Bluff

Liar's Dice
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DE RegelEN Rules
Spieler
2–6
Dauer
30 Min.
Alter
ab 12
Erschienen
1986
Komplexität
Einsteiger

Jeder schüttelt fünf Würfel unter seinem Becher, dann wird reihum gewettet, wie viele Dreier, Fünfer oder Sterne unter allen Bechern liegen – erhöhen oder anzweifeln, passen ist verboten; wer die Wette verliert, gibt so viele Würfel ab, wie er daneben lag (Regelheft).

Bluff () ist ein Familienspiel für 2–6 Personen ab 12 Jahren und ist 1986 erschienen. Eine Partie dauert 30 Minuten.

ThemaHumor
Bluff: Ansicht

Titelbild: Verlag (ravensburger.de) · Produktseite ↗ · Weitere Bilder: Amazon · bei Amazon ansehen ↗ (Affiliate-Link)

Auf einen Blick

  • Für wen: Familie und Partyrunde ab 12
  • Ähnlich wie: Skull (Bluffen mit verdeckten Scheiben statt Würfeln, ebenfalls Ausscheiden); Kakerlakenpoker (Behauptung glauben, anzweifeln oder weiterschieben); Perudo (gleiche Spielfamilie ohne Spielplan und Neuwürfeln – kein Eintrag)
  • Wissenswert:
    • Spiel des Jahres 1993 – laut Jury war das Spiel als „Liar's Dice“ schon vorher „unter Insidern eine Legende“.
    • Richard Borg verkaufte seine Eigenauflage „Doubter's Dice“ 1986 auf der Gen Con genau sechsmal – ein Käufer arbeitete bei Milton Bradley (Opinionated Gamers, 13.07.2015, nach Auskunft Borgs).
    • Trifft eine Wette exakt, verlieren alle anderen einen Würfel – nur der Wetter nicht (Regelheft).

Klassiker: Wie das Spiel entstand

  • Kneipenursprung: Richard Borg spielte 1986 nach Softballspielen mit Mannschaftskameraden „Liar's Poker“ mit den Seriennummern von Dollarscheinen. Er wollte dasselbe Spielgefühl ohne Bargeld und entwickelte „Doubters Dice“; damals arbeitete er bei JCPenney und hatte als Tester bei TSR (Dungeons & Dragons) erste Spieleerfahrung (Chris Wray, Opinionated Gamers, 13.07.2015, nach eigenen Auskünften Borgs).
  • Eigenverlag und Flop: Borg und seine Frau Sandy steckten einen großen Teil der Ersparnisse in eine Eigenauflage und einen Stand auf der Gen Con – verkauft wurden sechs Exemplare, eines davon an einen Mitarbeiter von Milton Bradley (Opinionated Gamers; Borg: „the rest you can say is history“).
  • Milton Bradley: 1987 erschien das Spiel als „Liar's Dice“, unverändert bis auf den Namen und das Sternsymbol auf einer Würfelseite; es verkaufte sich gut, wurde aber nach wenigen Jahren eingestellt (Opinionated Gamers).
  • Weg nach Deutschland: F.X. Schmid wollte das Spiel lizenzieren, bekam von Milton Bradley zunächst den falschen Autorennamen (Richard Berg, der Kriegsspielautor) und fand schließlich Borg; 1993 erschien „Bluff“ (Opinionated Gamers). Die Jury bestätigt F.X. Schmid 1993 als Verlag; das „amerikanische Zockerspiel“ sei „wirklich so gut wie sein Ruf“ gewesen (spiel-des-jahres.de). Deutscher Spielepreis 1993: Platz 4 (Wikipedia-Liste; Opinionated Gamers).
  • Spätere Stationen: 1997 brachte F.X. Schmid USA unter Leitung von Alan Moon das Spiel als „Call My Bluff“ in die USA; nach der Übernahme von F.X. Schmid gab Ravensburger es 2001 mit neuem Titelbild heraus (Opinionated Gamers; Jury-Seite: „ab 2001 bei Ravensburger erhältlich“). 2018 folgte zum 25. Geburtstag eine limitierte Jubiläumsausgabe mit orangefarbenen „Superwürfeln“ (Regelheft 2018; spielen.de; brettspielblog.ch, 03.09.2018).
  • Perudo-Legende: Liar's Dice wird oft auf das südamerikanische „Perudo“/„Dudo“ zurückgeführt, angeblich aus der Inkazeit. Laut Opinionated Gamers hat Borgs Spiel damit nicht direkt zu tun: Spielplan, Neuwürfeln und die Abgabe mehrerer Würfel je nach Differenz waren neu, und die bekannten Perudo-Ausgaben erschienen alle nach Milton Bradleys Fassung (Kommentare im selben Artikel). Der Inka-Ursprung ist eine Legende ohne Beleg.

