Brettspiel-Lexikon · Spielarten und Genres

Einer gegen alle (One versus Many) – einfach erklärt

englisch: One versus Many, One vs. All, Hidden Movement (verdeckte Bewegung) · auch: Einer-gegen-alle-Spiel, Alle gegen einen, One versus Many, verdeckte Bewegung, Overlord-Spiel

Kurz gesagt

Bei Einer gegen alle spielt ein Spieler allein gegen eine Gruppe, die zusammenhält. Der Einzelne hat dafür eigene Mittel: Er zieht verdeckt wie Mister X, führt als Spielleiter die Monster oder kennt ein Geheimnis. Gewinnen kann nur eine der beiden Seiten.

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So funktioniert es

Ein Spiel dieser Art teilt den Tisch in zwei ungleiche Seiten. Die Gruppe ist in der Überzahl und plant gemeinsam wie in einem kooperativen Spiel. Der Einzelne ist allein, hat aber etwas, das die anderen nicht haben: verborgenes Wissen, mehr Figuren oder andere Regeln. Beide Seiten sind also asymmetrisch gebaut.

Ein klares Beispiel ist Scotland Yard. Ein Spieler wird Mister X, alle anderen sind Detektive. Mister X stellt einen Sichtschirm auf, zieht geheim eine Startkarte und setzt seine Figur gar nicht erst auf den Plan. Er bekommt die Fahrtentafel, 5 Black-Tickets und 2 Doppelzugtickets. Jeder Detektiv erhält offen 11 Taxi-, 8 Bus- und 4 Underground-Tickets. Bei höchstens vier Personen helfen neutrale Bobbys.

  1. 1Mister X zieht verdeckt
  2. 2Station notieren, mit Ticket abdeckenDie Detektive sehen nur das Verkehrsmittel
  3. 3Auftauchen, wenn die Fahrtentafel es verlangt
  4. 4Detektive ziehen nach AbspracheDetektiv oder Bobby auf seiner Station: Detektive gewinnen

nächste Runde – ist Mister X nach der 22. Runde noch frei, gewinnt er

Eine Runde in Scotland Yard: Mister X sieht alle Detektive auf dem Plan, die Detektive sehen von ihm nur Tickets – und ab und zu seine Figur.
  • Verdeckt ziehen: Mister X zieht zuerst. Er schreibt seine neue Station auf das nächste Feld der Fahrtentafel und deckt sie mit einem Ticket des benutzten Verkehrsmittels ab. Die Detektive sehen also, ob er Taxi, Bus oder Underground genommen hat, aber nicht, wohin.
  • Spuren verwischen: Ein Black-Ticket verbirgt sogar das Verkehrsmittel und ist das einzige Ticket für die Fähre auf der Themse. Mit einem Doppelzugticket zieht Mister X zweimal hintereinander.
  • Auftauchen: Bei den eingekreisten Zahlen der Fahrtentafel, etwa nach dem 3., 8. und 13. Zug, muss Mister X seine Figur nach dem Zug auf den Plan stellen. Beim nächsten Zug nimmt er sie wieder weg.
  • Die Gruppe: Die Detektive ziehen in beliebiger Reihenfolge nach Absprache. Tickets tauschen ist verboten; wer ziehen kann, muss ziehen, wer keine Tickets mehr hat, setzt aus.
  • Spielende: Steht ein Detektiv oder Bobby auf der Station von Mister X, gewinnen die Detektive. Mister X gewinnt, wenn er bis zum Ende der 22. Runde nicht gefasst wurde oder kein Detektiv mehr ziehen kann.

Die Detektive setzen aus wenigen Hinweisen ein Bild zusammen – wo Mister X zuletzt aufgetaucht ist, welche Stationen er seitdem mit diesen Tickets erreichen konnte – und ziehen den Kreis gemeinsam enger. Mister X sieht dagegen alle ihre Figuren auf dem Plan.

Spielformen

  • Verdeckte Bewegung: Wie in Scotland Yard zieht der Einzelne unsichtbar. In Die Akte Whitechapel notiert Jack geheim seinen Weg über nummerierte Felder, die Ermittler suchen mit ihren Polizisten nach Spuren oder versuchen auf genau einem angrenzenden Feld eine Verhaftung. In Fury of Dracula legt Dracula eine Spur aus verdeckten Ortskarten. Im 1. Akt von Der weiße Hai zieht der Hai geheim und meldet nur gefressene Schwimmer und ausgelöste Bewegungsmelder.
  • Spielleiter mit Monstern: In HeroQuest liest Zargon das Abenteuer hinter dem Spielleiterschirm und bewegt in seinem Zug alle Monster; die Helden spielen kooperativ gegen ihn. In Imperial Assault spielt einer das Imperium gegen ein Team aus Rebellenhelden, und nur er kennt das Kampagnenhandbuch.
  • Raten statt Ziehen: In Not Alone legen die Gestrandeten gleichzeitig verdeckt einen Ort aus, und die Kreatur setzt ihren Jagdmarker dorthin, wo sie die Opfer vermutet.
  • Für Kinder: In Der verzauberte Turm versteckt ein Spieler als Zauberer den Schlüssel, während das Team Robin die Augen schließt. In Fluch der Mumie sitzt die Mumie den Schatzsuchern gegenüber und darf nie auf deren Seite des Magnetspielplans schauen.
  • Am Kartentisch: Beim Skat wird gereizt, wer allein gegen die beiden anderen spielt. Der Alleinspieler braucht 61 Augen, die Gegenspieler halten zusammen.
  • Mitten im Spiel: In Betrayal at Baldur's Gate erkundet ihr zunächst gemeinsam; erst wenn das Haunt ausgelöst wird, wird einer von euch zum Verräter – es gibt aber auch rein kooperative Szenarien.

