Adel verpflichtet

Hoity Toity
Familie▶ 9 Videos🏛 KlassikerStand 21.10.2026
Mitspieler findenNoch keine Stimmen
DE RegelEN Rules
Spieler
2–5
Dauer
45 Min.
Alter
ab 12
Erschienen
1990
Komplexität
Leicht

Spleenige Londoner Lords wetten, wer die wertvollste Sammlung skurriler Objekte zusammenträgt: Jede Runde entscheiden alle gleichzeitig und verdeckt, ob sie ins Auktionshaus oder ins Schloss gehen und ob sie dort bieten, ausstellen, stehlen oder einen Detektiv schicken – wessen Figur am Ende am weitesten vorne an der Dinnertafel sitzt, gewinnt (Regelheft).

Adel verpflichtet (F.X. Schmid) ist ein Familienspiel für 2–5 Personen ab 12 Jahren und ist 1990 erschienen. Eine Partie dauert 45 Minuten.

Auf einen Blick

  • Für wen: Familien und Gelegenheitsspieler ab 12, Freunde von Bluffspielen; Jury: „mit mindestens vier Personen“
  • Ähnlich wie: Libertalia (gleichzeitiges verdecktes Ausspielen, alle mit denselben Karten); Ca$h 'n Guns (gleichzeitige geheime Wahl, Bluff); Citadels (Dieb und Assassine treffen verdeckt gewählte Rollen)
  • Wissenswert:
    • Spiel des Jahres 1990 und Platz 1 beim ersten Deutschen Spielepreis – Teubers zweiter Sieg nach Barbarossa, fünf Jahre vor Catan (Preislisten; Opinionated Gamers, 01.07.2015).
    • Die Avalon-Hill-Ausgabe 1991 war das erste Spiel eines US-Verlags mit dem Spiel-des-Jahres-Logo auf der Schachtel – mit deutschem Titel (Opinionated Gamers).
    • Auf den Sammelkarten: Jonny Weißmüllers Lendenschurz und ein zinnerner Nachttopf von 1660 (Regelheft, Einleitung).

Klassiker: Wie das Spiel entstand

  • Der Autor: Klaus Teuber, damals noch Zahntechniker, hatte 1988 mit „Barbarossa und die Rätselmeister“ das Spiel des Jahres gewonnen; in den zwei Jahren danach veröffentlichte er sechs Spiele, darunter Adel verpflichtet (Chris Wray, Opinionated Gamers, 01.07.2015; Teubers Ludographie auf catan.com nennt für 1989/90 Timberland, Älpler Stafette, Licht und Schatten, Einfalls-Pinsel und Asterix und die Römer, 2026-10-21).
  • Erscheinen: 1990 bei F.X. Schmid als „Das große Bluffspiel um Diebe, Lords und Pfeifenköpfe“, Grafik Cornelia von Seidlein (Wikipedia; Jury-Seite). Der Copyright-Vermerk „© 1989/99 Klaus Teuber“ in der alea-Regel datiert den Entwurf auf 1989. Der Titel spielt laut Opinionated Gamers auf den britischen Film „Adel verpflichtet“ von 1949 an. Eine Entstehungsgeschichte aus Teubers Sicht (Interview, Verlagsbericht) wurde nicht gefunden (2026-10-21).
  • Weg ins Ausland: 1991 brachte Avalon Hill das Spiel in den USA unter dem deutschen Titel heraus, mit gleicher Grafik und deutschen Kartentexten, später als „By Hook or Crook“; Gibsons veröffentlichte es 1991 in Großbritannien als „Fair Means or Foul“ (Opinionated Gamers; Wikipedia). Dazu kamen eine dänische Ausgabe (Vini-Spil, um 1991) und 1992 die schwedische „Spionage!“ – die einzige Ausgabe mit anderem Thema, Spione statt Lords (Wikipedia; Opinionated Gamers).
  • Neuauflagen: Nach dem Konkurs von F.X. Schmid erschien 2000 die „10 Jahre“-Ausgabe bei alea/Ravensburger als Nummer 5 der großen alea-Reihe, laut superfred.de mit identischem Material, nur das Logo auf dem Plan wurde ersetzt (Wikipedia; Opinionated Gamers; superfred.de, 10.01.2005). 2004 folgten eine niederländische Ausgabe bei Jumbo mit neuer Grafik für 2–6 Spieler und die englische „Hoity Toity“ bei Überplay (Wikipedia).