Klassiker: Bedeutung für die Brettspielwelt

  • Spiel des Jahres 1993 (spiel-des-jahres.de): Die Jury lobte die „unkomplizierten Regeln“, die „schnell erklärt“ sind, und nannte Bluff ein „Bier- & Brezel“-Spiel, das in fröhlicher Runde am meisten Spaß macht. Borg kannte laut Opinionated Gamers die damals in Europa laufende Spiele-Revolution gar nicht, als er zur Verleihung nach Berlin reiste.
  • Bluffen in Reinform: Chris Wray nennt Bluff „bluffing distilled to its core“ und Borgs Fassung „die innovativste und wohl beste“ der vielen Spiele namens Liar's Dice; Mitautoren berichten von über 200 Partien, Vereinsturnieren („Gulf Games“) und meinen, es dürfe „nie vergriffen sein“ (Opinionated Gamers).
  • Dauerbrenner: Seit 1993 ununterbrochen auf Deutsch lieferbar – F.X. Schmid, BASF-Knoll-Werbeausgabe 1996, Ravensburger ab 2001, Piatnik 2004, mehrsprachige Asmodee-Ausgabe 2010, Jubiläumsausgabe 2018 (Verlagsliste der Ausgaben; Ravensburger-Produktseite 2026-10-21). Verkaufszahlen nennt keine Quelle.
  • Start einer Karriere: Vom ersten Scheck von Milton Bradley kaufte sich Familie Borg laut Borg einen kompletten Küchentisch mit vier Stühlen; Borg wurde danach einer der bekanntesten Autoren (Memoir '44, BattleLore, Commands & Colors) (Opinionated Gamers).

Klassiker: Warum es heute aus der Zeit gefallen ist

  • Ausscheiden: Wer keine Würfel mehr hat, „stellt seinen Würfelbecher offen vor sich ab und schaut für den Rest des Spiels zu“ (Regelheft). brettspielblog.ch nennt Bluff „ein knallhartes Ausscheidungsspiel“ (03.09.2018); Larry Levy beschreibt, wie er „unweigerlich“ ausscheidet und nur noch „mitfährt“ (Opinionated Gamers).
  • Glück und Statistik: Für Brettspiele-Magazin ist Glück ein „wesentlicher Faktor zum Gewinnen“; wer Glücksspiele nicht mag, solle „die Finger von Bluff lassen“ (68 %). spieletest.at: Die unwahrscheinlichen Ränder der Verteilung seien „nun mal nicht null“ und kosteten „schon mal einen großen Würfelverlust“.
  • Zu wenig für kleine Runden: Zu zweit und zu dritt „entwickelt sich spielerisch zu wenig, die Konkurrenz fehlt“ (brettspielblog.ch).
  • Nüchternes Material: Schon die Jury nannte den Spielplan „eher karg gestaltet“; Jung & Alt spielt findet das Spiel „recht unscheinbar und nicht besonders schön“ (Spielecafé der Generationen).
  • Würde es heute gewinnen? Chris Wray: „wahrscheinlich nicht“ – neuere Jurys legten Wert auf Originalität und aufwendiger gestaltete Spiele; Bluff sei weiter das Beste in seinem Fach, aber nicht mehr das, was gesucht werde (Opinionated Gamers).
  • Was bis heute funktioniert: Regeln „innerhalb von einer Minute erklärt“, auch Gäste ohne Brettspielerfahrung können gewinnen (Jung & Alt spielt; Brettspiele-Magazin); „einer der Klassiker, die nie ihren Reiz verlieren werden“ (angespielt.de, 7,6/10). Die Variante mit Herauslegen und Neuwürfeln (Regelheft, S. 8) lässt auch nach schlechtem Wurf noch Entscheidungen – laut Borg genau die Absicht (Opinionated Gamers).

