Mississippi Queen

Familie▶ 13 Videos🏛 KlassikerStand 21.10.2026
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DE RegelEN Rules
Spieler
3–5
Dauer
45 Min.
Alter
ab 10
Erschienen
1997
Komplexität
Leicht

Raddampfer rasen den Mississippi hinab, dessen Lauf erst beim Fahren per Würfel entsteht – wer vorne liegt, zieht zuerst, Tempo und Kurven kosten Kohle, und ohne zwei Passagiere, die man nur mit Geschwindigkeit 1 am Steg aufnimmt, zählt die Ankunft nicht (Regelheft).

Mississippi Queen (Goldsieber Spiele / Simba Toys) ist ein Familienspiel für 3–5 Personen ab 10 Jahren und ist 1997 erschienen. Eine Partie dauert 45 Minuten.

Titelbild: Verlag (keepexploringgames.com) · Produktseite ↗

Auf einen Blick

  • Für wen: Familie
  • Ähnlich wie: Heat (Rennen mit Tempo-Verwaltung: Hitze statt Kohle); Jamaica (Familien-Rennen mit Nebenziel); Formula D (Gänge und Kurven, die Stopps verlangen)
  • Wissenswert:
    • 350.000 Exemplare im ersten Jahr – danach rund 20.000 pro Jahr und 2003 das Aus (spiel-des-jahres.de, Ducksch 2007).
    • Die Idee kam dem Mathe- und Physiklehrer Hodel 1986 auf einer Schultreppe, als ihm eine Schülerhorde entgegenstürmte und er ausweichen musste (Chris Wray, Opinionated Gamers, 30.07.2015, nach Gespräch mit Hodel).
    • „Der Mensch denkt, der Fluß lenkt“ stand auf der Schachtel (Jury Spiel des Jahres).

Klassiker: Wie das Spiel entstand

  • Der Autor: Werner Hodel, Oberstudienrat für Mathematik und Physik aus Crailsheim, veröffentlichte ab 1994 sechs eigene Spiele in Kleinstauflage in seiner „Edition Malibu“ (Interview mit Stefan Ducksch, spiel-des-jahres.de, Januar 2007). Das Regelheft 1997 nennt das Geburtsjahr 1951, das Jury-Interview den Jahrgang 1953.
  • „Rafting“: Laut Chris Wray (Opinionated Gamers, 30.07.2015, nach Hodels Schilderung) entstand 1986 der Prototyp „Rafting“, ein Wildwasser-Rennen mit Flößen; neun Verlage lehnten es zwischen 1986 und 1995 ab. Hodel selbst: Kanada und Flöße, „das war alles irgendwie zu hart“ (Interview 2007).
  • Hippodice und TM: Beim Autorenwettbewerb des Hippodice Spieleclubs Bochum wurde Rafting Dritter – 1995 laut Regelheft und Opinionated Gamers, „ein Jahr zuvor“ (1996) laut Jury-Rückblick. Hodel gab das Spiel Wolfgang Lüdtke vom Entwicklungsteam TM (Klaus Teuber und Reiner Müller), das für den 1995 von Simba Toys gegründeten Verlag Goldsieber arbeitete; anderthalb Jahre wurde es bearbeitet (Interview 2007; spiel-des-jahres.de, „1997: Wahl und Jahrgang“).
  • Aus dem Floß wird der Dampfer: „Das war ein Jahr intensiver Arbeit“, so Fritz Gruber von TM: Aus dem harten Rennen rammender Flöße wurde ein Familienspiel auf dem historischen Mississippi, durch die mitzunehmenden Passagiere bewusst „eingebremst“ (spiel-des-jahres.de). Laut Wray gab Goldsieber den Namen, Klaus Teuber baute Prototyp-Teile aus Material seines Dentallabors und hatte die Idee mit den zwei Passagieren; Hodel bestätigt im Jury-Interview nur, dass TM die Passagiere einführte.
  • 1997 und danach: Goldsieber veröffentlichte das Spiel mit Grafik von Franz Vohwinkel, die englische Ausgabe erschien bei Rio Grande Games (1997 laut Opinionated Gamers, 1998 laut Wikipedia). Die Erweiterung „The Black Rose“ (1998) betreute Redakteur Joe Nikisch (spiel-des-jahres.de). 2019 legte der französische Verlag Super Meeple das Spiel mit neuer Grafik und integrierter Erweiterung neu auf, Partner u. a. Keep Exploring Games (NL/EN/DE) (Super-Meeple-Regel © 2019).

