Brettspiel-Lexikon · Spielgefühl und Jargon

Kingmaking (Königsmacher) – einfach erklärt

auch: Kingmaker, Königsmacher, Kingmaker-Problem

Kurz gesagt

Kingmaking heißt: Ein Spieler, der selbst nicht mehr gewinnen kann, entscheidet mit seinen Zügen, wer von den anderen gewinnt. Er wird zum „Königsmacher“. Das kann nur in Spielen mit drei oder mehr Personen passieren und gilt meist als unschön, weil der Sieg dann nicht mehr vom eigenen Spiel abhängt.

So funktioniert es

Kingmaking ist keine Regel, sondern eine Situation, die in vielen Spielen entstehen kann. Ein Beispiel: Drei Personen spielen ein Spiel, in dem man anderen Punkte abnehmen oder ihnen den Weg versperren kann. Kurz vor Schluss liegen Anna und Ben fast gleichauf vorne, Clara liegt weit zurück und kann nicht mehr gewinnen. In ihrem letzten Zug muss Clara entweder Anna oder Ben behindern – und wen sie wählt, der verliert.

  1. 1Clara kann nicht mehr gewinnen
  2. 2Ihr letzter Zug trifft Anna oder Ben
  3. 3Wen sie trifft, verliert
  4. 4Wen sie verschont, gewinnt
Die typische Kingmaking-Lage zu dritt: Nicht Annas oder Bens Spiel entscheidet, sondern Claras Wahl.

Clara hat dabei kein Ziel mehr, das ihr die Wahl abnimmt. Ob sie die Person behindert, die vorne liegt, ob sie sich für einen früheren Angriff rächt oder einfach würfelt – jede Entscheidung fühlt sich für einen der beiden ungerecht an. Genau das macht Kingmaking für viele Gruppen so unangenehm: Es kann eine spannende Partie am Ende verderben.

Kingmaking tritt vor allem auf, wenn mehrere Dinge zusammenkommen:

  • Direkte Interaktion: Man kann anderen gezielt schaden oder helfen.
  • Offene Punktestände: Alle wissen genau, wer vorne liegt und wer keine Chance mehr hat.
  • Weit abgeschlagene Spieler: Wer sicher nicht mehr gewinnen kann, hat keinen Grund mehr, für sich selbst zu spielen.
  • Drei oder mehr Spieler: Zu zweit gibt es niemanden, für den man den Königsmacher spielen könnte.

Spielformen

Spiele gehen auf verschiedene Weise mit Kingmaking um – oder lassen es gar nicht erst entstehen:

  • Zu zweit: In Duellspielen wie 7 Wonders Duel, Patchwork oder Schach gibt es keinen Dritten, der den Sieg verschenken könnte.
  • Gemeinsam statt gegeneinander: In kooperativen Spielen wie Pandemie oder Die Crew reist gemeinsam zum 9. Planeten gewinnen oder verlieren alle zusammen.
  • Geheime Punkte: In Diamant legt ihr eure gesicherte Beute in eine Truhe, und dort darf sie geheim bleiben. Wer nicht genau weiß, wer vorne liegt, kann den Sieg auch schlecht verschieben.
  • Wenig direkte Interaktion: In Spielen, in denen jeder vor allem an seiner eigenen Auslage baut – typisch für Engine-Building –, hat der Abgeschlagene kaum Mittel, andere zu behindern.
  • Hoffnung bis zuletzt: Aufholregeln wie die Ratten bei den Quacksalbern von Quedlinburg helfen den Hinteren, sodass sie länger für sich selbst spielen.

