Euphrat & Tigris
Tigris & Euphrates
Mitspieler findenNoch keine Stimmen
DE RegelEN RulesSpieler
2–4
Dauer
60–120 Min.
Alter
ab 12
Erschienen
1997
Komplexität
Anspruchsvoll
Ihr setzt die vier Anführer eurer Dynastie neben Tempel, legt Plättchen in vier Farben zu Königreichen und sammelt Siegpunkte in genau diesen Farben – zusammenwachsende Königreiche lösen Konflikte aus, und am Schluss zählt nur die Farbe, in der jeder am wenigsten hat (Regelheft).
Euphrat & Tigris () ist ein Expertenspiel für 2–4 Personen ab 12 Jahren und ist 1997 erschienen. Eine Partie dauert 60–120 Minuten.
MechanikPlättchen legenGebietskontrolle
AnspruchAnspruchsvollSprachunabhängig
Auf einen Blick
- Für wen: Kenner und Experten („Spiele-Gourmets mit einiger Zeit“, Jury); AV Club: am besten zu viert, „almost as well with three“ (Keith Law, 24.06.2015)
- Ähnlich wie: Huang (Knizias Nachfolger mit fünf Farben, Wertung ebenfalls nur die niedrigste Farbe); Einfach Genial (dieselbe Wertung als Familienspiel); El Grande (Mehrheiten-Klassiker aus demselben Verlag, aber mit festen Spielerfarben)
- Wissenswert:
- Es gibt keine Spielerfarben – jeder spielt alle vier Farben, die Dynastie erkennt man nur am Symbol (Regelheft).
- Knizias Plättchen waren zuerst beschriftet und mussten in feste Spalten; ein Tester fragte „Warum machen wir das nicht frei?“ – „das hat auf Anhieb funktioniert“ (Knizia, Talking Shelf Space, 24.07.2026).
Klassiker: Wie das Spiel entstand
- Thema zuerst: Knizia hatte „schon immer einen Faible für … antike Geschichte“; Mesopotamien reizte ihn, weil die Reiche „gewachsen und dann wieder zerfallen sind“ – er wollte „kein statisches Spiel machen“. Es sei das Spiel, das er „am meisten recherchiert“ habe, monatelang mit Büchern aus Londoner Buchläden (Reiner Knizia im Interview mit Alex, Talking Shelf Space; Gespräch Dezember 2025, veröffentlicht 24.07.2026).
- Nebenberuf: Knizia arbeitete seit 1993 für eine Bank in England, entwickelte „in der Früh“ und testete abends. Der Deutsche Spielepreis für Modern Art habe „viele Türen geöffnet“; der Wechsel in den Hauptberuf fiel in die Zeit von Euphrat & Tigris (ebd.).
- Grundideen: Nicht ein Spieler besitzt ein Reich, sondern Anführer verschiedener Bereiche halten es zusammen, mit „immer wieder wechselnden Interessen“. Und weil ein Reich keine Schwäche haben darf, zählt die schlechteste Farbe: „Ich habe erst unlängst gehört, dass das ja inzwischen Knizia-Scoring heißt“ (ebd.).
- Testen: Der Vorschlag, die Plättchen frei statt in vorgeschriebene Spalten zu legen, kam von einem Tester (im Interview „Martin Heiem“; das Regelheft dankt einem Martin Higham). Vier Farben und quadratische Felder standen früh fest, Sechsecke hätten „noch mehr Komplexität“ gebracht (ebd.). Das Regelheft dankt rund 25 Testspielern, „ganz besonders“ Dieter Hornung.
- Verlag: Knizia kannte Bernd Brunnhofer (Hans im Glück) seit den späten 1980er Jahren von der Nürnberger Messe: „Er war damals klein und ich war damals klein.“ Der Verlag habe „ganz wenig verändert“, sogar der Titel stamme von Knizia (ebd.). Erschienen 1997, laut boardgame.de (Doug Adams) auf der SPIEL in Essen 1997 vorgestellt; englisch laut Meeple Mountain zwei Jahre später, laut Knizia bei Mayfair 2000.
- Lizenzweg: Pegasus 2007 (mit Erweiterungsmodul von Knizia), Fantasy Flight 2015, später Z-Man. Nach der Asmodee-Übernahme fiel laut Knizia die Entscheidung, „diese Klassiker nicht weiterführen“; die Rechte gingen an ihn zurück, sein Büro wählte 25th Century Games (ebd.). Eine 2023 erwartete Neuauflage verzögerte sich durch den Lizenzwechsel (Wargamer, Mollie Russell, 05.11.2025). Kickstarter mit Grafik von Ian O'Toole: 14.–31.07.2026, 8.655 Unterstützer, 665.724 US-Dollar (Kicktraq, 31.07.2026).
