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DE RegelEN RulesSpieler
2–4
Dauer
45 Min.
Alter
ab 10
Erschienen
1989
Komplexität
Leicht
24 Tische mit den Flaggen zwölf Nationen, je vier Stühle, viele davon zwischen zwei Tischen: Wer seine fünf offen liegenden Gäste so setzt, dass Nation und Damen-Herren-Verhältnis stimmen, kassiert sofort Punkte – wer keinen Platz findet, schickt einen Gast an die Bar, und das wird mit jedem Hocker teurer (Regelheft).
Café International (Mattel) ist ein Familienspiel für 2–4 Personen ab 10 Jahren und ist 1989 erschienen. Eine Partie dauert 45 Minuten.
SpielartGegeneinander
MechanikPlättchen legenSets sammeln
AnspruchLeichtSprachunabhängig
Preise🏆 Spiel des Jahres 1989
Auf einen Blick
- Für wen: Familie, Gelegenheitsspieler; Chris Wray (Opinionated Gamers) findet es zu zweit und zu dritt am flüssigsten
- Ähnlich wie: Qwirkle (Punkte sofort beim Legen, ein Stein wertet zwei Reihen); Azul (Strafpunkte für Steine, die nirgends passen); Carcassonne (Plättchen anlegen)
- Wissenswert:
- Spiel des Jahres 1989 – acht von neun Jurymitgliedern setzten es auf Platz eins; Hoffmann stand mit zwei Spielen auf der Nominierungsliste, das zweite war „Maestro“ (Jury-Seite; Opinionated Gamers, 26.06.2015).
- Der Urentwurf spielte in einer bayerischen Wirtschaft mit Trachtengruppen, und die Bar mit erst Plus-, dann Minuspunkten stand für den Alkohol (Guido Hoffmann bei Opinionated Gamers).
- 96 Gäste, aber nur 68 Stühle: 28 Stühle stehen zwischen zwei Tischen, „für Gedränge ist damit gesorgt“ (Jury-Seite).
Klassiker: Wie das Spiel entstand
- Der Autor: Rudi Hoffmann (1924–2008) war Werbegrafiker und Illustrator und veröffentlichte über 40 Gesellschaftsspiele (spielbox, 19.01.2022). Die Jury nennt ihn für die späten Sechziger und frühen Siebziger „die unbestrittene Nummer eins in deutschen Landen“; Ende der Achtziger meldete er sich mit Neuauflagen und Neuentwicklungen zurück (Jury-Seite). Chris Wray stellt ihn neben Sid Sackson und Alex Randolph und zählt Nominierungen für Ganoven Jagd (1981), Janus (1988), Maestro (1989), Heuchel und Meuchel (1990), Ramparts (1993) und Minister (1998) (Opinionated Gamers, 26.06.2015).
- Fast 20 Jahre Entwicklung: Laut Hoffmanns Sohn Guido (im Gespräch mit Chris Wray, Opinionated Gamers) lag die Idee fast zwei Jahrzehnte vor der Veröffentlichung vor – als bayerische Wirtschaft mit Folkloregruppen statt Nationen. Die Bar stand für das Trinken allein: erst steigende Freude, dann der Absturz; weil Alkohol als zu heikel galt, wurde sie im fertigen Spiel abstrahiert. Die Nationen kamen kurz vor der Veröffentlichung dazu, Hoffmann empfand Begegnungen mit Menschen aus anderen Ländern als bereichernd. Die Grafik zeichnete er wie bei vielen seiner Spiele selbst.
- Mattel, Relaxx, AMIGO: Mattel wollte Ende der Achtziger deutsche Autorenspiele verlegen und bat den Spieleautor Roland Siegers um Kontakte zu Autoren wie Sackson, Randolph und Kramer; so kam Café International 1989 zu Mattel, das sich wenige Jahre später wieder zurückzog. Siegers brachte das Spiel in seinem eigenen Verlag Relaxx heraus (gamesweplay.de: „der kurzlebige Relaxx-Verlag“; Wikipedia: 1998); nach dem Ende von Relaxx übernahm AMIGO 1999 (Opinionated Gamers; Jury-Seite: „Ab 1999 in überarbeiteter Version bei Amigo“; AMIGO-Regel © 1999). Siegers und Hoffmann entwickelten gemeinsam „Café International – Das Kartenspiel“ (AMIGO 2001) und „Café International Junior“ (2007).