Abgrenzung

BegriffWas gleich istWas anders ist
Auf den Führenden spielen („Bash the leader“)Mehrere behindern gezielt eine Person.Wer den Führenden bremst, will selbst noch gewinnen. Beim Kingmaking kann der Entscheidende nicht mehr gewinnen.
Verhandeln und BündnisseSpieler helfen sich gegenseitig.Bündnisse sind ein Teil des Spiels, an dem alle teilnehmen; Kingmaking ist ein Nebeneffekt am Ende.
Runaway Leader (davonziehender Spitzenreiter)Beides ist ein Problem der Spielbalance.Beim Runaway Leader ist der Sieger früh klar; beim Kingmaking ist es knapp, und ein Dritter entscheidet.
DowntimeBeides beschreibt etwas, das am Tisch stören kann.Downtime betrifft das Warten, Kingmaking das Ergebnis.

Herkunft

Das Wort stammt aus der englischen Geschichte: Richard Neville, 16. Earl of Warwick (1428–1471), hieß „Warwick the Kingmaker“, weil er in den Rosenkriegen einem König auf den Thron verhalf und zwei absetzte (Quelle: Wikipedia „Richard Neville, 16th Earl of Warwick“). Als frühester Beleg für das englische Wort wird das Jahr 1595 genannt (Quelle: Wordsmith.org, „kingmaker“); eine andere Darstellung führt es auf eine lateinische Formulierung von 1521 und auf ein Gedicht von Samuel Daniel zurück (Quelle: Aspects of History).

1974 erschien in Großbritannien das Brettspiel Kingmaker von Andrew McNeil über die Rosenkriege (Quelle: Wikipedia „Kingmaker (board game)“). Ob es den Spielbegriff geprägt hat, ist nicht belegt; ebenso wenig, wer das Wort zuerst auf die Spielsituation übertragen hat. Heute ist „Kingmaking“ der gängige Name für das, was der Spieleautor Lewis Pulsipher „petty diplomacy problem“ nannte; der Autor Cole Wehrle verteidigt Kingmaking in einem Vortrag sogar als bewusstes Gestaltungsmittel (Quelle: Skeleton Code Machine, „Kingmaking“, 15.05.2024).

Was daran begeistert – und was manche stört

Die meisten Spieler empfinden Kingmaking als Störung: Wer eine Partie knapp verliert, weil ein Dritter so entschieden hat, fühlt sich um den Lohn seines Spiels gebracht. Gruppen streiten dann leicht darüber, ob die Entscheidung fair war – und das verdirbt die Stimmung mehr als eine klare Niederlage.

Es gibt aber auch die andere Sicht. In Spielen mit Verhandlung und Politik gehört es dazu, dass Abgeschlagene noch Einfluss haben; manche Autoren sehen darin einen Teil des Spiels, nicht einen Fehler. Und viele Gruppen haben eine einfache Abmachung: Wer nicht mehr gewinnen kann, spielt so, als ob er noch um den bestmöglichen Platz kämpft. Wer Kingmaking ganz vermeiden will, wählt Spiele zu zweit, kooperative Spiele oder Spiele mit verdeckten Punkten.

Spiele zum Ausprobieren

Spiele, in denen Kingmaking kaum vorkommen kann:

Häufige Fragen

Was bedeutet Kingmaking bei Brettspielen?

Ein Spieler, der selbst nicht mehr gewinnen kann, entscheidet durch seine Züge, wer von den anderen gewinnt. Er „macht den König“ – daher der Name.

Ist Kingmaking verboten?

Nein, es ist keine Regelverletzung, sondern eine Lage, die durch die Regeln entstehen kann. Viele Gruppen haben aber die Abmachung, dass jeder bis zum Schluss für die eigene Platzierung spielt.

Welche Spiele haben kein Kingmaking?

Spiele zu zweit und kooperative Spiele, weil es dort keinen unbeteiligten Dritten gibt. Seltener wird es auch in Spielen mit verdeckten Punkten und wenig direkter Interaktion.

Woher kommt der Begriff Kingmaker?

Von Richard Neville, Earl of Warwick, der im 15. Jahrhundert in den englischen Rosenkriegen Könige ein- und absetzte und deshalb „the Kingmaker“ genannt wurde.

Quellen

Stand 05.11.2026 · geschrieben von boardgamez.de in eigenen Worten; Beispiele aus vollständig gelesenen Regelheften. So entsteht das Lexikon