Klassiker: Bedeutung für die Brettspielwelt

  • Auszeichnungen 1990: Spiel des Jahres und Platz 1 beim ersten Deutschen Spielepreis, damals vergeben von der Zeitschrift „Die Pöppel-Revue“ aus Stimmen von Lesern, Journalisten, Spieleclubs und Läden (Preislisten; Opinionated Gamers). Die Jury lobte, dass „die unterschiedlichsten Mechanismen gekonnt miteinander verwoben“ werden und „spannende und an Interaktion reiche Spielrunden“ versprechen (spiel-des-jahres.de).
  • Botschafter des deutschen Spiels: Laut Chris Wray war es „einer der frühen Botschafter deutschen Spieldesigns“ in Großbritannien und den USA. Er zitiert Larry Levy: das „erste Produkt der deutschen Spieleindustrie, das weltweite Aufmerksamkeit erhielt“ und als deutsches Spiel erkannt wurde – kurze Dauer, hohe Interaktion, clevere Regeln und schönes Material prägten das Bild vom deutschen Spiel (Opinionated Gamers, 01.07.2015). Beim ersten „Gathering of Friends“ von Alan R. Moon 1990 war es laut einem Bericht der „klare Hit“; in Mike Siggins' Magazin „Sumo“ (Ausgabe 2, Juli 1990) wurde es dagegen als „lacklustre“ verrissen, worauf Alan Moon und Mike Gray (Milton Bradley) widersprachen (Opinionated Gamers).
  • Mechanik: Nicht das erste Spiel mit gleichzeitiger verdeckter Aktionswahl, aber eines der frühesten und einflussreichsten (Opinionated Gamers); Jonathan Degann nennt es „ein brillantes Spiel des gegenseitigen Durchschauens“, bei dem der Nutzen jeder Wahl von den Entscheidungen der anderen abhängt (Opinionated Gamers, 24.05.2011).
  • Verbreitung: Die Schachtelrückseite der alea-Ausgabe 2000 wirbt mit „Moderner Klassiker, über 2,5 Millionen begeisterte Spieler“ (Verlagsangabe, keine Verkaufszahl). Wray fand keine verlässlichen Verkaufszahlen, nur Erwähnungen von „mehr als einer Million“ Exemplaren (2015).

Klassiker: Warum es heute aus der Zeit gefallen ist

  • Vergriffen: Seit 2015 gelten alle Ausgaben als nicht mehr lieferbar (Opinionated Gamers), eine deutsche Neuauflage nach alea 2000 gibt es nicht (Ravensburger-Suche 2026-10-21). Spieleautor Peer Sylvester schrieb 2015 unter die Re-Review, der Mechanismus sei inzwischen „sehr, sehr oft“ kopiert worden und Adel verpflichtet dabei „nicht das schnellste oder eleganteste“; weil es allein um diese Neuerung gebaut sei, sei es nicht gut gealtert.
  • Wiederholung und Glück: Chris Wray nennt als häufigste Kritik, das Spiel sei „zu repetitiv“ (für ihn berechtigt) und wenig strategisch; Larry Levy vereint darin alles, was er nicht mag: Bluffen, verdecktes Bieten, Psychospiele (Opinionated Gamers, 2015). Degann meint, Spieler schätzten es heute „vielleicht wegen seiner Abhängigkeit vom Glück“ weniger (2011); Doug Adams berichtet, manche hielten es für „überbewertetes Schere, Stein, Papier“ (boardgame.de).
  • Spielerzahl und Tempo: Zu dritt funktioniert es laut Wray nicht gut, zu oft steht jemand an einem Ort allein; am besten zu fünft oder sechst, was nicht jede Ausgabe erlaubt. Mark Jackson warnt, langsames Spiel mache die Partie „quälend“ (Opinionated Gamers). Das Regelheft empfiehlt drei bis fünf Spieler und bietet für zwei nur Varianten.
  • Einstieg: Die Jury räumt ein, der Einstieg sei „nicht unbedingt einfach“, weil das Prinzip „zunächst ungewohnt erscheint“; Költringer nennt die Anleitung „anfangs etwas kompliziert“ (Salzburger Nachrichten, über Luding).
  • Was bis heute funktioniert: Keine Würfel, wenig Zufall, kaum Wartezeit, weil alle gleichzeitig entscheiden (Wikipedia; Wray). Wray hält es für eines der besten Bluffspiele, Regelerklärung unter drei Minuten; Jeff Allers würde unter allen Spielen mit diesem Mechanismus noch immer Adel verpflichtet wählen; Alan R. Moon nennt es „eines der zehn besten Spiele, die je erfunden wurden“ (Opinionated Gamers, 2015).

