Aufnehmen und Liefern (Pick-up and Deliver) – einfach erklärt
englisch: Pick-up and Deliver · auch: Pick-up and Deliver, Transport und Liefern, Warentransport, Transportspiel, Lieferspiel
Kurz gesagt
Beim Aufnehmen und Liefern (englisch Pick-up and Deliver) holt ihr Waren, Passagiere oder Steine an einem Ort ab, bringt sie über den Spielplan und liefert sie an einem anderen Ort ab. Erst die Lieferung bringt Geld oder Punkte – der Weg dorthin ist die eigentliche Aufgabe.
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So funktioniert es
Jede Lieferung hat drei Teile: Ihr müsst an den Ort, an dem die Ladung wartet, ihr müsst sie transportieren, und ihr müsst am richtigen Ziel ankommen. Dazwischen stehen Grenzen, die das Planen spannend machen – wenig Laderaum, weite Wege, begrenzte Bewegung oder Mitspieler, die dasselbe wollen.
Ein sehr direktes Beispiel ist Auf Achse. Ihr seid Spediteure mit je einem LKW, startet mit 5.000 € und 3 Auftragskarten auf der Hand. Jeder Auftrag nennt einen Startort, einen Zielort und den Frachterlös. Euren LKW dürft ihr zu Beginn auf ein beliebiges Feld stellen, auch gleich in den Startort eines eigenen Auftrags.
- 1Auftrag auf der Hand oder aus der offenen Auslage
- 2Zum Startort fahren
- 3Laden: Karte offen auslegen, Waren auf den LKW – der Zug endet
- 4Zum Zielort fahren
- 5Abladen und den Frachterlös kassieren
nächster Auftrag
So kommt ihr voran: Ihr würfelt mit beiden Würfeln, sucht euch einen aus und zieht so viele Felder in beliebiger Richtung. Ihr müsst nicht alles ausfahren – wer einen Start- oder Zielort erreicht, darf übrige Punkte verfallen lassen. Eine gewählte 6 erlaubt 1 bis 6 Felder, und die beiden Fähren kosten nichts. Wählt ihr eine 1, fahrt ihr ein Feld und stellt das Baustellenschild auf, das einen Streckenabschnitt sperrt.
Mehr Laderaum kauft ihr in eurem Zug als Anhänger: einen für 4 Waren zu 2.000 €, einen für 6 Waren zu 3.000 €. Neue Aufträge gibt es in der offenen Auslage. Wer seine Würfelzahl ganz ausnutzt und in einer Stadt endet, darf einen davon wählen. Dann bieten die anderen in festen Stufen mit; der Wähler bekommt den Auftrag schon, wenn er mit dem höchsten Gebot gleichzieht, und ohne Gegengebot ist er gratis. Das Spiel endet sofort, wenn keine öffentlichen Aufträge mehr ausliegen und ein Spieler alle eigenen erledigt hat. Es gewinnt das meiste Bargeld; offene Aufträge zählen nichts.
Daraus ergeben sich die typischen Entscheidungen beim Aufnehmen und Liefern:
- Reihenfolge: Welche Ladung holt ihr zuerst, und welcher Weg verbindet Startorte und Ziele am kürzesten?
- Laderaum: Lohnt sich ein Anhänger? Verkauft bringt er vor Spielende nur noch 500 €, am Ende ist er wertlos.
- Bieten: Was ihr für einen öffentlichen Auftrag bezahlt, geht sofort an die Bank und schmälert den Erlös.
Spielformen
- Ein Auftrag, ein Ziel: In Auf Achse steht auf jeder Karte, wo die Ladung abgeholt und wohin sie gebracht wird.
- Waren über ein Streckennetz: In Steam bewegt ihr einen Warenwürfel entlang vollständiger Strecken von Stadt zu Stadt, höchstens so viele Strecken weit, wie eure Lokomotivstufe erlaubt. Er endet in der ersten Stadt seiner Farbe. Ihr müsst mindestens eine eigene Strecke nutzen, und jeder Besitzer einer benutzten Strecke bekommt 1 Streckenpunkt – auch ein Mitspieler. Wie das Netz entsteht, erklärt Netzwerkbau.
