Malefiz

Familie▶ 15 Videos🏛 KlassikerStand 20.10.2026
DE RegelEN Rules
Spieler
2–4
Dauer
30–45 Min.
Alter
ab 6
Erschienen
1960
Komplexität
Einsteiger

Ihr würfelt fünf Figuren von unten durch ein Wegenetz nach oben. Wer genau auf einen weißen Sperrstein trifft, darf ihn fast überall neu hinstellen und damit andere blockieren. Es gewinnt die erste Figur, die mit genauem Wurf das Ziel erreicht (Regelheft).

Malefiz (Otto Maier Verlag Ravensburg) ist ein Familienspiel für 2–4 Personen ab 6 Jahren und ist 1960 erschienen. Eine Partie dauert 30–45 Minuten.

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Titelbild: Verlag (ravensburger.de) · Produktseite ↗ · Weitere Bilder: Amazon · bei Amazon ansehen ↗ (Affiliate-Link)

Auf einen Blick

  • Für wen: Familie und Kinder ab 6
  • Ähnlich wie: Mensch ärgere Dich nicht – gleiche Wurzel (Pachisi), aber Malefiz kennt freie Wege in alle Richtungen, Sperrsteine und den Sieg mit nur einer Figur (Glonnegger, zitiert bei kulturgutspiel.de).
  • Wissenswert:
    • Der Name stammt laut Überlieferung von der Frau des Verlegers Karl Maier, die beim Probespiel rief: „Ja, du bist doch ein Malefiz!“ (spielwiese.at, 17.03.2010).
    • Das Cover von 1960 mit Revolverheld und Dame im tiefen Dekolleté schockierte auf der Spielwarenmesse viele Besucher (Spiegel Online, 02.02.2007).

Klassiker: Wie das Spiel entstand

Werner Schöppner, Angestellter einer Essener Großbäckerei, entwickelte das Spiel 1959 mit 26 Jahren. Er bot es unter dem Titel „Räume oder Warte!“ drei Verlagen an (spielwiese.at, 17.03.2010: spielwiese.at; kulturgutspiel.de, Erstveröffentlichung 2010 auf zuspieler.de: kulturgutspiel.de). Ein Verlag antwortete nicht, einer lehnte ab. Nur der Otto Maier Verlag in Ravensburg bat um einen Spielplan zum Testen. Firmenchef Karl Maier probierte es im Familienkreis aus. Seine Frau soll dabei den Namen „Malefiz“ geprägt haben, ein alter Ausdruck für eine Missetat. Das ist eine Verlagsanekdote, die nur über diese Berichte überliefert ist.

Ravensburger stellte Malefiz am 17. März 1960 auf der Nürnberger Spielwarenmesse vor (spielwiese.at). Die Anleitung von 2005 bestätigt: „1960 erschien Malefiz zum ersten Mal im Otto Maier Verlag, Ravensburg“. Für den Spiegel war das Cover von Jan van Heusden „eine Provokation“: Es zeigt einen grimmigen Revolverhelden, eine Dame mit tiefem Dekolleté, einen bärtigen alten Mann und ein Mädchen (Bodo Mrozek, Spiegel Online, 02.02.2007: spiegel.de). Als Vorbild gilt „vermutlich“ das indische Pachisi (Spiegel). Die ersten 8000 Exemplare waren nach der Auslieferung im August 1960 sofort vergriffen (spielwiese.at). Exportiert wurde es unter dem Namen „Barricade“.

Klassiker: Bedeutung für die Brettspielwelt

  • Verbreitung: laut Ravensburger-Anleitung (2005) „über 5 Millionen Mal verkauft“, ebenso der Spiegel 2007 „nach Verlagsangaben“. Nach 20 Jahren waren es weltweit 3,5 Millionen (spielwiese.at).
  • Mechanischer Beitrag: Erwin Glonnegger, langjähriger Programmleiter bei Ravensburger, sah das Neue in den Sperren: Sie forderten „Fantasie, Geschicklichkeit, strategisches und taktisches Können“ heraus. Dazu kommen Wege in alle Richtungen und der Sieg mit einer einzigen Figur (Glonnegger, „Das Spielebuch“, zitiert bei kulturgutspiel.de). Aus dem Rundlauf wurde so ein Wegenetz mit beweglichen Hindernissen.
  • Familienklassiker: Spielforscher Rainer Buland (Mozarteum Salzburg) erklärt den Reiz mit der „Schadenfreude, … dem anderen ein Haxl zu stellen“. Das Familienspiel sei ein Ort, an dem sich Eltern und Kinder „auf Augenhöhe“ begegnen (kulturgutspiel.de).
  • Ableger: Ausgaben mit Disney- und SpongeBob-Figuren (spielwiese.at), heute Super Mario Malefiz (ravensburger.de).