Klassiker: Moderne Alternativen

  • Libertalia: Auf den Winden von Galecrest – Wenn du an Adel verpflichtet das gleichzeitige verdeckte Ausspielen mochtest: Alle haben dieselben Piratenkarten, der Rang entscheidet über Reihenfolge und Beute; 1–6 Spieler, 45–60 Min.
  • Ca$h 'n Guns – Wenn du an Adel verpflichtet das Bluffen mit geheimer Wahl mochtest: Jede Runde wählt jeder verdeckt „Click“ oder „Bang!“, alle zielen gleichzeitig aufeinander; 4–8 Spieler, 30 Min.
  • Skull – Wenn du an Adel verpflichtet das reine Durchschauen der Mitspieler mochtest: Vier Scheiben, ein Totenkopf, Bieten darauf, wie viele Blumen man aufdecken kann; 3–6 Spieler, 15–45 Min.
  • Citadels – Wenn du an Adel verpflichtet Diebe und Detektive mochtest: Dieb und Assassine treffen nur, wer richtig rät, wer welche verdeckte Rolle hat; 2–8 Spieler, 30–60 Min.
  • Modern Art – Wenn du an Adel verpflichtet das Auktionshaus mochtest: Fünf Auktionsarten, darunter verdecktes Bieten, und der Wert der Gemälde hängt davon ab, was die anderen kaufen; 3–5 Spieler, 45 Min.

So wird gespielt

  • Material: Spielbrett (Clubraum als Start, Lauffelder entlang der Schlösser, Ziel Dinnertafel, achteckige Wertungsfelder mit je zwei Zahlen; in der Mitte Auktionshaus mit zwei Schaufenstern, Kasse und Gefängniszellen), 5 dreieckige Wappensteine, je Farbe 2 Ortskarten (Schloss, Auktionshaus) und 8 Handlungskarten (4 Schecks im Gesamtwert 50.000, 2 Diebe mit „Berufsjahren“, 1 Detektiv, 1 Ausstellung), 45 Sammelkarten in sechs Serien A–F mit Entstehungsjahr – je älter, desto wertvoller.
  • Aufbau: Farben mit den Schloss-Ortskarten auslosen; jeder erhält seinen Kartensatz und 4 verdeckte Sammelkarten, der Rest in zwei offenen Stapeln in die Schaufenster (unter die obersten Karten darf niemand schauen); Figuren in den Clubraum.
  • Runde, vier Phasen: I. alle legen verdeckt eine Ortskarte, gleichzeitig aufdecken. II. alle legen verdeckt eine am Ort erlaubte Handlungskarte: im Auktionshaus Scheck oder Dieb, im Schloss Ausstellung, Dieb oder Detektiv. III. Auktionshaus: der höchste Scheck nimmt die oberste Karte eines Stapels, der Scheck kommt offen in die Kasse, niedrigere Schecks zurück auf die Hand; dann der Dieb: genau ein Dieb nimmt den soeben eingezahlten Scheck (nie ältere; ohne Einzahlung leer), mehrere Diebe behindern sich und keiner bekommt etwas; gestohlene Schecks gelten wie eigene. IV. Schloss: zuerst Ausstellungen – wer die Karte spielte, muss mindestens 3 Sammelkarten in ununterbrochener Buchstabenfolge auslegen (AAA, AABBC, CDEF; nicht AACD), alle Aussteller decken gleichzeitig auf, meiste Karten gewinnt, bei Gleichstand das älteste Objekt; die beiden wertvollsten rücken vor, wie es das Wertungsfeld neben der führenden Figur vorgibt (obere Zahl Platz 1, untere Platz 2). Dann Diebe: jeder Dieb nimmt aus jeder ausliegenden Ausstellung eine Karte, der mit den meisten Berufsjahren zuerst; ohne Ausstellung leer. Dann Detektive: alle Diebe im Schloss gehen ins Gefängnis (Beute behalten sie), jeder Detektiv-Spieler rückt so viele Felder vor, wie seine Position ist (Erster 1, Dritter 3 …); ohne Dieb passiert nichts.
  • Gefängnis: Zellen = Spielerzahl; neue Diebe kommen in Zelle 1 (niedrigste Zahl zuerst), alle rücken eine Zelle weiter; wer aus der letzten Zelle geschoben wird, geht zurück an seinen Besitzer. Auktionshaus-Diebe können nicht gefangen werden und nicht aus Ausstellungen stehlen.
  • Auktionshaus leer: Ohne Sammelkarten wird es geschlossen, es wird nur noch im Schloss gespielt.
  • Spielende: Steht am Rundenende eine Figur auf der Dinnertafel, bildet jeder noch einmal seine wertvollste Ausstellung: die beste rückt 8, die zweitbeste 4 Felder vor. Sieger ist, wer am weitesten vorne sitzt; bei Gleichstand die wertvollere Ausstellung.
  • Zwei Spieler: Überraschungsvariante (Orts- und Handlungskarte zugleich verdeckt legen) oder Konfrontationsvariante (beide immer am selben Ort, der jede Runde wechselt).
  • Weder Mindestalter noch Spieldauer stehen im Regelheft.