- Rechte heute: Die Urheberrechte liegen bei Elisabeth Kaufmann; die Agentur Smart Cookie Games vertritt seit 2022 Hoffmanns Programm – ausdrücklich ohne Café International, Halali und Schatz in Sicht (spielbox, 19.01.2022).
Klassiker: Bedeutung für die Brettspielwelt
- Spiel des Jahres 1989: Die Jury lobte Hoffmanns „Handschrift“ in seinem „Lieblingsmetier, den Kartenlegespielen“, den Kniff der geteilten Stühle und dass sich dank offener Kärtchen „viele Gemeinheiten wunderbar kalkulieren“ lassen; jede Partie verlaufe „spannend und abwechslungsreich“ (Jury-Seite). Acht von neun Jurymitgliedern setzten es auf Platz eins (Opinionated Gamers).
- Später Preis für einen Pionier: „Schon lange hätte Rudi Hoffmann diesen Preis verdient gehabt“ – seine erste Hochphase lag vor der Gründung des Preises 1979 (Jury-Seite).
- Einstiegsspiel über Grenzen: Der US-Journalist Erik Arneson nennt Café International 1999 sein erstes deutsches Autorenspiel, sein „Gateway Game“ (Opinionated Gamers). Mattel brachte 1989/1990 niederländische, französische und englische Ausgaben, in Indien lief es als „Tactix“ bei Mattels Marke Leo Toys; später folgten Rio Grande Games (englisch), Kaissa, Swan Panasia sowie spanische und chinesische Ausgaben (siehe Editionen).
- Lange im Programm: AMIGO führt das Spiel seit 1999 (Neuausgabe 2013, englische AMIGO-Ausgabe), das Spielprinzip blieb unverändert – laut gamesweplay.de auch, damit das Preislogo auf der Schachtel bleiben darf.
Klassiker: Warum es heute aus der Zeit gefallen ist
- Viel Glück: brettspiele-report (Jörg Lehmann): „ein sehr einfaches Lege-Spiel, welches fast komplett vom Glück abhängig ist“; „Strategen … sind hier eher schlecht aufgehoben“. Chris Wray: Der Erfolg hänge vor allem davon ab, was man aus dem Beutel zieht (Opinionated Gamers); Patrick Brennan tauschte es weg – zu zufällig für seine Länge (ebd., sinngemäß).
- Klischee-Grafik: Schon die Jury 1989 schrieb von „klischeehaften Parodien“ – Amerikaner mit Cowboyhut und Zigarillo, „biederer Franzose“ mit Baskenmütze –, die dem Spiel „eine bedenkliche Note gäben“, wären die Deutschen nicht ebenso spießig gezeichnet. Bei Opinionated Gamers nennt Larry Levy die Zeichnungen sinngemäß haarsträubend stereotyp, Greg Schloesser zugegeben politisch unkorrekt; Chris Wray berichtet von Mitspielern, die Thema und Grafik als verletzend empfanden.
- Thema geht nicht ganz auf: gamesweplay.de fragt, warum in einem Spiel namens „International“ der Tisch mit nur einer Nation die meisten Punkte bringt.
- Ausscheiden und schrumpfende Hand: Wer seine Bar-Schulden nicht bezahlen kann, scheidet aus (Regelheft, S. 7). Dass man nach einem Ein-Nationen-Tisch dauerhaft ein Kärtchen weniger hat, findet Wray frustrierend – mit ein oder zwei Kärtchen sei das Spiel weit weniger unterhaltsam.
- Überholt: Material „nichts Besonderes“, das Legespiel-Prinzip sei seit 1989 besser gemacht worden, heute würde es den Preis wohl nicht gewinnen (Wray, 2015, sinngemäß); Joe Huber hätte den Preis Hoffmanns „Maestro“ gegeben (ebd.).
- Was bis heute funktioniert: Regelerklärung in drei Minuten, keine Grübelpausen, selten länger als 45 Minuten (Wray); „schnell gespielt und geht flüssig von der Hand“ (brettspiele-report); „Glück und Strategie halten sich in etwa die Waage“ (spielezar.ch, 31.07.2017); für Greg Schloesser jahrelang ein Familienfavorit.
