999
Komplexität
Mittel

Der alte König sucht einen Nachfolger: Mit 5 Aktionspunkten je Zug bauen die Königssöhne acht Burgen in die Höhe und schicken ihre Ritter hinauf – bei drei Wertungen zählt je Burg die Ebene des höchsten eigenen Ritters mal die Grundfläche, und keine Burg darf höher werden, als ihre Grundfläche groß ist (Regelheft).

Torres () ist ein Kennerspiel für 2–4 Personen ab 10 Jahren und ist 1999 erschienen. Eine Partie dauert 60 Minuten.

Auf einen Blick

  • Für wen: Kenner, die ein fast abstraktes Taktikspiel ohne Würfel wollen
  • Ähnlich wie: Tikal (gleiches Aktionspunkte-System derselben Autoren, Spiel des Jahres 1999); Santorini (ebenfalls in die Höhe bauen und Figuren hochziehen, aber kurz und rein abstrakt)
  • Wissenswert:
    • Die FX-Pressesprecherin sagte fast ein Jahr vorher voraus, dass Torres 2000 gewinnt – und behielt Recht (games we play; Opinionated Gamers, 01.09.2015). Für Kramer war es der fünfte Titel „Spiel des Jahres“ (Opinionated Gamers).
    • Eine Burg darf nie mehr Ebenen haben, als ihre Grundfläche Felder hat – wer hoch hinaus will, muss erst breit bauen (Regelheft).

Klassiker: Wie das Spiel entstand

  • Vorläufer: Laut Chris Wray (Opinionated Gamers, SdJ Re-Reviews #22, 01.09.2015) geht der Kern auf Kramers abstraktes Spiel Burgenland zurück: 1986 als Holzausgabe von ABRA in nur 150 Exemplaren, 1990 bei Franckh-Kosmos als „Terra Turrium“ (Edition Perlhuhn) aus Plastik mit nur kleinen Regeländerungen. Ziel war dort, eigene Steine auf jede von sechs Ebenen zu bringen (Jahr von Burgenland nicht eindeutig, siehe Offene Punkte).
  • Mit Kiesling: Kramer und Kiesling begannen Torres, während sie noch an Tikal arbeiteten; Mechanismen aus Tikals Urfassung wanderten nach Torres. Deshalb gilt Torres als „Ehrenmitglied“ der Maskentrilogie Tikal, Java, Mexica (Opinionated Gamers).
  • Erscheinen: F.X. Schmid brachte Torres im Sommer 1999 heraus, wenige Monate nach Tikal (Opinionated Gamers; Luding: Neuheit „Essen 1999“). Laut Harald Schrapers (games we play) war es schon als Frühjahrsneuheit fertig, die Autoren hielten es aber zurück, um Tikals Chancen auf den Titel nicht durch Konkurrenz aus dem eigenen Haus zu gefährden. Beide Quellen nennen die Vorhersage der FX-Pressesprecherin, Torres werde 2000 gewinnen.
  • Neuauflagen: Rio Grande (USA) 1999; Ravensburger 2000/2001; 2005 Rio Grande, in Deutschland über Abacusspiele (Wikipedia DE als Wegweiser; Regelheft 2005 © Rio Grande); seit 2017 HUCH! & friends, Vertrieb Hutter Trade (Jury-Seite), in den USA 2017 IDW Games in Lizenz von HUCH! mit neuer Grafik (ICv2, 03.04.2017). 2023 folgte der Ableger Torres Family (HUCH!, 2–4 Spieler, ab 8, 30 Min., zwei Szenarien; Hutter-Trade-Produktseite).

Klassiker: Bedeutung für die Brettspielwelt

  • Auszeichnungen: Spiel des Jahres 2000, Platz 2 beim Deutschen Spielepreis 2000 (Preislisten). Die Jury: „Bei diesem ganz vorzüglichen Spiel ist alles so einfach, so übersichtlich, so glatt und so naheliegend. Und steckt zugleich voller trickreicher Zwänge und listenreicher Fallen.“ (spiel-des-jahres.de)
  • Rekorde: Laut Opinionated Gamers (2015) war es Kramers fünfter Sieg beim Spiel des Jahres – bis dahin Rekord – und Kramer/Kiesling sind das einzige Autorenpaar mit mehreren Siegen.
  • Verkauf: Laut Opinionated Gamers 298.000 Exemplare, deutlich weniger als die über 600.000 von Tikal und unter dem Durchschnitt der Preisträger; als Grund nennt der Artikel die für Familien ungewohnte Komplexität. Beide Zahlen ohne Primärquelle.
  • Aktionspunkte: Für Chris Wray und Greg Schloesser (Opinionated Gamers) ist Torres das beste Spiel mit dem Aktionspunkte-System; Schloesser gibt ihm als einem von nur zwei Spielen die Höchstnote 10 (neben El Grande). Laut Opinionated Gamers blieb Torres bis 2015 einer der wenigen Preisträger seit Catan ohne Erweiterung.