Stimmen aus Rezensionen

  • Jury Spiel des Jahres (1990): gediegene Aufmachung, gekonnt verwobene Mechanismen, interaktionsreiche Runden, „schadenfrohes Gelächter“, wenn nur Detektive im Schloss stehen. Kritik: Einstieg nicht einfach, am besten mit mindestens vier Personen.
  • Opinionated Gamers (Chris Wray u. a., 01.07.2015; Wertungen von „I love it“ bis „Not for me“): schnell, wenig Wartezeit, kaum Zufall, Regeln in drei Minuten erklärt. Kritik: repetitiv, wenig strategisch, zu dritt schwach, langsame Spieler bremsen.
  • superfred.de (Troudi, 10.01.2005, 9 von 10): originelle Idee, hoher Wiederspielwert, wirkt nur auf dem Papier glücksabhängig, Empfehlung für Familien und Gelegenheitsspieler. Kritik: je weniger Spieler, desto weniger Möglichkeiten; „gewisser Ärgerfaktor“.
  • boardgame.de (Doug Adams, Kulkmanns Gamebox): „sehr gutes Spiel“ für Familien und Partyrunden, empfohlen. Kritik: schwer zu erklären; von manchen als überbewertetes Schere-Stein-Papier abgetan.

Auszeichnungen

  • Spiel des Jahres 1990 (Gewinner) · Deutscher Spielepreis 1990, Platz 1 (Preislisten spiel-des-jahres.de / Deutscher Spielepreis) · Nederlandse Spellenprijs 2004 nominiert
  • Sprachabhängigkeit: etwas Text, leicht zu merken

Ausgaben & Erweiterungen

  • Keine Erweiterungen und keine Nachfolger.
  • Deutsche Ausgaben: F.X. Schmid 1990 (mit und ohne Spiel-des-Jahres-Aufdruck), alea/Ravensburger „10 Jahre“ 2000 (Regelheft Nr. 230448) – beide vergriffen (Ravensburger-Suche 2026-10-21 ohne Treffer).
  • Auslandsausgaben (Wikipedia; Opinionated Gamers): Avalon Hill 1991 („Adel Verpflichtet“, später „By Hook or Crook“), Gibsons 1991 „Fair Means or Foul“, Vini-Spil um 1991 „Grever & Baroner“, G&RRR 1992 „Spionage!“, Jumbo 2004 „Adel verplicht“ (2–6 Spieler, neue Grafik), Überplay 2004 „Hoity Toity“

Autoren & Verlag

  • Autor: Klaus Teuber · Illustration: Cornelia von Seidlein (Erstausgabe 1990, Wikipedia); Jumbo/Überplay 2004: Tanja Donner (Wikipedia)
  • Verlag: F.X. Schmid (1990) · deutsche Ausgabe = Original; Neuauflage „10 Jahre“ bei alea/Ravensburger (2000, Regelheft Nr. 230448, © 1989/99 Klaus Teuber). Derzeit vergriffen: Ravensburger-Produktsuche ohne Treffer (2026-10-21), Händler nur Gebrauchtware (spiele4us.de „ausverkauft“, 2026-10-21).
  • Bluff- und Sammelspiel: Alle wählen gleichzeitig verdeckt Ort und Handlung, Diebe stehlen aus Ausstellungen, Detektive fangen Diebe
  • Jury-Seite: spiel-des-jahres.de · Kurzspielregel (Hall9000): hall9000.de

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