Klassiker: Moderne Alternativen
- Azul – Wenn du an Café International den Druck mochtest, dass unpassende Gäste an der Bar Minuspunkte kosten: In Azul zerbrechen Fliesen, die nirgends passen, und kosten Punkte; Musterreihen statt Tischsitten. Spiel des Jahres 2018, 2–4 Spieler, 30–45 Min., ab 8.
- Qwirkle – Wenn du die sofortige Wertung und den Zwischenstuhl mochtest, der zwei Tische zählt: Ein Stein wertet oft zwei Reihen, Farbe und Form ersetzen Nation und Geschlecht, keine Minuspunkte. Spiel des Jahres 2011, 2–4 Spieler, 30–45 Min., ab 6 (Schmidt: ab 8).
- Kingdomino – Wenn du ein schnelles Familien-Legespiel mit klaren Legeregeln mochtest: Domino-Steine zu Königreichen legen; wer gierig den besten nimmt, wählt danach zuletzt. Spiel des Jahres 2017, 2–4 Spieler, 15–25 Min., ab 8.
- Carcassonne – Wenn du das gemeinsame Füllen eines Spielplans mochtest: Plättchen für Plättchen entsteht eine Landschaft, Meeple holen die Punkte. Spiel des Jahres 2001, viele Erweiterungen in der Datenbank.
- Nova Luna – Wenn du ein abstraktes Legespiel mit mehr Planung und weniger Beutelglück suchst: Plättchen von der Monduhr nehmen, Farbaufgaben erfüllen. Nominiert zum Spiel des Jahres 2020, 1–4 Spieler, ca. 30 Min., ab 8.
So wird gespielt
- Material: Spielplan, Stoffbeutel, 96 Gästekärtchen (48 Damen, 48 Herren aus 12 Nationen) + 4 Joker (2 Damen, 2 Herren), Chips: 60 schwarze (1), 30 rote (5), 10 blaue (10).
- Aufbau: Alle 100 Kärtchen in den Beutel, jeder zieht blind fünf und legt sie offen vor sich; keine Chips zu Beginn.
- Zug (genau eine Aktion): ein oder zwei Kärtchen an Tische legen · ein Kärtchen an die Bar · einen Joker austauschen.
- Sitzordnung: 24 Tische (je Nation zwei), vier Stühle je Tisch; ein Stuhl zwischen zwei Tischen steht beiden Nationen offen. Gäste bleiben bis zum Ende sitzen. Pro Tisch höchstens 2 Damen und 2 Herren; erlaubt sind nur 1D+1H, 1D+2H, 2D+1H, 2D+2H – nie ein Gast allein (Ausnahme: Zwischenstuhl, wenn er am Nebentisch zu einer Gruppe gehört).
- Punkten ist Pflicht: Jedes gelegte Kärtchen muss Punkte bringen; wer einen leeren Tisch eröffnet, setzt im selben Zug den Partner dazu. Nur der Startspieler darf bei leerem Plan ein einzelnes Kärtchen ohne Punkte legen.
- Wertung (nur die gerade belegten Tische): gemischt 2. Gast 2, 3. Gast 3, 4. Gast 4 Punkte; alle gleicher Nation 4 / 6 / 8. Zwei Kärtchen an einem Tisch werden nacheinander gewertet, ein Kärtchen auf dem Zwischenstuhl wertet beide Tische.
- Nachziehen: Wieder auf fünf auffüllen – außer für das Kärtchen, das einen Ein-Nationen-Tisch (zwei Paare gleicher Nation) vollendet: dafür wird nicht nachgezogen, der einzige Weg, die Hand dauerhaft zu verkleinern.
- Bar: 20 Felder, in Reihenfolge 1–20 zu belegen, Geschlecht und Nation egal; die ersten fünf bringen Punkte, danach kostet jedes Feld Chips (laut Jury bis 14). Pro Zug nur ein Gast an die Bar, danach nachziehen. Wer seine Schulden nicht zahlen kann, scheidet aus. Joker nur an die Bar, wenn es keine andere Möglichkeit gibt.
- Joker: nehmen jede Nation an und bringen deren Punkte; mehrere je Tisch erlaubt, vier Joker zählen 8. Tausch: Ein Joker auf dem Plan darf gegen das passende Kärtchen aus der Hand getauscht und zurückgenommen werden – ohne Punkte, als einzige Aktion, ohne Nachziehen.
