Brettspiel-Lexikon · Spielarten und Genres

Solospiel (Solomodus und Automa) – einfach erklärt

englisch: Solo Game, Solo Mode · auch: Solomodus, Solo-Modus, Solovariante, Spiel für eine Person, Automa

Kurz gesagt

Ein Solospiel spielt ihr allein. Entweder ist das ganze Spiel für eine Person gebaut, oder ein Mehrpersonenspiel hat einen Solomodus. Dann spielt ihr gegen eine Punktzahl, gegen eine Aufgabe oder gegen einen Automa: einen künstlichen Gegner, den Karten steuern.

1022 Spiele in unserer Datenbank nutzen „Solo spielbar“ – alle ansehen →

So funktioniert es

Ein Brettspiel lebt normalerweise von den Mitspielern: Sie nehmen euch Felder weg, sie setzen das Tempo, und am Ende vergleicht ihr Punkte. Spielt ihr allein, muss das Spiel diese Rolle übernehmen. Jeder Solomodus beantwortet deshalb drei Fragen: Wer oder was ist der Gegner? Was ersetzt die Störung durch andere? Und wann habt ihr gewonnen?

Eine Antwort darauf ist der Automa: ein Gegner, der wie ein Mitspieler auf dem Plan steht, aber keine eigenen Entscheidungen trifft. Was er tut, bestimmen Karten mit festen Vorrangregeln. Ein ausführliches Beispiel ist der Automa in Scythe, für den es ein eigenes Heft mit 12 Seiten gibt.

Ihr baut auf wie für ein Spiel zu zweit. Der Automa bekommt ein Nationstableau, Stärke und Kampfkarten (die ihr nicht ansehen dürft), 5 Münzen und Ansehen 10 – das sich bei ihm nie ändert. Eine von vier Fortschrittskarten legt den Schwierigkeitsgrad fest, von der leichten Autometta bis zur Ultimaszyna. Dann mischt ihr die 19 Automa-Karten. Ihr beginnt, danach zieht ihr abwechselnd für euch und für ihn:

  1. 1Automa-Karte ziehen
  2. 2Bewegung: die erste zulässige Möglichkeit der ersten Zeile
  3. 3Ertrag laut zweiter Zeile
  4. 4Rekrutierungssymbol: ihr bekommt euren Bonus, falls freigeschaltet
  5. 5Goldener Stern: Fortschrittsmarker rückt vor

euer Zug – danach die nächste Automa-Karte

Ein Zug des Automa in Scythe: Die Karte wird von oben nach unten abgearbeitet. Was er tut, steht fest; ihr müsst nur die Vorrangregeln anwenden.
  • Bewegung: Die erste Zeile der Karte nennt Möglichkeiten wie Arbeiter, Mech oder Anführer ziehen, angreifen oder eine Begegnung ansteuern. Der Automa nimmt die erste, die gerade zulässig ist. Welche Einheit und welches Ziel, regeln feste Vorgaben, Gleichstände werden in Leserichtung entschieden.
  • Ertrag: Die zweite Zeile bringt ihm zum Beispiel einen neuen Arbeiter, 1 Münze, Stärke oder eine Kampfkarte. Er zahlt nichts und produziert nichts; Gebäude, Rekruten, Entwicklungen und Zielkarten hat er gar nicht.
  • Fortschritt: Goldene Sterne auf den Karten schieben einen Marker über seine Fortschrittskarte. Erreicht er dort ein goldenes Feld, setzt er einen Stern. Mit dem ersten solchen Stern wird neu gemischt, und ab dann gilt Aktionsplan II – der Automa wird also im Lauf der Partie gefährlicher.
  • Kampf: Ihr wählt zuerst eure Stärke und Karten. Dann zieht ihr eine Automa-Karte; ihre Kampftabelle verrät, wie viel Stärke und wie viele zufällige Kampfkarten (0 bis 3) er bei seiner aktuellen Stärke einsetzt.
  • Wertung: Am Ende zählt wie üblich Geld. Der Automa bekommt 4 Münzen je Stern und 3 je beherrschter Region. Ihr wertet nach den normalen Regeln, aber höchstens 6 Ressourcen je Region.