Klassiker: Moderne Alternativen

  • Skull – Wenn du an Bluff das Wetten gegen die Runde und das Ausscheiden mochtest: Jeder legt verdeckt Blumen oder Totenköpfe und bietet, wie viele Scheiben er ohne Totenkopf aufdecken kann; reines Bluffen ohne Würfelglück, 3–6 Spieler, 15–45 Min., Empfehlungsliste Spiel des Jahres 2011.
  • Kakerlakenpoker – Wenn du an Bluff das „Glaub ich dir nicht!“ mochtest: Eine Karte wird mit einer Behauptung weitergereicht, der Empfänger glaubt, zweifelt oder schiebt weiter; keiner scheidet aus, 2–6 Spieler, 20 Min., ab 8, Empfehlungsliste Spiel des Jahres 2004.
  • Coup – Wenn du an Bluff das Behaupten mit Risiko mochtest: Jeder darf jeden Charakter behaupten, wer angefochten wird und lügt, verliert Einfluss; 2–6 Spieler, 15 Min.
  • Love Letter – Wenn du an Bluff das schnelle Raten und Reinlegen mochtest: 21 Karten, eine auf der Hand, Partien in Minuten; 2–6 Spieler, 20 Min., Empfehlungsliste Spiel des Jahres 2014.
  • Mascarade – Wenn du an Bluff die große Runde mochtest: Rollen werden verdeckt vertauscht, wer eine Figur ansagt, nutzt sie, solange niemand widerspricht; bis 13 Spieler, 30 Min.
  • Perudo (die Variante ohne Spielplan) hat noch keinen Eintrag – siehe Offene Punkte.

So wird gespielt

  • Material (Jubiläumsausgabe): Spielplan, 6 Würfelbecher, 24 gelbe Würfel, 6 orangefarbene Superwürfel (zählen doppelt), 1 roter Anzeigewürfel. Die Standardausgabe 27223 hat laut Produktseite 30 gelbe Würfel und 1 roten Anzeigewürfel; ohne Superwürfel gilt laut Regel das „gewohnte“ Spiel, alle Würfel zählen einfach.
  • Aufbau: Spielplan in die Mitte, jeder bekommt Becher und 5 Würfel (Seiten 1–5 und Stern). Jeder Durchgang hat drei Phasen: „Shake it!“ (würfeln), „Make it!“ (wetten), „Take it!“ (Becher heben).
  • Würfeln: Alle schütteln und stellen den Becher über die Würfel. Eigene Würfel darf man jederzeit ansehen, nicht verändern; verkantete Würfel werden nach Anzeige neu gewürfelt.
  • Wetten: Der Gewinner der letzten Wette beginnt (ganz zu Anfang der Jüngste) und setzt den roten Anzeigewürfel auf den Plan. Zahlenwette: „mindestens so viele Würfel zeigen die Zahl X“ – der Stern ist Joker und zählt als die gewettete Zahl; Anzeigewürfel mit der Zahl oben auf das gelbe Mengenfeld. Sternwette: nur Sterne zählen; Anzeigewürfel mit Stern oben auf ein orangefarbenes Sternfeld.
  • Reihum erhöhen oder anzweifeln, passen verboten. Erhöhen auf drei Arten: gleiche Menge, höhere Augenzahl (6 Dreier → 6 Fünfer); höheres Mengenfeld in Pfeilrichtung mit beliebiger, auch kleinerer Augenzahl (5 Fünfer → 6 Zweier); höheres Sternfeld (8 Vierer → 5 Sterne).
  • Anzweifeln („Hoch die Becher!“): Alle heben die Becher und schieben passende Würfel vor. Wette kleiner als die Menge → der Anzweifler verliert; gleich → alle außer dem Wetter verlieren je einen Würfel; größer → der Wetter verliert. Der Verlierer gibt so viele Würfel ab, wie die Differenz beträgt (Beispiel der Regel: 10 Zweier gewettet, 12 vorhanden → Anzweifler gibt 2 ab). Abgegebene Würfel kommen auf den „Würfelfriedhof“ in der Planmitte; ein orangefarbener Würfel zählt beim Abgeben als 2.
  • Spielende: Wer keine Würfel mehr hat, scheidet aus und schaut zu. Sieger ist, wer als Einziger noch mindestens einen Würfel hat.
  • Variante „für ultracoole Zocker“ (S. 8): Unmittelbar nach der eigenen Wette darf man beliebig viele Würfel offen herauslegen (mindestens einer bleibt im Becher) und muss die restlichen neu würfeln; herausgelegte Würfel zählen bei der Wertung mit. Laut angespielt.de (2009) hat sich dieses „freiwillige Rauslegen“ in vielen Runden durchgesetzt.
  • Hausregel (als solche gekennzeichnet): Ein Opinionated-Gamers-Autor spielt, dass eine verlorene Sternwette sofort das Ausscheiden bedeutet – nicht Teil der Regel.

