Drunter & Drüber

Wacky Wacky West
Familie▶ 13 Videos🏛 KlassikerStand 21.10.2026
Mitspieler findenNoch keine Stimmen
DE RegelEN Rules
Spieler
2–4
Dauer
30–45 Min.
Alter
ab 9
Erschienen
1991
Komplexität
Leicht

Die Schildbürger haben beim Bau ihrer Stadt Stadtmauern, Straße und Fluss vergessen – jetzt werden sie als Plättchen quer über die fertigen Gebäude gelegt, und jeder versucht heimlich, die fünf Gebäude seines geheimen Typs zu retten; nur über das Überbauen der Toilettenhäuschen stimmt die ganze Runde mit Stimmkarten ab (Regelheft).

Drunter & Drüber (Hans im Glück) ist ein Familienspiel für 2–4 Personen ab 9 Jahren und ist 1991 erschienen. Eine Partie dauert 30–45 Minuten.

Bild: Amazon · bei Amazon ansehen ↗ (Affiliate-Link)

Auf einen Blick

  • Für wen: Familie, Gelegenheitsrunden · 2–4 Spieler
  • Ähnlich wie: Saboteur (Wege legen mit geheimen Rollen); Carcassonne (Legespiel vom selben Verlag, ohne geheime Ziele); Heimlich & Co. (geheime Farbe, laut Mike Siggins 1991 und Chris Wray 2015 das Gefühl beim Abstimmen – kein Eintrag)
  • Wissenswert:
    • Spiel des Jahres 1991 – Teubers dritter Sieg in vier Jahren (nach Barbarossa 1988 und Adel verpflichtet 1990) und der erste für Hans im Glück (Wikipedia DE; Opinionated Gamers 08.07.2015).
    • Es wird nur über Klohäuschen abgestimmt – Rathäuser, Museen und Kirchen darf jeder einfach überbauen (Regelheft).
    • Die Stimmkarte „JEEIIN“ zählt zwei Stimmen, und ob als Ja oder Nein, entscheidet man erst, nachdem alle Karten offen liegen (Regelheft).

Klassiker: Wie das Spiel entstand

  • Der Autor: Klaus Teuber (1952–2023) führte das Dentallabor der Familie und erfand nach eigener Aussage zum Ausgleich im Hobbykeller Spiele. Sein Erstling „Barbarossa und die Rätselmeister“ (ASS) wurde 1988 Spiel des Jahres, „Adel verpflichtet“ 1990 – und „Drunter & Drüber“ 1991 der dritte Titel innerhalb von vier Jahren (spieltroll.de, Porträt; catan.de, Ludographie: Phase 1991–1995 beginnt mit Drunter & Drüber und endet mit Catan 1995).
  • Das Thema: Das Regelheft erzählt auf zwei Seiten, wie die Schildbürger ihre Stadt wegen einer verirrten Katze („Maushund“) abbrannten, sie mit fensterlosen Museen, schiefen Wirtshäusern, Schultürmen, dreieckigen Rathäusern, Feuerwachen mit Blasebälgen, Kirchtürmen und „ganz vielen Toilettenhäuschen“ neu bauten – und erst dann merkten, dass Stadtmauern, Straße und Fluss fehlen (Regelheft 1991, Einleitung). Die Jury nannte das Durcheinander „die Folge der sprichwörtlichen Dummheit der Schildbürger“ (spiel-des-jahres.de).
  • Inspiration: Harald Schrapers (games we play, Niederrhein-Magazin) schreibt, die Kritik an der Städtebaupolitik der 70er Jahre sei ein Anknüpfungspunkt für Teuber gewesen; Opinionated Gamers übernahmen das 2015 als „reportedly“. Eine Aussage Teubers selbst dazu wurde nicht gefunden (2026-10-21) – die Deutung gilt hier als unbelegt. Mike Siggins vermutete 1991 in „Sumo“ Nr. 5, das Thema sei vielleicht erst nachträglich auf die Mechanik gesetzt worden.
  • Erscheinen: 1991 beim HiG-Verlag München (Impressum des Regelhefts), Grafik Franz Vohwinkel – laut Wikipedia DE sein erstes illustriertes Spiel; Vertrieb über Schmidt (games we play). Laut Wikipedia EN folgte 1994 eine zweite Auflage.
  • Ausland: 1991 besprach Mike Siggins das Spiel im britischen Fanzine „Sumo“ und nannte es „highly recommended“ und „the best game to come out of Germany this year“ – eine englische Ausgabe gab es trotzdem fast 20 Jahre nicht (Opinionated Gamers). Erst Mayfair Games kündigte im Januar 2010 „Wacky Wacky West“ an: dieselbe Mechanik, umgezogen in die Westernstadt Rossdorf mit Schienen, Straßen und Fluss statt Mauern, und mit „Outhouses“ statt Toilettenhäuschen (ICv2, 28.01.2010).