So entsteht Druck wie in einer echten Partie: Der Automa besetzt Regionen, greift an und sammelt Sterne – ohne dass ihr für ihn überlegen müsst.

Spielformen

  • Reines Solospiel: Freitag ist nur für eine Person gemacht. Ihr baut als Robinson euren Kartenstapel aus, bekämpft Gefahren und am Ende zwei Piraten; verlorene Kämpfe kosten Lebenspunkte. Vier Level machen es schwerer.
  • Solo nach Punkten: In Cascadia spielt ihr allein auf einen Punktestand. Vor jedem Auffüllen fällt die rechte Kombination der Auslage weg, und eine Tabelle im Heft reicht von „60+ Ein guter Anfang“ bis „110+ Den Gipfel erreicht!“.
  • Solo mit Siegbedingung: In Terraforming Mars habt ihr genau 14 Generationen. Bringt ihr bis dahin nicht alle drei globalen Parameter ans Ziel, habt ihr verloren; sonst zählt ihr eure Punkte.
  • Automa, der Felder blockiert: In Viticulture deckt ihr zu Beginn jedes Sommers und Winters eine Automa-Karte auf. Die Automa-Arbeiter besetzen die gezeigten Felder, bekommen aber selbst keine Aktionen und keine Boni. Gewonnen habt ihr, wenn euer Korken nach dem 7. Jahr vor dem Automa-Korken steht, der auf 20 beginnt.
  • Rebenkarte ziehenbesetzt
  • Tour anbietenfrei
  • Bauwerk errichtenbesetzt
  • Rebe pflanzenbesetzt
  • Sommerbesucher spielenfrei
  • Trauben verkaufen oder Gebiet verkaufen/kaufenfrei
Beispiel für einen Sommer in Viticulture solo: Die Automa-Arbeiter (lila) sperren die Felder ihrer Karte, ohne selbst etwas davon zu haben. Ihr (blau) weicht auf ein freies Feld aus. Welche Felder gesperrt sind, wechselt mit jeder Karte.
  • Dummyspieler: Mage Knight nutzt in Solo-Szenarien einen Dummyspieler. Er deckt in seinem Zug 3 Karten auf und je nach Kristallen in der Farbe der letzten Karte weitere.
  • Kooperativ allein: Viele kooperative Spiele funktionieren auch solo. In Spirit Island ist dann ein einziger Inselspielplan die ganze Insel. In Robinson Crusoe bekommt ihr solo einen Hund als Helfer für Jagen oder Erforschen.

Abgrenzung

BegriffWas gleich istWas anders ist
SolomodusIhr spielt allein.Ein Solomodus ist eine Zusatzregel für ein Spiel, das eigentlich für mehrere gedacht ist. Ein reines Solospiel wie Freitag gibt es nur für eine Person.
DummyspielerEr ersetzt einen Mitspieler.In Mage Knight deckt der Dummyspieler nur Karten auf. Ein Automa wie in Scythe zieht dagegen über den Plan, kämpft und wird am Ende gewertet.
Kooperatives SpielDer Gegner ist oft das Spiel.Koop-Spiele sind für mehrere gemacht und brauchen für eine Person eigene Solo-Regeln – nicht jedes hat welche.
PatienceIhr spielt allein mit Karten.Patiencen werden mit einem normalen Kartenblatt gelegt; Solospiele haben eigenes Material und eigene Regeln.
Multiplayer-SolitärJeder spielt viel für sich.So nennen manche Spieler Mehrpersonenspiele mit wenig Interaktion. Allein spielen kann man sie deshalb nicht.

Herkunft

Allein Karten zu legen ist alt. Woher die Patiencen stammen, ist unbekannt; eine der ältesten Sammlungen von Patiencespielen erschien 1870 von Lady Adelaide Cadogan (Quelle: Wikipedia „Patience“, Einzelnachweis Brenda Ralph Lewis: Kartenspiele für eine Person, 2011).

Freitag von Friedemann Friese (2F-Spiele) stand 2012 auf der Empfehlungsliste zum Kennerspiel des Jahres; die Jury führt es „für 1 Person“ (Quelle: Spiel des Jahres e. V., Seite zu Freitag).