Klassiker: Bedeutung für die Brettspielwelt

  • Spiel des Jahres 1997 und Deutscher Spielepreis 1997 Platz 4 (Preislisten), dazu die Essener Feder 1997 für die beste Regel (H@LL9000). Die Jury lobte die „gelungene Mischung von Glück und taktischer Herausforderung“, ein „echtes Familienspiel“, und die bunt bebilderte Regel mit vorgeschalteter „Fahrschule“ (Jury-Seite).
  • Die umstrittenste Wahl: Die Jury nennt es selbst „eine der am meisten kritisierten Entscheidungen“: Nach Die Siedler von Catan (1995) und El Grande (1996) erwartete die Szene Löwenherz, die Jury wollte aber wieder ihrem Anspruch als Familienspielpreis gerecht werden – „Richtiger Verlag, falsches Spiel“, hieß es von den Enttäuschten. Im Informationslauf hatte das Spiel noch 24 Punkte hinter dem Ersten auf Platz 3 gelegen (spiel-des-jahres.de, Rückblicke 2007/2025).
  • Verkaufserfolg: 350.000 Exemplare im ersten Jahr, danach rund 20.000 jährlich, ab 2003 aus dem Programm (Ducksch 2007). Für Goldsieber blieb es der einzige Hauptpreis; das TM-Team wechselte noch 1997 zu Kosmos. Hodel bekam danach kein Spiel mehr bei einem Verlag unter – „ein aus der Musikwelt als One-Hit-Wonder bekanntes Phänomen“ (spiel-des-jahres.de, 2025).
  • Mechanik: Der Flusslauf, der erst während der Partie entsteht, war das Besondere: „Der ungewöhnliche Spielplan wächst während des Spiels“ (spieletest.at, 07.01.2001).

Klassiker: Warum es heute aus der Zeit gefallen ist

  • Zu lang, zu flach: Troudi (superfred.de, 20.12.2004) gibt 4 bzw. 5 von 10 Punkten: vom Grundspiel sei abzuraten, das Passagierspiel „lang und wenig abwechslungsreich“ – „für ein Spiel des Jahres zu schwach“. brettspiele-report (09.07.2007): „keinerlei Komplexität“. Leser bei spieletest.at (2007): „zu wenig gemeinsames Spielerlebnis, keine Interaktion“.
  • Spannungsarm: Chris Wray findet das Rennen „ein bisschen trocken“, sobald sich das Feld auseinanderzieht, Greg Schloesser nennt die meisten Partien „lackluster“ (Opinionated Gamers 2015). Zur Neuauflage: Das Schiff fühle sich wie ein „schwerfälliger Koloss“ an, der Würfel bremse den Führenden kaum, und die Regel, dass die Partie erst endet, wenn alle bis auf einen angelegt haben, wirke „seltsam und veraltet“ (Tabletop Together, 06.03.2020); Gus & Co (07.08.2019): Das Spiel habe „einen Schlag Alter abbekommen“, die Varianten seien Kosmetik.
  • Ausscheiden: In der Goldsieber-Regel fliegt ein Dampfer ohne Kohle beim nächsten nötigen Kohlepunkt aus dem Spiel; Wray sah das mehrfach. Die Regel 2019 schafft das ab – das Schiff bleibt im Rennen und darf nur noch gratis manövrieren (Super-Meeple-Regel, S. 3).
  • Material 1997: Schaufelräder mussten beklebt werden („etwas fummelig“, Jury); Leser berichten von abfallenden Aufklebern und herausfallenden Rädern (spieletest.at, 2002/2004).
  • Was es bis heute gut macht: Für Kulkmann (boardgame.de) „tremendous fun“, besonders zu fünft; Joe Huber schätzt die vielen Optionen pro Zug (29 Partien, Opinionated Gamers); Patrick Brennan lobt den Aufholmechanismus – der Führende weiß nie, wohin der Fluss biegt; spieletest.at: „Ein wirklich nettes Spiel mit einer guten Spielidee“.