- 1Warenwürfel liegt in einer Stadt
- 2Über vollständige Strecken ziehen: höchstens so viele, wie die Lokomotivstufe zeigt
- 3Halt in der ersten Stadt seiner Farbe
- 4Je benutzte Strecke 1 Streckenpunkt für ihren Besitzer
- 5Würfel zurück in den Beutel
- Unterwegs aufnehmen: Im Wettrennen Mississippi Queen nehmt ihr einen Passagier an Bord, wenn euer Raddampfer seinen Zug mit Geschwindigkeit 1 am Anlegesteg einer Station beendet. Mehr als zwei passen nicht an Bord, und von derselben Insel nehmt ihr nie zwei. Gewonnen hat, wer als Erster mit zwei Passagieren und Geschwindigkeit 1 an der Landungsmole anlegt.
- Gemeinsame Boote: In Imhotep setzt ihr einzelne Steine auf Boote, und irgendein Spieler fährt ein Boot zu einem Ort – sobald seine Mindestbeladung erreicht ist, auch ohne eigenen Stein darauf. Abgeladen wird vom vordersten Stein an. Wer ein Boot fährt, entscheidet also mit, wohin die Steine der anderen kommen.
- Liefern nach Wert: In Great Western Trail treibt ihr eure Herde nach Kansas City und liefert sie in eine Stadt, deren Lieferwert höchstens so hoch ist wie euer Gesamt-Zuchtwert. Steht eure Lok hinter der Stadt, zahlt ihr 1 Dollar Transportkosten je Streckenkreuz.
- Verschiffen: In Puerto Rico muss jeder, wenn der Kapitän gewählt ist, Waren einer Sorte auf ein Schiff verladen, so viele wie möglich. Jedes Schiff nimmt nur eine Sorte, und jede Ware bringt 1 Siegpunkt.
Abgrenzung
| Begriff | Was gleich ist | Was anders ist |
|---|---|---|
| Netzwerkbau | Orte und Strecken stehen im Mittelpunkt. | Netzwerkbau beschreibt, wie die Strecken entstehen; beim Liefern geht es um die Ladung darauf. In Zug um Zug baut ihr Strecken, transportiert aber nichts. |
| Figuren bewegen | Eine Figur zieht über den Plan. | Beim Liefern ist die Bewegung nur Mittel zum Zweck: Punkte bringt das Abladen, nicht das Ankommen. |
| Sets sammeln | Ihr tragt Waren zusammen. | Beim Sets sammeln zählt, was ihr besitzt. Beim Liefern zählt, wohin ihr es bringt. |
| Ressourcenmanagement | Waren sind Rohstoffe. | Beim Ressourcenmanagement gebt ihr Waren aus oder wandelt sie um; beim Liefern müssen sie erst an einen bestimmten Ort. |
Herkunft
Auf Achse von Wolfgang Kramer erschien zuerst 1982 als Werbespiel unter dem Namen „Das große Logistik-Spiel“ bei ASS Altenburger und 1987 unter seinem heutigen Namen bei F.X. Schmid; im selben Jahr wurde es Spiel des Jahres (Quelle: Wikipedia „Auf Achse (Spiel)“, abgerufen 05.11.2026). Zehn Jahre später, 1997, gewann Mississippi Queen von Werner Hodel den Preis (Quelle: Wikipedia „Spiel des Jahres“, abgerufen 05.11.2026).
Bei den Eisenbahnspielen brachte Martin Wallace 2002 Age of Steam heraus, zuerst bei Warfrog Games in Lizenz von Winsome Games; es erhielt 2003 den International Gamers Award. Später veröffentlichte Wallace bei Mayfair Games ein leicht abgewandeltes Spiel mit dem Namen Steam (Quelle: Wikipedia „Age of Steam (game)“, abgerufen 05.11.2026). Welches Spiel als erstes Waren aufnehmen und abliefern ließ und seit wann man von „Pick-up and Deliver“ spricht, ist nicht belegt.