Klassiker: Warum es heute aus der Zeit gefallen ist

  • Dünnes Thema: Schrapers (games we play): Es sei „nicht leicht zu erkennen, was das Spiel mit Kastilien zu tun hat“; bei Opinionated Gamers nennen Andrea Ligabue, Patrick Brennan und Matt Carlson das fehlende Thema als Hauptkritik, Joe Huber fand die abstrakte Art mit jeder Partie lästiger.
  • Grübeln und Wartezeit: Schrapers: Man müsse „mit längeren Denkpausen“ rechnen, „Leichtigkeit und Lebendigkeit“ biete Torres nicht; Carlson nennt die Analyse-Lähmung des Aktionspunkte-Systems. Wray findet Torres flüssiger als Tikal, die Wertung aber rechenlastig („you might need a calculator“).
  • Komplexität: Laut Opinionated Gamers wurden deutsche Familien von der Schwierigkeit überrascht; Wray meint, heute wäre Torres eher ein Kandidat für das Kennerspiel des Jahres.
  • Glück und Reihenfolge: In der Grundversion zieht man die Aktionskarten verdeckt – wer die passende Karte zieht, „kann das Spiel gegebenenfalls entscheidend beeinflussen“ (Schrapers). Brennan kritisiert den Einfluss der Sitzreihenfolge und den Vorteil des letzten Spielers in der letzten Runde; Schrapers sah zu zweit „recht viele Pattsituationen“.
  • Was bis heute funktioniert: Die Jury hob die fast intuitive Regel und die „erstklassige“ Ausstattung hervor; Schrapers nennt das dreidimensionale Bauen attraktiv und Torres ein „klasse Denkspiel“; Wray hält es nach über 50 Partien für das beste Spiel des Duos. Die Meisterversion mit offenen Kartensätzen nimmt das Glück heraus (Regelheft).

Klassiker: Moderne Alternativen

  • Tikal – Wenn du an Torres die Aktionspunkte mochtest, dir aber ein Thema fehlte: Dschungel, Tempel und Schätze derselben Autoren mit 10 Aktionspunkten je Zug und Wertungen bei jedem Vulkan; Spiel des Jahres 1999.
  • Java – Wenn du an Torres das Bauen in die Höhe mochtest: Landplättchen stapeln, Entwickler bewegen und Paläste ausbauen, mit sechs Aktionspunkten je Zug – der schwerste Teil der Maskentrilogie.
  • Santorini – Wenn du an Torres das Klettern auf Stockwerke mochtest, aber in 20 Minuten: Jede Runde einen Baumeister ziehen und daneben bauen, wer zuerst die dritte Ebene erreicht, gewinnt; Götterkarten brechen je eine Grundregel.
  • Akropolis – Wenn du an Torres „höher zählt mehr“ mochtest, aber ohne Konfrontation: Jeder baut seine eigene antike Stadt in die Höhe, höhere Viertel zählen mehr; Spiel des Jahres 2023 Empfehlungsliste.
  • Tower Up – Wenn du an Torres das Stapeln auf dem gemeinsamen Plan mochtest: Stockwerke zu Wolkenkratzern türmen, jedes neue Gebäude stockt die Nachbarn mit auf; ab 8, 30–45 Min.

