Brettspiel-Lexikon · Spielarten und Genres

Gegeneinander (kompetitive Spiele) – einfach erklärt

englisch: Competitive Game, Free-for-All · auch: gegeneinander spielen, jeder gegen jeden, Konkurrenzspiel, kompetitiv

Kurz gesagt

In einem kompetitiven Spiel spielt jeder für sich und will selbst gewinnen – jeder gegen jeden. Wer gewinnt, legt die Siegbedingung fest: ein Ziel zuerst erreichen, am Ende die meisten Punkte haben oder als Letzter übrig bleiben.

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So funktioniert es

Im kompetitiven Spiel gibt es keine Partner und keinen gemeinsamen Gegner. Jeder verfolgt seinen eigenen Plan, und am Ende steht in der Regel ein Sieger. Dabei kann man trotzdem miteinander zu tun haben: Ihr handelt, blockiert euch oder nehmt euch etwas weg – aber immer zum eigenen Vorteil.

Ein gutes Beispiel ist Catan. Jeder baut für sich Straßen, Siedlungen und Städte, und wer als Erster in seinem eigenen Zug 10 Siegpunkte hat, gewinnt. Ein Zug läuft so ab:

  1. 1Würfeln: alle bekommen RohstoffeEine 7: Räuber versetzen und einer Person 1 Karte ziehen
  2. 2Handeln und bauen in beliebiger Reihenfolge
  3. 310 Siegpunkte erreicht?Ja: Spiel vorbei, ihr habt gewonnen

sonst ist die Person links an der Reihe

Ein Zug in Catan: Jeder spielt für sich, gewinnen kann nur, wer gerade am Zug ist.
  • Jeder für sich: Eure Siedlungen und Städte bringen nur euch Rohstoffe und Siegpunkte. Eine Siedlung zählt 1 Punkt, eine Stadt 2, dazu kommen Siegpunktkarten und die beiden Sondertafeln für die Längste Handelsroute und die Größte Rittermacht mit je 2 Punkten.
  • Miteinander, aber nicht füreinander: Ihr dürft mit den anderen Rohstoffe tauschen. In eurem Zug dürfen die anderen nur mit euch handeln, nicht untereinander. Ein Tausch hilft also immer auch einem Gegner – ihr müsst abwägen, ob er euch mehr nützt als ihm.
  • Gegeneinander im engeren Sinn: Bei einer 7 versetzt ihr den Räuber, das Feld darunter bringt niemandem mehr etwas, und ihr zieht einer Person an diesem Feld eine Karte aus der Hand. Die Sondertafeln wechseln sofort, wenn jemand eine längere Handelsroute oder mehr Ritter hat.
  • Ein Sieger, keine Rangliste: Das Spiel endet in dem Zug, in dem die Person am Zug 10 oder mehr Siegpunkte hat. Weil nur sie gewinnen kann, gibt es keinen Gleichstand um den Sieg; die Punkte der anderen spielen danach keine Rolle mehr.

Typisch für kompetitive Spiele ist auch, was ihr verbergt. In Catan bleiben gekaufte Siegpunktkarten geheim, bis ihr mit ihnen 10 Punkte erreicht. So weiß niemand ganz genau, wie nah ein Mitspieler am Sieg ist.

Spielformen

Kompetitive Spiele unterscheiden sich vor allem darin, wie sie enden und wer bis zum Schluss dabei ist:

  • Wer zuerst am Ziel ist: Neben Catan zum Beispiel Mensch ärgere Dich nicht: Wer zuerst alle 4 Figuren im Ziel hat, gewinnt; die anderen spielen um die Plätze weiter.
  • Die meisten Punkte am Ende: In Carcassonne endet das Spiel, sobald die Person am Zug kein Plättchen mehr ziehen und anlegen kann. Nach der Schlusswertung gewinnt, wer die meisten Punkte hat (siehe Endwertung).
  • Mehrere Wege zum Sieg: In 7 Wonders Duel gewinnt ihr sofort militärisch, wenn die Konflikt-Spielfigur die gegnerische Hauptstadt erreicht, oder wissenschaftlich mit 6 verschiedenen Forschungssymbolen – sonst nach dem 3. Zeitalter mit den meisten Siegpunkten. In King of Tokyo gewinnt das Monster mit 20 Siegpunkten oder das letzte überlebende.
  • Ausscheiden, bis einer übrig ist: In Exploding Kittens scheidet aus, wer ein Exploding Kitten zieht und keine Entschärfung hat; wer als Letzter übrig ist, gewinnt. Im klassischen Risiko gewinnt, wer alle 42 Gebiete erobert; im Auftrags-Risiko reicht dagegen eine geheime Mission.
  • Siege über mehrere Runden: In Love Letter bringt jede gewonnene Runde einen Gunststein. Wer zuerst genug Steine hat, gewinnt; mehrere können gleichzeitig gewinnen.
  • Gemeinsamer Sieg trotz Wettkampf: In Munchkin will jeder als Erster Stufe 10 erreichen. Schaffen das mehrere gleichzeitig, gewinnen sie gemeinsam.