Klassiker: Bedeutung für die Brettspielwelt
- Preise: Deutscher Spielepreis 1998, 1. Platz (Preisliste) und Empfehlungsliste Spiel des Jahres 1998 (Jury-Seite): „ein strategisches Spiel mit relativ hohem Komplexitätsgrad“ mit „sehr vielfältiger“ Punktevergabe.
- „Knizia-Scoring“: Die Wertung über die schwächste Kategorie wurde zum Fachbegriff (Knizia, Talking Shelf Space) und kehrt in Einfach Genial und Huang wieder.
- Ruf als Meisterwerk: Tom Lehmann nannte es in „Hobby Games: The 100 Best“ (2007) ein „tactically rich, intense strategy game with lots of conflict“, ungewöhnlich für ein deutsches Spiel (zitiert nach Wikipedia). Meeple Mountain: „Many hobbyists consider it Knizia's masterpiece“, ganze Zweige des Spieldesigns seien daraus hervorgegangen (Thomas Wells, 18.03.2025). Reich der Spiele (Michael Weber): „Spieltiefe, die für ein Brettspiel fast einzigartig ist“, „das Zeug zum modernen Klassiker“.
- Ableger: Kartenspiel „Euphrat & Tigris: Wettstreit der Könige“ (2005, Reich der Spiele), Erweiterung „Die Zikkurat“ (2009), Nachfolger Yellow & Yangtze und Huang, in denen Knizia die Konflikte anders löste (Talking Shelf Space).
Klassiker: Warum es heute aus der Zeit gefallen ist
- Dauer und Einstieg: „gut zwei Stunden“ (Jury); Regeln „fairly heavy“, kein Familienspiel (boardgame.de, Doug Adams); „sehr umfangreiche und eigenwillige Regeln“ (Reich der Spiele); „Tough to learn, incredibly tough to master“, ein früher Fehler mache eine Stunde lang „intensely vulnerable“ (Michael Heron, Meeple Like Us, 08.06.2019).
- Zwei Konfliktarten: Intern zählen nur benachbarte Tempel, extern alle Anhänger im ursprünglichen Königreich – zwei Rechenwege, die auf den Sichtschirmen abgedruckt sind (Regelheft S. 9). Knizia nennt die Konflikte „der komplexeste Teil des Spiels“ und „schon ziemlich brutal“ (Talking Shelf Space).
- Ungefragt im Krieg: Wer Königreiche verbindet, löst Konflikte zwischen anderen aus; Kriege seien „massively disruptive“ (Heron).
- Zufall: Plättchen kommen blind aus dem Beutel; ein Leser bei brettspiele-report sah ohne rote Plättchen „keine Chance“ mehr, die Jury hielt den Zufall für „nicht wesentlich“.
- Material: Anführer unterscheiden sich nur durch die Farbe, „vor allem bei Leuten mit Rot/Grün-Schwäche“ ein Problem (brettspiele-report, Jörg Lehmann); Sichtschirme „very flimsy“ (Heron) bzw. „etwas klein geraten“ (Reich der Spiele).
- Verfügbarkeit: keine deutsche Ausgabe im Handel, die Neuauflage 2026 ist englisch. Knizia: „in den 90er Jahren kannte es jeder, jetzt kennt's nicht mehr jeder.“
- Was bis heute funktioniert: Die Wertung bremst Führende (AV Club); Dan Thurot nennt es „one of the most strongly thematic“ Spiele, weil Reiche wachsen und zerfallen (Space-Biff, 18.06.2015); Thomas Wells vergibt die Höchstnote (Meeple Mountain 2025).
Klassiker: Moderne Alternativen
- Huang – Wenn du an Euphrat & Tigris Anführer, Plättchen und die Wertung über die schwächste Farbe mochtest: Knizias Nachfolger mit fünf Plättchenarten, 2024 bei PHALANX neu erschienen.
- Einfach Genial – Wenn du nur die „schwächste Farbe zählt“-Spannung willst: 30–45 Min., ab 8, keine Konflikte, bei KOSMOS im Handel (Eintrag, Stand 2026-10-15).
- El Grande – Wenn du den Kampf um Mehrheiten mochtest: Klassiker aus demselben Verlag, 2023 als „El Grande 2.0“ neu aufgelegt, mit festen Spielerfarben und drei festen Wertungen übersichtlicher.
- Inis – Wenn du Konflikte um gemeinsam bewohnte Gebiete mochtest: Clans teilen sich Gebiete, 60–90 Min., mehrere Siegbedingungen.
- Blue Lagoon – Wenn du Knizias Gebietsspiele leichter willst: Inseln besiedeln, Sets sammeln, 30–45 Min., ab 8.