Klassiker: Moderne Alternativen

  • Heat – Wenn du an Mississippi Queen das Haushalten mit Tempo und Kohle mochtest: Der Gang bestimmt die Zahl der gespielten Karten, zu schnelle Kurven heizen den Motor auf und verstopfen die Hand mit Hitzekarten; 1–6 Spieler, 30–60 Min., ab 10.
  • Flamme Rouge – Wenn du das Rennen ohne Würfelbewegung mochtest: Rouleur und Sprinteur fahren mit verdeckt gewählten Energiekarten, wer vorne im Wind liegt, sammelt Erschöpfung; 2–4 Spieler, 30–45 Min., ab 8.
  • Jamaica – Wenn du das Familienrennen mit Nebenaufgabe mochtest: Piratenschiffe segeln um die Insel, der Kapitänswürfel gibt den Rhythmus vor, gewonnen hat am Ende das meiste Gold; 2–6 Spieler, 30–60 Min., ab 8, Essener Feder 2008.
  • Formula D – Wenn du das Risiko beim Beschleunigen mochtest: Sechs Würfel für sechs Gänge, jede Kurve verlangt Stopps, sonst drohen Verschleiß oder das Aus; 2–10 Spieler, ab 8.
  • Downforce – Wenn du das Abdrängen und Blockieren mochtest: Jede Karte bewegt mehrere Autos, auch gegnerische, dazu wird dreimal geheim auf den Sieger gewettet; 2–6 Spieler, 20–40 Min.

So wird gespielt

  • Material (1997): 12 Flussteile (eines Startteil), Landungsmole, Messstab, 5 Raddampfer, 10 Schaufelräder, 16 Passagiere, Richtungswürfel (je zwei Seiten links/geradeaus/rechts), Aufkleberbogen. Rotes Rad = Geschwindigkeit (Start 1), schwarzes Rad = Kohle (Start 6).
  • Fahrschule (Einstiegsspiel): Startteil mit Feldern 1–5, drei Reserveteile; der jüngste Spieler setzt auf Feld 1, dann im Uhrzeigersinn. Zug: Vor der Bewegung Tempo um 1 kostenlos ändern, jeder weitere Punkt kostet 1 Kohle; dann genau so viele Felder vorwärts (Bug voran, nie rückwärts, nicht über Inseln oder den Rand). Eine 60°-Drehung pro Zug gratis, jede weitere 1 Kohle. Ist die Kohle aufgebraucht, scheidet aus, wer noch einen Kohlepunkt bräuchte.
  • Fluss legen: Wer als Erster ein leeres Flussteil betritt, beendet seinen Zug, würfelt die Richtung und legt das nächste Teil an die linke, mittlere oder rechte Verbindungsnase; ein Kreis ist verboten (neu würfeln). Verlassene Teile kommen weg. Wer sonst über das Ende hinausfahren würde, muss bremsen oder drehen.
  • Abdrängen: Fremde Dampfer dürfen auf ein freies Nachbarfeld geschoben werden; das kostet je Dampfer einen Bewegungspunkt zusätzlich zum Feld selbst (tabu: Inseln, in diesem Zug befahrene Felder, Herkunftsfeld). Der Abgedrängte richtet sein Schiff sofort beliebig aus.
  • Ziel: Wer das letzte Flussteil anlegt, würfelt gleich noch einmal für die Landungsmole mit drei Anlegestegen. Im Einstiegsspiel gewinnt, wer zuerst ein Anlegefeld erreicht (Restpunkte verfallen); die übrigen spielen die Plätze aus.
  • Passagierspiel (das eigentliche Spiel): Alle 11 Reserveteile; 8/12/16 Passagiere bei 3/4/5 Spielern; auf jede neu gelegte Insel mit Station kommen 1 (3 Spieler), 2 (5 Spieler) bzw. bei 4 Spielern 1 auf rote und 2 auf braune Stationsdächer. Aufnehmen: Zug mit Geschwindigkeit 1 auf dem Feld des Stegs beenden, ein Passagier pro Station, höchstens zwei insgesamt; auch wer mit Tempo 1 an einen Steg abgedrängt wird, darf aufnehmen. Zugreihenfolge nach Position: vorderstes Flussteil zuerst, dann höheres Tempo, mehr Kohle, „rechts vor links“; der Messstab wird an der Verbindungsnase angelegt und zurückgezogen, bis er den ersten Dampfer berührt. Sieg: zuerst mit zwei Passagieren und Geschwindigkeit 1 an der Mole anlegen.
  • Neuauflage 2019 (Super Meeple): Abweichungen: ein Dampfer ohne Kohle bleibt im Spiel; wer Insel oder Ufer nicht ausweichen kann, setzt eine Runde aus; Spielende erst, wenn alle bis auf einen angelegt haben. Profiregeln mit 6 Zusatzteilen: Kohlestationen (Tempo 1 am Steg → Kohle auf 6), Treibholz (2 Punkte je Feld, danach je 1 Tempo weniger), Sandbänke (Stopp, Tempo 1), Archipel; Varianten für 2 Spieler (je zwei Schiffe) und 6 Spieler. Black Rose: schwarzer Dampfer mit unbegrenzter Kohle, den jeweils der Spieler steuert, der als Letzter zieht; er nimmt keine Passagiere auf, kann dem Steuernden aber Kohle abgeben.