Klassiker: Warum es heute aus der Zeit gefallen ist

  • Stillstand durch Blockaden. Wer mit keiner Figur ziehen kann, setzt aus. Sperrsteine darf man nicht überspringen, wegräumen geht nur mit genauem Wurf (Regelheft). Das Regelheft rät selbst, Gegner so zu blockieren, dass sie „nur mit der Würfelzahl 1 weiter kommen“. Dann steht man womöglich mehrere Runden.
  • Würfelglück am Ende. Ins Ziel kommt man nur mit genauem Wurf, und jede Augenzahl muss voll gezogen werden (Regelheft). Gegen eine Pechsträhne kurz vor dem Ziel hilft keine Planung. Ravensburger beschreibt das selbst so: Wandert das Würfelglück weiter, „ist die Poleposition blitzschnell wieder futsch“ (ravensburger.de, 26737).
  • Königsmacher. Wer den Sperrstein versetzt, entscheidet allein, wen er bremst. Bei vier Spielern trifft das oft den Führenden, und Absprachen gegen einen Spieler entscheiden das Spiel mit (Herleitung aus der Sperrstein-Regel).
  • Wenig Entscheidungstiefe pro Zug. Je Wurf wählt man Figur, Weg und, falls man einen Sperrstein erreicht, dessen neuen Platz. Mehr gibt es nicht (Regelheft).
  • Was bis heute funktioniert: Sperrsteine machen jeden Zug zu einer kleinen Ärgerentscheidung. Die Regeln passen auf eine Seite, und die mitgelieferte schnelle Variante (4 Figuren, 6 Sperrsteine, Ruhefelder) verkürzt die Partie (Regelheft). New Venture Games nennt es ein „nice, simple race game with plenty of ‚take-that‘“ mit „a certain amount of strategy and challenge“ (Blog, 30.06.2025).

Klassiker: Moderne Alternativen

  • Quoridor – Wenn du an Malefiz das Blockieren mit Sperren mochtest: Ihr baut Wände in ein Labyrinth und müsst dem Gegner immer noch einen Weg lassen. Es gibt keinen Würfel, alles ist reine Planung (2–4 Spieler, ca. 15 Min.). Noch ohne Eintrag, Regel nicht geprüft.
  • Blokus – Wenn du an Malefiz das Wegnehmen von Platz mochtest: Jeder neue Stein muss an einer Ecke anliegen, und wer geschickt legt, sperrt die anderen aus. Auch ohne Würfel (2–4 Spieler, ca. 30 Min.).
  • Santorini – Wenn du an Malefiz das Ziel „ganz nach oben“ mit Störmanövern mochtest: Ihr baut Stockwerke und blockiert mit Kuppeln. Wer zuerst auf der dritten Ebene steht, gewinnt, Götterkarten sorgen für Abwechslung (2–4 Spieler, 20 Min.).
  • Downforce – Wenn du an Malefiz das Rennen mit Gegnerkontakt mochtest: Karten bewegen auch fremde Autos, und wer die Strecke zustellt, bremst andere aus. Wetten belohnen gutes Lesen des Rennens (2–6 Spieler).

So wird gespielt

  • Material: doppelseitiger Spielplan (Original und „Das schnelle Malefiz“), 20 Figuren, 11 Sperrsteine, 1 Würfel. Für 2–4 Spieler ab 6.
  • Aufbau: je 5 Figuren auf die Startfelder der eigenen Farbe, Sperrsteine auf die 11 roten Felder. Der jüngste Spieler beginnt.
  • Zug: würfeln, mit einer Figur genau so viele Felder ziehen. Feld 1 ist das schwarze Feld vor den Startfeldern. Man darf in jede Richtung ziehen und abbiegen, aber im selben Zug nicht vor und zurück. Kein Würfelpunkt darf verfallen. Nach einer 6 nicht noch einmal würfeln. Figuren darf man überspringen. Kann keine Figur ziehen, setzt man aus. Wann welche Figur ins Spiel kommt, entscheidet jeder selbst.
  • Schlagen: Landet man genau auf einer Figur, geht diese zurück auf ein Startfeld ihrer Farbe.
  • Sperrsteine: nicht überspringbar. Wer genau auf einen trifft, setzt ihn auf ein beliebiges freies Feld außer der untersten Reihe, also auch auf schwarze Felder.
  • Taktiktipps im Heft: eigene Figuren dicht hintereinander, Gegner so blockieren, dass nur eine 1 hilft, Sperrsteine hinter die eigene Spitzenfigur legen.
  • Ende: Die erste Figur, die mit genauem Wurf ins Ziel kommt, gewinnt.
  • Das schnelle Malefiz (Rückseite): 4 Figuren je Spieler, 6 Sperrsteine, blaue Ruhefelder (dort kein Schlagen, keine Sperrsteine). Wer im „Dorf“ geschlagen wird, startet aus dem „Wald“ neu.

Stimmen aus Rezensionen

  • New Venture Games (Blog, 30.06.2025): einfaches Rennspiel mit viel „take-that“ und etwas Strategie. Das Blockieren sei „a huge part of the game“. Kritik betrifft nur das Cover von 1960, eine „very odd representation“ des Spiels.
  • kulturgutspiel.de (2010): Schadenfreude als Kern und ein Spiel, in dem sich Eltern und Kinder auf Augenhöhe begegnen (Buland). Eine Kritik am Spielablauf gibt es dort nicht.
  • Spiegel Online (02.02.2007): würdigt Malefiz als „Höhepunkt der analogen Spielkultur“ der 1960er-Jahre. Das ist eine Kulturglosse, keine Spielkritik.

Auszeichnungen

  • Auszeichnungen: keine geprüften gefunden.

Ausgaben & Erweiterungen

  • Aktuell: Ravensburger 26737 (Art.-Nr. laut ravensburger.de) · Reisespiel Super Mario Malefiz (Ravensburger 20529).
  • Frühere Ausgaben: Otto Maier 1960/1962 (auch mit Plan für 6 Spieler), Neugestaltung 1982 ohne Verzierungen (spielwiese.at), Ravensburger 1993, „Klassiker Edition“ und 2005 (Nr. 26 361 5) sowie Vedes-Ausgabe 1975 für bis zu 6 Spieler.
  • Themenausgaben mit Disney- und SpongeBob-Figuren (spielwiese.at). International als Barricade, in den USA zeitweise als „Obstruction“ (nicht geprüft).

Autoren & Verlag

Videos auf YouTube

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