So wird gespielt

  • Material (2017): Spielplan 8×8 mit Wertungsleiste, 92 Burgbausteine mit Toren an allen vier Seiten, 28 Ritter (7 je Farbe, einer als Wertungsfigur), 1 König, 40 Aktionskarten (10 je Farbe), 3 Phasenkarten, 8 Meisterkarten.
  • Aufbau: 8 Bausteine auf die markierten Felder (die acht Burgen). Reihum ab dem jüngsten Spieler je einen Ritter auf eine freie Burg; der letzte setzt den König auf eine freie Burg (Königsburg).
  • Ablauf: 3 Phasen (Jahre) mit 4, 3 und 3 Runden (zu zweit immer 4). Zu Phasenbeginn nimmt jeder die Bausteine laut Phasenkarte als Türme (zu viert 4, 3, 3 Türme zu je 2 Steinen). 5 Aktionspunkte je Zug: Ritter einsetzen (2 AP, neben einen eigenen Ritter auf gleicher oder tieferer Ebene); Ritter ziehen (1 AP je Feld, je Feld höchstens eine Ebene hinauf, beliebig viele hinunter, Figuren blockieren; für 1 AP durch ein Tor in die Burg und aus einem beliebigen anderen Tor derselben Burg heraus); Baustein setzen (1 AP, nur aus einem eigenen Turm je Zug, Rest auf die anderen Türme, max. 3 je Turm; nur an bestehende Burgen, nie höher als die Grundfläche groß ist, Burgen nur diagonal berühren); Aktionskarte kaufen (1 AP, max. 2 je Zug: 3 ziehen, 1 behalten, erst später spielbar); Karte spielen (0 AP, max. 1 je Zug); Rest-AP auf der Wertungsleiste vorrücken.
  • Aktionskarten (2005): Sprung zwei Ebenen hoch, Stein unter den eigenen Ritter (darf eine neue Burg gründen), Zusatzstein, durch ein Tor beliebig hoch, ein Feld diagonal, 6 bzw. 7 AP, einen Baustein versetzen (mindestens 6 Burgen bleiben), Ritter neu einsetzen, über eine Figur springen.
  • Wertung nach jeder Phase: je Burg Ebene des höchsten eigenen Ritters × Grundfläche. Königsbonus 5/10/15 Punkte, wenn ein eigener Ritter in der Königsburg auf Ebene 1/2/3 steht (Phase 1/2/3). Je Leistenfeld nur eine Figur, also kein Gleichstand (2005). Danach versetzt der Spieler mit den wenigsten Punkten den König und bestimmt den Startspieler (2017; 2005: er wird selbst Startspieler). Ende nach der dritten Wertung.
  • Varianten: gemeinsamer Kartenstapel („mit etwas mehr Glück“). Meisterversion: Burgen frei platzieren (mindestens 2 Felder Abstand), alle 10 Aktionskarten von Beginn an auf der Hand, eine offene Meisterkarte als Zusatzaufgabe (z. B. 50 Bonuspunkte, wenn alle Ritter am Ende auf derselben Ebene stehen), Startspieler ist jede Runde der Punktführende.
  • 2017 gegenüber 2005: ab 10 statt 12; diagonaler Mindestabstand der Startburgen 1 Feld (2005: nicht berücksichtigt).

Stimmen aus Rezensionen

  • Jury Spiel des Jahres (2000): Regel „etwas länglich“, aber fast intuitiv; ständiger Zwiespalt zwischen eigenem Aufstieg und Blockieren; Ausstattung „erstklassig“.
  • Opinionated Gamers (Chris Wray u. a., 01.09.2015; 2× „I love it“, 3× „I like it“, 2× neutral): bestes Aktionspunkte-Spiel, viel Tiefe, belohnt aggressives Spiel. Kritik: aufgesetztes Thema, rechenlastige Wertung, Sitzreihenfolge, abstrakt.
  • games we play (Harald Schrapers, HUCH!-Ausgabe): „außergewöhnlich interessantes Spiel“, auch zu zweit vorzüglich, dreidimensionales Bauen attraktiv. Kritik: lange Denkpausen, kaum Interaktion außer Blockieren, Kartenglück in der Grundversion, Pattsituationen zu zweit.

Auszeichnungen

  • Spiel des Jahres 2000 (Gewinner) · Deutscher Spielepreis 2000 Platz 2 (Preislisten) · International Gamers Awards 2000 Nominierung, Juego del Año 2018 Empfehlung
  • keine sprachabhängigen Texte

Ausgaben & Erweiterungen

  • Deutsch: F.X. Schmid 1999 (Nr. 27 208 2) und 2000, Ravensburger 2000; Rio Grande/Abacus 2005 (RGG133, DE/EN/FR); HUCH! & friends 2017 (879 738, DE/EN/FR/PL) – nicht mehr im Hutter-Katalog (2026-10-21).
  • Englisch: Rio Grande 1999 und 2005, Ravensburger 2001, IDW Games 2017 (ICv2); weitere: Tilsit (FR), Devir (ES), White Goblin (NL), Swan Panasia (ZH).
  • Keine Erweiterungen. Ableger: Torres Family – noch kein eigener Eintrag.

Autoren & Verlag

  • Autoren: Wolfgang Kramer & Michael Kiesling · Illustration: Michael Menzel (HUCH! 2017, Regelheft), Franz Vohwinkel (Rio Grande 2005, Regelheft)
  • Verlag (Original): F.X. Schmid, Ravensburger-Label „FX“ (Herbst 1999; Luding: „Essen 1999“, DM 65) · deutsche Ausgabe: zuletzt HUCH! & friends / Hutter Trade 2017; Hutter Trade führt am 2026-10-21 nur noch den Ableger Torres Family (Art.-Nr. 880574) – die Ausgabe 2017 gilt daher als vergriffen

Videos auf YouTube

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