- Ohne Eintrag: Durch die Wüste, Samurai (Knizias weitere Plättchen-Spiele der späten 1990er) und Babylonia (Knizia 2019, ebenfalls Zweistromland) – siehe Offene Punkte.
So wird gespielt
- Material: Spielplan, 153 Zivilisations-Plättchen (Bevölkerung schwarz 30, Tempel rot 57, Landwirtschaft blau 36, Markt grün 30), 8 Katastrophen-Plättchen, 1 Verbindungs-Plättchen, 6 zweifarbige Holz-Monumente, 16 Anführer in 4 Dynastien (Löwe, Stier, Bogenschütze, Töpfer; König schwarz, Priester rot, Bauer blau, Händler grün), 140 Holzwürfel als Siegpunkte (klein 1, groß 5), 10 Schätze, 4 Sichtschirme, Beutel, Übersichtsbogen.
- Aufbau: Auf die 10 Felder mit geflügelten Wesen je ein Tempel mit Schatz; Rest in den Beutel. Jeder nimmt eine Dynastie, 2 Katastrophen-Plättchen und zieht 6 Plättchen hinter den Schirm. „Man beachte, daß es keine Spielerfarben gibt. Jeder spielt alle Farben.“
- Königreich: Waagrecht/senkrecht verbundene Plättchen und Anführer bilden ein Gebiet; mit mindestens einem Anführer ist es ein Königreich. Anführer verschiedener Farben leben friedlich zusammen, gleichfarbige lösen Konflikte aus.
- Zug: Zwei Aktionen, auch zweimal dieselbe: (1) Anführer setzen – nur auf ein freies Landfeld neben einem Tempel, nie so, dass er zwei Königreiche verbindet; versetzen oder zurückziehen erlaubt; verliert ein Anführer seinen letzten Nachbar-Tempel, kehrt er sofort zurück. (2) Plättchen legen – blaue nur auf Fluss, andere nur auf Land; im Königreich mit Anführer dieser Farbe bekommt dessen Besitzer 1 Punkt der Farbe, ohne diesen Anführer der Besitzer des Königs; verbindet es zwei Königreiche, gibt es keinen Punkt. (3) Katastrophe – auf ein freies Feld oder ein Plättchen (kommt aus dem Spiel), nicht auf Schatz, Monument oder Anführer; trennt dauerhaft. (4) Bis zu 6 Plättchen tauschen – beliebig viele ablegen und nachziehen.
- Interner Konflikt (Anführer kommt in ein Königreich mit gleichfarbigem Anführer): Beide zählen die direkt benachbarten Tempel ihres Anführers (ein Tempel kann für beide zählen), dann legt erst der Angreifer, dann der Verteidiger Tempel vom Schirm dazu. Mehr gewinnt, Gleichstand der Verteidiger. Verlierer nimmt den Anführer zurück, Sieger erhält 1 roten Punkt, ausgelegte Tempel sind aus dem Spiel.
- Externer Konflikt (Plättchen verbindet zwei Königreiche mit gleichfarbigen Anführern; nie drei auf einmal): Der aktive Spieler bestimmt die Reihenfolge; ist er beteiligt, ist er Angreifer, sonst der nächste Beteiligte im Uhrzeigersinn. Gezählt werden alle Plättchen der Farbe im jeweils ursprünglichen Königreich plus ausgelegte vom Schirm (jeder einmal). Der Verlierer entfernt Anführer und alle gleichfarbigen Anhänger seines Königreichs; der Sieger erhält je 1 Punkt pro entferntem Anhänger und für den Anführer. Ausnahme Priester: Tempel mit Schatz oder neben anderen Anführern bleiben. Zerfällt das Königreich, entfallen weitere Konflikte.
- Monumente: Entsteht ein 2×2-Quadrat gleicher Farbe, darf der aktive Spieler die vier umdrehen und ein Monument mit dieser Farbe daraufstellen (Konflikt vorher; nicht nachholbar). Umgedrehte Plättchen verbinden weiter, zählen aber nicht mehr als Anhänger; Monumente sind unzerstörbar. Am Zugende gibt jedes Monument im Königreich 1 Punkt je passendem eigenen Anführer (König hier nur für Schwarz).
- Schätze: Liegt nach einer Aktion mehr als ein Schatz in einem Königreich, nimmt der Besitzer des Händlers dort alle bis auf einen, Eck-Tempel zuerst. Schätze sind Joker für eine Farbe nach Wahl.
- Zugende: Monument-Punkte, dann auf 6 Plättchen nachziehen (auch Mitspieler, die ausgelegt haben).