Stimmen aus Rezensionen

  • Jury Spiel des Jahres: schnell erklärte Regeln, „Bier- & Brezel“-Spiel für die fröhliche Runde. Kritik: nichts für hohe „intellektuelle Anforderungen“, karger Spielplan.
  • Opinionated Gamers (Chris Wray u. a., 13.07.2015): Bluffen in Reinform, 15-Minuten-Spiel für Großeltern wie Vielspieler, bestes Liar's Dice; „I love it!“ von sieben Mitautoren. Kritik: Larry Levy und Joe Huber mögen Bluffspiele nicht – Ausscheiden, Glück.
  • Brettspiele-Magazin (68 %): guter Absacker und Partyspiel, Gäste ohne Spielerfahrung können gewinnen. Kritik: Glück als wesentlicher Siegfaktor; „bei uns hat es nie so richtig gezündet“.
  • brettspielblog.ch (Paddy, 03.09.2018, Jubiläumsausgabe): „Nach wie vor eine gute Wahl“, in großen Runden richtig gut, Superwürfel geben Würze. Kritik: zu zweit und zu dritt zu wenig Spiel, hartes Ausscheiden.
  • Jung & Alt spielt (Spielecafé der Generationen): Regeln in einer Minute erklärt, „einfach immer wieder witzig“. Kritik: unscheinbare Optik.
  • angespielt.de (Nicole Pinnow, 13.04.2009, 7,6/10): Klassiker, der seinen Reiz nicht verliert. Kritik: „mittlerweile vielleicht etwas angestaubt“.

Auszeichnungen

  • Spiel des Jahres 1993 (Gewinner) (Preisliste spiel-des-jahres.de). Ludoteca Ideale 2009. Deutscher Spielepreis 1993: Platz 4 (Wikipedia-Liste, Opinionated Gamers; nicht aus der Preisliste der Datenbank).
  • keine Textabhängigkeit

Ausgaben & Erweiterungen

  • BASF-Knoll 1996 (Werbeausgabe); Ravensburger mehrsprachig 2001 (Art.-Nr. 272501 laut Händlerangaben) und 2009; Piatnik 2004; Asmodee mehrsprachig 2010; Grafix-, Hazgaard- und Spin-Master-Ausgaben ohne Jahr.
  • Aktuell im Handel: Ravensburger 27223 „Bluff“ – 2–6 Spieler, ab 12, ca. 30 Min., 1 Spielplan, 6 Becher, 30 gelbe Würfel, 1 roter Anzeigewürfel, UVP 39,99 €, lieferbar (Produktseite 2026-10-21).
  • Jubiläumsausgabe 2018 (25 Jahre, limitiert, 6 orangefarbene Superwürfel; Art.-Nr. 272495 laut Händlerangaben) – bei Ravensburger nicht mehr gelistet (2026-10-21).
  • International: Milton Bradley „Liar's Dice“ (1987), F.X. Schmid USA „Call My Bluff“ (1997), heute u. a. Endless Games „Liar's Dice“. – nicht geprüft. Keine Erweiterungen von Ravensburger bekannt.

Autoren & Verlag

  • Autor: Richard Borg · Illustration der aktuellen Ravensburger-Ausgabe: Martin Lodewijk/Art Connection (Regelheft 2018)
  • Verlag (Original): Eigenverlag Borg als „Doubter's Dice“ (1986), Milton Bradley als „Liar's Dice“ (1987) (Opinionated Gamers, 13.07.2015, nach Auskunft Borgs) · deutsche Ausgabe: F.X. Schmid 1993, seit 2001 Ravensburger (Jury-Seite spiel-des-jahres.de); aktuell Ravensburger Art.-Nr. 27223, EAN 4005556272235, UVP 39,99 € (Ravensburger-Produktseite, 2026-10-21)
  • Würfel-Bluffspiel: Alle würfeln verdeckt unter Bechern und wetten reihum, wie viele Würfel einer Zahl insgesamt auf dem Tisch liegen – bis einer „Hoch die Becher!“ ruft

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