Klassiker: Bedeutung für die Brettspielwelt

  • Auszeichnungen: Spiel des Jahres 1991 und Platz 3 beim Deutschen Spielepreis 1991 (Preislisten spiel-des-jahres.de / Deutscher Spielepreis).
  • Rekord und Verlagsgeschichte: Teubers dritter Sieg war damals ohne Beispiel (Opinionated Gamers, 08.07.2015). Für Hans im Glück, 1983 gegründet, war es der erste Spiel-des-Jahres-Titel – laut Wikipedia DE der erste für einen Kleinverlag überhaupt. Danach kamen Manhattan (1994), El Grande (1996), Carcassonne (2001) und Thurn und Taxis (2006) (Opinionated Gamers).
  • Mechanik: Die Jury hob 1991 die Abstimmung über die Toilettenhäuschen hervor: Ohne sie wäre das Spiel „durchschnittlich“, der Kampf um die Häuschen mit der „Jeeiin“-Karte mache es zu „einer höchst witzigen Angelegenheit“, die Abstimmung sei „von seltener Doppelbödigkeit“, weil jede Stimmkarte nur einmal eingesetzt werden kann (spiel-des-jahres.de). Siggins nannte Idee und Ablauf 1991 „original“ und verglich das Gefühl mit Heimlich & Co.
  • Verbreitung: Verkaufszahlen wurden nicht gefunden; auch Opinionated Gamers konnten 2015 keine ermitteln. Larry Levy meint dort, das Spiel sei in Deutschland die ganzen Neunziger viel gespielt worden.

Klassiker: Warum es heute aus der Zeit gefallen ist

  • Zufällige Startplättchen: Die Plättchen werden zu Spielbeginn blind gezogen (Regelheft). Chris Wray stört das stark: Manchmal braucht man Straße oder Fluss und hat schlicht keines bekommen (Opinionated Gamers, 08.07.2015).
  • Grafik: Wray findet die Zeichnungen auf beiden Ausgaben verwirrend – besonders bei Flussplättchen sei unklar, ob ein Anlegen passt – und unattraktiv; spieltroll.de nennt das Spiel „bis heute kein schönes Spiel“ und wünscht ihm eine neue Aufmachung.
  • Wenig Anreiz zum Deduzieren: Laut Wray lohnt es sich kaum, die geheimen Farben der anderen zu erraten; die beste Strategie sei, viel zu zerstören und die eigenen Gebäude zu schützen – dadurch seien die Abstimmungen „oft uninteressant“. Greg Schloesser fand das Abstimmen „nicht sehr aufregend“, auf Dauer „ermüdend“; Larry Levy nennt das Spiel wie viele Teuber-Titel „zu leicht“ für seinen Geschmack. Harald Schrapers urteilt, an Barbarossa und Adel verpflichtet reiche es nicht heran (games we play).
  • Besser gemacht seither: Wray hält fest, dass verdeckte Identitäten und geheime Ziele in den zwei Jahrzehnten danach deutlich besser umgesetzt wurden; die Opinionated Gamers bewerteten 2015 vier Mal „neutral“, drei Mal „gefällt mir“, kein „Liebe es“.
  • Spieldauer: Jury 1991 „ca. 60 Minuten“, Luding und Reich der Spiele 30–45 Minuten, Patrick Brennan 20–30 Minuten – das Spiel endet erst, wenn niemand mehr legen kann (Regelheft).
  • Was bis heute funktioniert: In drei Minuten erklärt, schnell gespielt, Lacher beim Abstimmen, Aufdecken der Gebäudekarten als Höhepunkt (Wray); „Stampfspiel“, bei dem Erstspieler gewinnen können (Brennan, Jackson). Reich der Spiele (Michael Weber, 30.10.2005): „lustiges Familienspiel“ mit Taktik, Bluff, Glück und Spannung; spieletest.at (Arno Steinwender, 18.04.2003): witzig, besonders zu viert; spieltroll.de: „macht Laune und gefällt mir bis heute“.