Das Wort „Automa“ für einen Kartengegner stammt laut Stonemaier Games aus der Arbeit an Viticulture. Verleger Jamey Stegmaier schreibt, Morten Monrad Pedersen sei einer der frühen Unterstützer von Viticulture auf Kickstarter. Als Stegmaier 2013 an der Erweiterung Tuscany arbeitete, fragte er Pedersen, ob er einen offiziellen Solomodus für Viticulture entwickeln wolle. Daraus entstand die Automa Factory. Mit „Automa“ meint Stegmaier jedes Solospiel, in dem man sich gegen einen klug wirkenden, automatischen Gegner fühlt (Quelle: Stonemaier Games, Blog „A Fan Designed an Expansion for Your Game: What Should You Do?“, 13.11.2023). Die Regelhefte von Scythe, Viticulture und Tapestry nennen Pedersen als Autor der Solo-Regeln (Quelle: Regelhefte, siehe Spiele-Einträge).

Was daran begeistert – und was manche stört

Ein Solospiel braucht keinen Termin und keine Gruppe: Ihr spielt, wann ihr wollt, so lange ihr wollt, und könnt jeden Zug in Ruhe durchdenken. Manche nutzen den Solomodus auch, um ein neues Spiel vor dem Spieleabend zu lernen, damit sie es danach gut erklären können. Ein guter Automa fühlt sich an wie ein echter Gegner, der euch Felder wegnimmt und Druck macht – ohne dass jemand warten muss.

Kritik gibt es an der Verwaltung: Der Automa nimmt euch das Denken für ihn ab, aber ihr müsst seine Karten trotzdem nachschlagen und ausführen. Manchen ist das zu viel Buchhaltung, gerade bei langen Vorrangregeln. Andere vermissen das Gespräch am Tisch und die Überraschung, die nur echte Menschen bieten. Und wer nur gegen eine Punktetabelle spielt, hat keinen Gegner, der zurückschlägt; ob das reicht, ist Geschmackssache.

Spiele zum Ausprobieren

  • Einsteiger: Cascadia – kurze Solopartien auf Punkte, mit Szenarien als Herausforderung.
  • Kenner: Freitag – ein reines Solospiel mit vier Schwierigkeitsleveln, in dem euer Kartenstapel mit jeder bestandenen Gefahr besser wird. Viticulture – der Automa sperrt Felder, ihr spielt auf Punkte gegen seinen Korken. Terraforming Mars – Solo mit klarer Frist von 14 Generationen.
  • Experten: Scythe – das Beispiel aus diesem Artikel, mit vier Stufen des Automa. Spirit Island – kooperatives Expertenspiel, das solo auf einer einzigen Insel funktioniert. Mage Knight – eigene Solo-Szenarien mit Dummyspieler.

Häufige Fragen

Was ist ein Automa?

Ein künstlicher Gegner für den Solomodus, den Karten steuern. Er trifft keine eigenen Entscheidungen: Ihr deckt eine Karte auf und führt aus, was sie vorgibt, nach festen Vorrangregeln. In Scythe zieht der Automa so über den Plan, kämpft und sammelt Sterne wie ein Mitspieler.

Was ist der Unterschied zwischen Solospiel und Solomodus?

Ein Solospiel ist nur für eine Person gemacht, etwa Freitag. Ein Solomodus ist eine Zusatzregel, mit der ein Spiel für mehrere auch allein funktioniert, wie bei Scythe, Viticulture oder Cascadia.

Wann habe ich ein Solospiel gewonnen?

Das legt jedes Spiel selbst fest. Gegen einen Automa vergleicht ihr am Ende Punkte oder Geld. In Terraforming Mars müsst ihr bis zum Ende der 14. Generation alle drei Parameter ans Ziel bringen. In Cascadia gibt es keinen Sieg im engeren Sinn, sondern eine Tabelle, die euren Punktestand einordnet.

Kann man kooperative Spiele allein spielen?

Viele ja, oft mit eigener Solo-Regel. Spirit Island und Robinson Crusoe haben eine, Die verbotene Insel und Mysterium dagegen nicht. Was gilt, steht im Regelheft und auf der Seite des Spiels bei uns.

Quellen

Stand 05.11.2026 · geschrieben von boardgamez.de in eigenen Worten; Beispiele aus vollständig gelesenen Regelheften. So entsteht das Lexikon