Abgrenzung

BegriffWas gleich istWas anders ist
Kooperatives SpielEine Gruppe spielt zusammen.Im reinen Koop-Spiel steuert das Spiel selbst den Gegner. Hier ist es ein Mitspieler mit eigenem Siegziel.
Verräter und geheime RollenEiner oder wenige stehen gegen die Mehrheit.Beim Verräterspiel ist geheim, wer der Gegner ist. Bei Einer gegen alle weiß das jeder von Anfang an.
TeamspielMehrere spielen als Mannschaft.Im Teamspiel stehen sich Mannschaften gegenüber, nicht ein Einzelner und eine Gruppe.
Halb-kooperatives SpielDie Gruppe arbeitet gegen eine Bedrohung.Dort gewinnt am Ende jeder für sich, und den Gegner steuert meist das Spiel.

Herkunft

Scotland Yard erschien 1983 bei Ravensburger und wurde im selben Jahr Spiel des Jahres; die Jury beschrieb es als Detektivspiel, in dem der unbekannte Mister X von den Spielern durch London verfolgt wird (Quelle: Spiel des Jahres e. V., Seite zu Scotland Yard). Chris Wray nennt es den ersten Preisträger mit Elementen kooperativen und asymmetrischen Spiels; das millionste Exemplar wurde am 28. März 1985 produziert (Quelle: Opinionated Gamers, Chris Wray, 29.05.2015). Laut deutscher Wikipedia muss sich Mister X in festgesetzten Abständen zeigen, und das Prinzip wurde 1987 in The Fury of Dracula aufgegriffen (Quelle: Wikipedia „Scotland Yard (Spiel)“, abgerufen 05.11.2026). Dort zog der Dracula-Spieler geheim auf einem eigenen kleinen Plan hinter einem Sichtschirm (Quelle: Wikipedia „Fury of Dracula“, abgerufen 05.11.2026).

1989 kam HeroQuest heraus. Ein Spieler übernimmt den bösen Zauberer Morcar bzw. Zargon und setzt nach dem Abenteuerbuch Monster, Türen und Gegenstände ein, die anderen führen die Helden (Quelle: Wikipedia „HeroQuest“, abgerufen 05.11.2026). In Descent von 2005 heißt die Rolle Overlord: Er führt die Gegner und spielt Karten, um die Helden zu behindern (Quelle: Wikipedia „Descent: Journeys in the Dark“, abgerufen 05.11.2026).

Was daran begeistert – und was manche stört

Einer gegen alle bringt zwei ganz verschiedene Spiele an einen Tisch. Die Gruppe erlebt ein gemeinsames Rätsel und darf laut planen, der Einzelne ein Katz-und-Maus-Spiel. Und die Gruppe spielt gegen einen echten Menschen, nicht gegen Karten oder Würfel.

Die Kehrseite: Viel hängt an dem einen Spieler. Eine Rezension von Fury of Dracula schreibt, das Erlebnis hänge stark vom Dracula-Spieler ab, und die Jury bemerkte 1983, mit nur zwei oder drei Detektiven habe Mister X zu leichtes Spiel. Joe Huber findet, solche Spiele seien meist für den Einen am interessantesten (Opinionated Gamers, 29.05.2015). Und in großer Runde bestimmt nach einer Stimme aus derselben Besprechung manchmal einer allein die Jagd – ähnlich wie beim Alpha-Spieler in Koop-Spielen.

Spiele zum Ausprobieren

Häufige Fragen

Was bedeutet „Einer gegen alle“ bei Brettspielen?

Ein Spieler tritt allein gegen alle anderen an, die zusammen ein Team bilden. Der Einzelne hat geheimes Wissen oder eigene Figuren, die Gruppe die Überzahl.

Was ist verdeckte Bewegung?

Eine Figur zieht, ohne dass die Gegner sehen, wohin. In Scotland Yard schreibt Mister X seine Station auf und zeigt nur das Ticket des Verkehrsmittels; nur an festen Stellen der Fahrtentafel muss er auftauchen. Auf Englisch heißt das „Hidden Movement“.

Wer sollte den Einzelnen spielen?

In Scotland Yard rät die Regel, einen erfahrenen Spieler zu Mister X zu machen. Bei Kinderspielen wie Der verzauberte Turm spielt einer die ganze Partie den Zauberer, die anderen wechseln sich als Robin ab.

Ist Einer gegen alle ein kooperatives Spiel?

Für die Gruppe ja: Sie gewinnt oder verliert gemeinsam. Der Gegner ist aber ein Mitspieler mit eigenem Ziel, nicht das Spiel.

Quellen

Stand 05.11.2026 · geschrieben von boardgamez.de in eigenen Worten; Beispiele aus vollständig gelesenen Regelheften. So entsteht das Lexikon