Klassiker: Moderne Alternativen

  • Saboteur – Wenn du an Drunter & Drüber das Wegebauen mit geheimen Absichten mochtest: Goldgräber legen Wegkarten zum Schatz, Saboteure verhindern es heimlich; 3–10 Spieler, ca. 30 Min., ab 8.
  • Der Widerstand: Avalon – Wenn du die Abstimmungen und das Bluffen mochtest: geheime Rollen, Teamwahl und Abstimmung in jeder Runde; 5–10 Spieler, 30 Min., ab 13.
  • Carcassonne – Wenn du das Legen von Straßen und Mauern mochtest: Legespiel vom selben Verlag, Spiel des Jahres 2001, 2–5 Spieler, 30–45 Min., ab 7.
  • Kingdomino – Wenn du ein kurzes Familien-Legespiel suchst: Domino-Königreiche bauen, 2–4 Spieler, 15–25 Min., ab 8.
  • Dorfromantik – Das Brettspiel – Wenn du Landschaft bauen lieber gemeinsam magst: kooperatives Legespiel mit Flüssen und Straßen, Spiel des Jahres 2023, 1–6 Spieler, 30–60 Min., ab 8.

So wird gespielt

  • Material: 1 Spielplan, 6 Gebäudekarten (dazu 6 weitere Gebäudekarten und 4 Sonderkarten mit gelber Rückseite nur für die Variante), 4 Bautrupp-Figuren, 60 Plättchen mit Stadtmauer, Fluss oder Straße (12 Dreier-, 24 Zweier-, 24 Einerplättchen), 32 Schildbürgerkarten (4 Sätze zu 8).
  • Ziel: Jeder Gebäudetyp steht fünfmal auf dem Plan, je näher am Zentrum, desto wertvoller (Wert 1–5). Jeder zieht verdeckt eine Gebäudekarte und will möglichst viele seiner fünf Gebäude vor dem Überbauen retten.
  • Aufbau: Je ein Bautrupp auf die vier Eckfelder: Am Postkutschen-Parkhaus beginnt die Straße, an den beiden Kanonen-Wachtürmen die Stadtmauern, am Wasserwerk der Fluss. Plättchen verdeckt mischen, jeder zieht bei 2 Spielern 6/12/12, bei 3 Spielern 4/8/8, bei 4 Spielern 3/6/6 Dreier-/Zweier-/Einerplättchen und legt sie offen vor sich.
  • Plättchen: Zweier haben ein Anlegefeld (Wachsoldat, Kutsche oder Boot) und ein Endfeld; Dreier dazwischen ein Brückenfeld; Einer sind Anlege- und Endfeld zugleich.
  • Zug: Genau ein Plättchen an ein Feld mit Bautrupp anlegen – nur gleichartig (Mauer an Mauer, Fluss an Fluss, Straße an Straße), Zweier und Dreier nur mit dem Anlegefeld, nichts über andere Plättchen oder den Rand. Dann den Bautrupp auf das Endfeld ziehen. Legezwang; wer nicht legen kann, wird übersprungen. So entstehen vier Strecken (zwei Mauern, Fluss, Straße). Gebäude dürfen überbaut werden, die vier Eckfelder nicht. Ist ein Endfeld von drei Seiten eingeschlossen, wird der Bautrupp entfernt.
  • Brücke: Liegt das Endfeld neben einem Brückenfeld, darf die Strecke auf der gegenüberliegenden Seite der Brücke weitergeführt werden, solange der Bautrupp dort steht und das Feld frei ist.
  • Toilettenhäuschen: Wer eines überbauen will, löst eine Abstimmung aus. Beginnend beim Bauherrn legt jeder nacheinander eine oder mehrere Schildbürgerkarten verdeckt; dann wird gleichzeitig aufgedeckt. JAAA/NEEE zählen drei, JAA/NEE zwei, JA/NE eine Stimme; JEEIIN ist ein Joker mit zwei Stimmen, dessen Richtung der Spieler erst nach dem Aufdecken wählt; der Grübler zählt nicht. Überwiegt Ja oder steht es gleich, bleibt das Plättchen; überwiegen die Nein-Stimmen, nimmt der Spieler es zurück und der nächste ist dran. Eingesetzte Karten kommen in die Schachtel – nur der Grübler zurück auf die Hand. Ein späterer Spieler darf es erneut versuchen, dann wird erneut abgestimmt.
  • Spielende: Sobald niemand mehr legen kann. Alle decken ihre Gebäudekarte auf und zählen die Werte ihrer nicht überbauten Gebäude; bei Gleichstand gewinnt, wer mehr unverbrauchte Stimmen hat.
  • Taktik-Kasten („Bitte allen vorlesen!“): eigenen Typ lange verschleiern, ruhig ein eigenes billiges Gebäude überbauen, bei frühen Abstimmungen nicht zu deutlich werden, von jeder Plättchenart eines behalten.
  • Variante („Hirnverzwirner“): 10 Karten (6 Gebäude + 4 Sonderkarten: alle 3er-Gebäude, alle 4er-Gebäude, von jedem Typ das niedrigste stehende Gebäude, jedes stehende Gebäude 1 Punkt), jeder erhält zwei; sobald die erste Strecke beendet ist, legt jeder seine Zielkarte verdeckt nach oben; bei Gleichstand zählt die zweite Karte.