Stimmen aus Rezensionen

  • Jury Spiel des Jahres (1997): stimmige Umsetzung eines nostalgischen Themas, schöne Ausstattung, Mischung aus Glück und Taktik, Regel schnell verstanden. Kritik: Bekleben der Schaufelräder „etwas fummelig“.
  • spieletest.at (Arno Steinwender, 07.01.2001): kein simples Würfelrennen, viel Abwechslung durch den wachsenden Fluss, liebevolles Design. Kritik (Leser 2007): wenig Langzeitspaß, kaum Interaktion.
  • superfred.de (Troudi, 20.12.2004, 4–5/10): Mechanismus „interessant und innovativ“, variabler Plan. Kritik: lang, wenig abwechslungsreich, Passagiere nehmen das Tempo heraus.
  • Opinionated Gamers (Chris Wray u. a., 30.07.2015; 2× „I love it“, 3× „I like it“, 3× neutral): clevere Kombination aus Rennen, Ressourcen und Aufnehmen, am besten zu viert oder fünft („bumper boats“), langsam und stetig gewinnt. Kritik: trocken, wenn sich das Feld trennt; Black Rose hilft.

Auszeichnungen

  • Spiel des Jahres 1997 (Gewinner) · Deutscher Spielepreis 1997 Platz 4 (Preislisten) · Essener Feder 1997 · Hippodice-Autorenwettbewerb 3. Platz (Regelheft: 1995)
  • Umfrage Alter 8+ · kein Text im Spiel

Ausgaben & Erweiterungen

  • Goldsieber 1997 · Rio Grande Games 1997/98 (englisch) · Goldsieber/Simba 1997
  • Erweiterung „Mississippi Queen: The Black Rose“: sechstes Schiff für 2–6 Spieler, neue Flussteile mit Sandbänken, Treibholz und Kohlestationen, der schwarze Dampfer als neutrales „Piratenschiff“ (Kulkmann; Jury 2025).
  • Neuauflage 2019: Super Meeple (französisch, 45 €, auf Lager 2026-10-21), Keep Exploring Games (NL/EN/DE, 45 €, auf Lager 2026-10-21), GateOnGames (italienisch), Zvezda (russisch), rein englische Ausgabe (Vertrieb Asmodee USA seit 2021, asmodeena.com). Keine Ausgabe eines deutschen Verlags gefunden (2026-10-21).

Autoren & Verlag

  • Autor: Werner Hodel · Illustration: Franz Vohwinkel (Goldsieber 1997); Neuauflage 2019: Fabrice Weiss, Christophe Swal, Igor Polouchine (Super-Meeple-Regel)
  • Verlag: Goldsieber Spiele / Simba Toys (1997) · deutsche Ausgabe = Original: Goldsieber 1997, laut Jury-Rückblick seit 2003 aus dem Programm (spiel-des-jahres.de, Stefan Ducksch, Januar 2007); Neuauflage 2019 mit Erweiterung „The Black Rose“ bei Super Meeple (französisch) und Keep Exploring Games
  • Rennspiel mit Raddampfern: Geschwindigkeits- und Kohlerad am Schiff, der Fluss wächst per Richtungswürfel, zwei Passagiere müssen unterwegs an Bord

Videos auf YouTube

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