Abgrenzung

BegriffWas gleich istWas anders ist
Kooperatives SpielIhr spielt um einen Sieg.Alle gewinnen oder verlieren gemeinsam gegen das Spiel.
Halb-kooperatives SpielAm Ende gewinnt meist ein Einzelner.Vorher arbeitet ihr gegen eine gemeinsame Gefahr zusammen (siehe Kooperative Spiele).
TeamspielSeiten spielen gegeneinander.Ihr gewinnt mit Partnern, nicht allein.
Einer gegen alleEs gibt Gegner am Tisch.Die Mehrheit bildet ein Team gegen einen Spieler.
SolospielIhr wollt ein Spielziel erreichen.Ihr spielt allein, meist gegen eine Punktzahl oder einen Mechanismus.
Direkte KonfrontationGehört oft zu kompetitiven Spielen.Beschreibt, wie stark ihr euch angreift; kompetitiv kann auch ein Spiel fast ohne Angriffe sein.

Herkunft

Schon sehr alte Brettspiele waren Spiele für zwei Gegner. Die früheste Darstellung von Senet wird auf etwa 2620 v. Chr. datiert; gespielt wurde es zu zweit (Quelle: Wikipedia „Senet“, abgerufen 05.11.2026). Das Königliche Spiel von Ur, dessen früheste Bretter auf etwa 2600 bis 2400 v. Chr. datiert werden, war ein Wettlaufspiel für zwei Personen (Quelle: Wikipedia „Royal Game of Ur“, abgerufen 05.11.2026).

Mathematisch untersucht wurde das Gegeneinander im 20. Jahrhundert: John von Neumann bewies 1928 in der Arbeit „Zur Theorie der Gesellschaftsspiele“ den Minimax-Satz für Zwei-Personen-Nullsummenspiele; der Artikel nennt das den Ausgangspunkt der Spieltheorie (Quelle: Wikipedia „Minimax theorem“, abgerufen 05.11.2026). In einem Nullsummenspiel ist der Gewinn des einen der Verlust des anderen; als Beispiele nennt die Wikipedia unter anderem Schach (Quelle: Wikipedia „Nullsummenspiel“, abgerufen 05.11.2026).

Spiele ganz ohne Gegeneinander gibt es seit Jahrzehnten: Der Lehrer Jim Deacove veröffentlichte 1971 das Spiel „Together“ und gründete 1972 in Perth (Ontario) den Verlag Family Pastimes, der nur kooperative Spiele herausbrachte (Quelle: Wikipedia „Cooperative board game“, abgerufen 05.11.2026). Wer das Wort „kompetitiv“ zuerst auf Brettspiele anwandte, ist nicht belegt.

Was daran begeistert – und was manche stört

Kompetitive Spiele bieten den klaren Reiz des Wettkampfs: Ihr messt euch mit anderen, und ein Sieg gehört euch allein. Weil jeder seinen eigenen Plan verfolgt, könnt ihr eure Strategie ganz nach eigenem Geschmack wählen und aus Niederlagen für die nächste Partie lernen.

Manche stört gerade der Wettkampf. Wer oft verliert, hat weniger Freude, und in gemischten Runden mit Kindern oder Neulingen kann das Gefälle groß sein. In Spielen mit Ausscheiden müssen die ersten Verlierer lange zuschauen. Liegt einer früh weit hinten, kann er nur noch anderen schaden oder helfen – das führt zum Kingmaking. Wer das vermeiden will, greift zu Spielen, in denen alle bis zum Ende dabei sind, oder zu kooperativen Spielen.

Spiele zum Ausprobieren

  • Einsteiger: Mensch ärgere Dich nicht – ein klares Ziel, und die anderen spielen um die Plätze weiter. Love Letter – kurze Runden, Sieg über Gunststeine. Carcassonne – die meisten Punkte nach der Schlusswertung.
  • Kenner: Catan – das Beispiel aus diesem Artikel, mit Handel unter Gegnern. 7 Wonders Duel – zu zweit, mit drei Wegen zum Sieg. King of Tokyo – Punkte sammeln oder als Letzter übrig bleiben.
  • Experten: Arcs – jeder gegen jeden um Macht aus Ambitionen, die erst im Spiel bekundet werden.

Häufige Fragen

Was bedeutet „kompetitiv“ bei Brettspielen?

Jeder spielt für sich und will selbst gewinnen. Es gibt keine Partner und keinen gemeinsamen Gegner wie in kooperativen Spielen. Am Ende steht in der Regel ein Sieger.

Scheiden in kompetitiven Spielen Spieler aus?

Nur in manchen. In Exploding Kittens und King of Tokyo könnt ihr ausscheiden. In Catan, Carcassonne oder Mensch ärgere Dich nicht seid ihr bis zum Ende dabei.

Kann es mehrere Sieger geben?

Das regelt jedes Spiel selbst. In Love Letter können mehrere zugleich genug Gunststeine haben, in Munchkin mehrere zugleich Stufe 10 erreichen. In Catan ist das ausgeschlossen, weil nur die Person am Zug gewinnen kann.

Was ist der Unterschied zwischen kompetitiv und Teamspiel?

Im kompetitiven Spiel gewinnt ihr allein, im Teamspiel zusammen mit euren Partnern. Beide haben Gegner am Tisch; der Unterschied ist, ob ihr Verbündete habt.

Quellen

Stand 05.11.2026 · geschrieben von boardgamez.de in eigenen Worten; Beispiele aus vollständig gelesenen Regelheften. So entsteht das Lexikon