Stimmen aus Rezensionen

  • Jury Spiel des Jahres (1991): „kurzweilig und witzig“, viele Überraschungen, Schadenfreude und Ärger, zwingt zu taktischen Überlegungen, spielt sich „leicht, rasch und vor allem mit viel Spaß“; der Kampf um die Toilettenhäuschen hebe es über den Durchschnitt.
  • Opinionated Gamers (Chris Wray u. a., 08.07.2015): schnell, leicht erklärt, Lacher, Aufdecken der Ziele als Höhepunkt. Kritik: zufällige Plättchenverteilung, verwirrende und unattraktive Grafik, kaum Anreiz zum Erraten der Ziele, Abstimmungen daher oft uninteressant; verliert mit jeder Partie an Glanz.
  • Reich der Spiele (Michael Weber, 30.10.2005): lustiges Familienspiel mit taktischen Möglichkeiten; der Trick: Wer ein Klohäuschen verteidigt, verrät womöglich seinen Gebäudetyp – oder blufft. Kein Kritikpunkt genannt.
  • spieletest.at (Arno Steinwender, 18.04.2003): witzig, besonders zu viert, „sehr ansprechende, liebevolle Grafik“ (im Gegensatz zu Wray und spieltroll). Kritik: nur, dass es nicht mehr im Handel sei.
  • Kulkmann's Gamebox (Doug Adams): leichtes, amüsantes Spiel für Familie und Freunde, das immer wieder auf den Tisch kommt; Bridges als Fluchtweg für eingeschlossene Strecken.

Auszeichnungen

  • Spiel des Jahres 1991 (Gewinner)
  • Sprachabhängigkeit: etwas Text, leicht zu merken

Ausgaben & Erweiterungen

  • dritte und vierte Ausgabe ohne Jahr, fünfte Ausgabe 1994; Art.-Nr. 48104 (Schmidt-Vertrieb, laut Regel-PDF-Dateiname und Händlerangaben). Keine neuere deutsche Ausgabe gefunden; games we play führt das Spiel als „nicht mehr lieferbar“, spieletest.at schon 2003 als „nicht mehr im Handel“.
  • Englisch: „Wacky Wacky West“, Mayfair Games 2010 (MFG4104, 35 US-$, Western-Thema; ICv2 28.01.2010). Mayfair stellte das Verlagsgeschäft im Februar 2018 ein und verkaufte die Bestände an Asmodee North America (tabletopgaming.co.uk, 12.02.2018) – eine aktuelle englische Ausgabe wurde nicht gefunden (2026-10-21).
  • Erweiterungen: keine.

Autoren & Verlag

  • Autor: Klaus Teuber · Illustration: Franz Vohwinkel (Regelheft 1991: „Grafik: Franz Vohwinkel, Spielregel: Klaus Teuber“)
  • Verlag: Hans im Glück (HiG-Verlag, München), 1991 · deutsche Ausgabe = Original; die fünfte 1994), Vertrieb damals Schmidt Spiele (Art.-Nr. 48104 laut Regel-PDF und Händlerangaben). Englisch erst 2010 als „Wacky Wacky West“ bei Mayfair Games (MFG4104, ICv2 28.01.2010). Aktuell keine Ausgabe im Handel gefunden (2026-10-21, siehe Offene Punkte).

Videos auf YouTube

Die beliebtesten Videos zu Drunter & Drüber, sortiert nach Aufrufen – getrennt nach Sprache des Videos.

DEDeutschsprachige Videos (9)

ENEnglischsprachige Videos (4)