- Spielende: Nur noch 1 oder 2 Schätze auf dem Plan, oder der Beutel ist leer und jemand kann nicht auf 6 ergänzen. Jeder vergleicht seine schwächste Farbe (Schätze vorher zuordnen), bei Gleichstand die zweitschwächste usw.
- Spätere Ausgaben: Pegasus 2007 ergänzte einen Rückseiten-Plan mit 14 Schätzen und das „Ausbauspiel“ mit vier Zivilisations-Gebäuden (ab drei gleichfarbigen Marken in einer Reihe; verdoppeln die Punkte beim Legen im Königreich) (Reich der Spiele); Fantasy Flight 2015 übernahm doppelseitigen Plan und Gebäude (ICv2, 07.01.2015; RulesPal).
Stimmen aus Rezensionen
- Jury Spiel des Jahres (Empfehlungsliste 1998): hoher Komplexitätsgrad, vielfältige Punktevergabe, Glück „nicht wesentlich“, Ausstattung „lobenswert“. Kritik: gut zwei Stunden, nur für Spiele-Gourmets.
- Reich der Spiele (Michael Weber): „wahres Spielejuwel“, zu zweit fast einzigartige Spieltiefe. Kritik: umfangreiche, eigenwillige Regeln; zu dritt/viert wirft das Brett jede Planung um; Sichtschirme klein.
- brettspiele-report (Jörg Lehmann): „ungeheuren Spaß“, jede Partie anders. Kritik: Anführer nur per Farbe unterscheidbar; Leser: Nachzieh-Zufall „sehr entscheidend“.
- boardgame.de (Doug Adams): „a must buy for serious game players“, schachähnlich. Kritik: kein Familienspiel; Materialprobleme der Erstauflage (laut Adams rasch behoben).
- AV Club (Keith Law, 24.06.2015, 10/10): „essential purchase“. Kritik: zu zweit uneinnehmbare Stellungen möglich.
- Meeple Like Us (Michael Heron, 08.06.2019): „rich, deep, complex and immensely satisfying“. Kritik: hohe Hürden bei Komplexität, Gedächtnis (verdeckte Punkte) und Farbsehen.
Auszeichnungen
- Deutscher Spielepreis 1998, 1. Platz (Preisliste) · Empfehlungsliste Spiel des Jahres 1998 · Meeples' Choice Award 1997
- keine sprachabhängigen Texte · Umfrage-Alter 12+
Ausgaben & Erweiterungen
- Deutsch: Hans im Glück 1997 · Pegasus Spiele 2007 (mit Rückseiten-Plan und Zivilisations-Gebäuden) · Heidelberger Spieleverlag 2015 – alle vergriffen (keine Produktseite bei Hans im Glück, Pegasus oder Asmodee, 2026-10-21).
- Englisch: Mayfair Games (1999 laut Meeple Mountain, 2000 laut Knizia), Mayfair 2005, Fantasy Flight 2015 „Euro Classics“ (UVP 59,95 US-Dollar, ICv2 07.01.2015), danach Z-Man Games; 25th Century Games 2026 (Kickstarter 14.–31.07.2026, Grafik Ian O'Toole, laut Knizia „wirklich das Originalspiel“). Weitere Sprachen u. a. 999 Games, Devir, Matagot, Hobby Japan, Lacerta.
- Erweiterung: Euphrat & Tigris: Die Zikkurat – neues Monument mit einem Siegpunkt in einer Farbe nach Wahl (brettspiele-report).
- Ableger (nur genannt): Kartenspiel „Euphrat & Tigris: Wettstreit der Könige“ (2005), Yellow & Yangtze (Jahr und Verlag nicht geprüft), Huang (PHALANX 2024).
Autoren & Verlag
- Autor: Reiner Knizia · Illustration je Ausgabe: Doris Matthäus (Hans im Glück 1997), Christine Conrad/Bascu (Pegasus 2007), Tom und Ricarda Thiel u. a. (Fantasy Flight 2015), Ian O'Toole (25th Century Games 2026)
- Verlag (Original): Hans im Glück, 1997 (Regelheft © 1997, 1998) · deutsche Ausgaben: Hans im Glück 1997, Pegasus Spiele 2007, Heidelberger Spieleverlag 2015 · aktuell keine deutsche Ausgabe im Handel gefunden (hans-im-glueck.de 2026-10-21 nicht erreichbar, Pegasus-Shop und Asmodee-Suche ohne Treffer; Knizia: das Spiel war „jetzt wirklich eine ganze Zeit vom Markt“, Talking Shelf Space 24.07.2026). Neue englische Ausgabe von 25th Century Games per Kickstarter (14.–31.07.2026), Auslieferung offen.
Videos auf YouTube
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