- Spielende nach dem Zug, in dem der letzte Stuhl besetzt, das 20. Bar-Feld belegt, ein Spieler ohne Kärtchen und Nachziehpflicht ist oder das viertletzte Kärtchen gezogen wurde. Chips zählen, je Handkärtchen 5 Minuspunkte, je Joker 10; meiste Punkte gewinnen.
- Variante Damen-/Herrenrunde: Wer in einem Zug vier Damen oder vier Herren an einen Tisch setzen kann, darf drei oder vier Kärtchen legen (Joker erlaubt, Nationenregel bleibt): 20 Punkte, bei einer Nation 40.
- Abgleich mit 1989: Der Jury-Text beschreibt denselben Ablauf (ein oder zwei Kärtchen, Bar bis 14 Minuspunkte, 5 bzw. 10 Minuspunkte am Ende); was AMIGO 1999 „überarbeitet“ hat, ist nicht geprüft.
Stimmen aus Rezensionen
- Jury Spiel des Jahres (1989): Handschrift Hoffmanns, geteilte Stühle, offene Kärtchen machen Gemeinheiten kalkulierbar, „spannend und abwechslungsreich“. Kritik: klischeehafte Parodien; gelegentlich macht „das Kartenglück des Gegenspielers einen plötzlichen Strich durch die Rechnung“.
- Opinionated Gamers (Chris Wray u. a., 26.06.2015; vier „I like it“, ein „Neutral“, ein „Not for me“): zugänglich, zügig, interessante Hand-Entscheidungen. Kritik: stark glücksgetrieben, unauffälliges Material, stereotype Grafik, Handverkleinerung frustriert.
- brettspiele-report (Jörg Lehmann; 15 von 20, Zufall 15, Strategie 5): einfach, flüssig, gut für Familien und Kinder. Kritik: fast komplett vom Glück abhängig.
- spielezar.ch (Emanuel Schiendorfer, 31.07.2017): „Ein Klassiker für Familien und Gelegenheitsspieler“, leicht zu lernen. spieletest.at (Arno Steinwender, 03.03.2003): leicht verständlich, Preis „absolut verdient“.
Auszeichnungen
- Spiel des Jahres 1989 (Gewinner)
- keine sprachabhängigen Texte
Ausgaben & Erweiterungen
- Keine Erweiterungen (2026-10-21).
- Aktuelle deutsche Ausgabe: AMIGO 02620 („Hier ist jeder willkommen!“). Am 2026-10-21 weder über die Shop-Suche noch in der Kategorie Familienspiele von amigo-spiele.de zu finden.
- Ableger (nur genannt): Café International – Das Kartenspiel (Hoffmann & Siegers, AMIGO 2001, Art.-Nr. 01920, 2–5 Spieler, ca. 45 Min., Tische als Karten); Café International Junior (AMIGO 2007); eine iOS-App (Erik Arneson bei Opinionated Gamers; ifun.de) – keine eigenen Einträge.
Autoren & Verlag
- Autor: Rudi Hoffmann (Spiel und Grafik der Mattel-Ausgabe; Jury: „im Comicstil gehalten“) · Illustration der AMIGO-Ausgabe: Oliver Freudenreich „nach Motiven von Rudi Hoffmann“
- Verlag: Mattel · Relaxx (1998) · deutsche Ausgabe heute: AMIGO seit 1999, Art.-Nr. 02620. Am 2026-10-21 nicht im AMIGO-Onlineshop gelistet, Regel-PDF weiter abrufbar – siehe Offene Punkte.
- Legespiel: Gästekärtchen aus zwölf Nationen an die passenden Tische eines Cafés setzen – wer nichts legen kann, muss an die Bar
Videos auf YouTube
Die beliebtesten Videos zu Café International, sortiert nach Aufrufen – getrennt nach Sprache des Videos.
DEDeutschsprachige Videos (7)
- Café International - Das Kartenspiel | Regeln
- Cafe International - Spiel des Jahres 1989
- Amigo - Cafe International | 2 Spieler | Live + Erklärung | Kartenspiel
- #Mottenkiste - Café international (Amigo 1989)
- AMIGO: Café International (Autor: Rudi Hoffmann)
- Café International - Das Kartenspiel | kurz vorgestellt