Was daran begeistert – und was manche stört
Liefern ist ein Thema, das jeder versteht: Etwas muss von hier nach dort. Die Planung hat eine klare Form – eine Route, die mehrere Aufträge geschickt verbindet, fühlt sich gut an, wenn sie aufgeht. In Spielen wie Steam oder Imhotep entsteht Interaktion, weil ihr die Strecken oder Boote der anderen mitbenutzt und ihnen damit Punkte bringt oder nehmt.
Kritik gibt es vor allem an Glück und an wenig Interaktion. Über Auf Achse schreiben die Opinionated Gamers, außerhalb der Auktion gebe es wenig Interaktion, und Aufträge und Ereignisse brächten Glück ins Spiel (15.06.2015). Bei schweren Spielen wie Age of Steam bemängelt Meeple Mountain den Würfelwurf, mit dem neue Güter kommen, als frustrierend.
Spiele zum Ausprobieren
- Einsteiger: Auf Achse – das Beispiel aus diesem Artikel; Aufträge abholen und abliefern, dazu eine Versteigerung um neue Aufträge. Imhotep – Steine auf Boote laden, und wer fährt, bestimmt das Ziel für alle.
- Kenner: Mississippi Queen – ein Wettrennen, bei dem ihr unterwegs zwei Passagiere abholen müsst. Puerto Rico – Waren produzieren und verschiffen, solange Platz auf den Schiffen ist.
- Experten: Steam – Warenwürfel über das eigene und fremde Streckennetz liefern. Great Western Trail – die Herde nach Kansas City treiben und in Städte mit hohem Lieferwert liefern.
Häufige Fragen
Was bedeutet Pick-up and Deliver?
Pick-up and Deliver heißt „aufnehmen und abliefern“: Ihr holt eine Ladung an einem Ort ab und bringt sie an einen anderen. Punkte oder Geld gibt es erst bei der Lieferung. Auf boardgamez.de heißt der Filter „Transport & Liefern“.
Ist Zug um Zug ein Pick-up-and-Deliver-Spiel?
Nein. In Zug um Zug baut ihr Strecken und verbindet Städte für eure Zielkarten, transportiert aber keine Waren. Das ist Netzwerkbau. Eisenbahnspiele wie Steam verbinden beides.
Darf ich nur einen Teil einer Ladung liefern?
Das regelt jedes Spiel selbst. In Auf Achse wird ein Auftrag nie in Teilmengen geliefert. In Puerto Rico müsst ihr dagegen so viele Waren einer Sorte verladen, wie auf das Schiff passen, danach darf jeder nur 1 Ware behalten, mehr nur mit einem besetzten Lagerhaus.
Bekomme ich Punkte, wenn andere meine Strecken nutzen?
In Steam ja: Jeder Besitzer einer benutzten Strecke bekommt 1 Streckenpunkt, auch wenn ein Mitspieler die Ware liefert. In Age of Steam erhält jeder Besitzer einer benutzten Linie +1 Einkommen.
Quellen
- Spielregeln der Beispiele, vollständig gelesen (Fundstellen in den Spiele-Einträgen): Auf Achse (Schmidt Spiele 2007, 4 S.), Steam (Mayfair 2009), Age of Steam (Deluxe Edition, DE, 12 S.), Mississippi Queen (Goldsieber 1997, 12 S.), Imhotep (Kosmos 2016, 12 S.), Great Western Trail (2. Edition), Puerto Rico.
- Wikipedia: „Auf Achse (Spiel)“, Einzelnachweise u. a. Wolfgang Kramer (kramer-spiele) und spiel-des-jahres.de – https://de.wikipedia.org/wiki/Auf_Achse_(Spiel) (abgerufen 05.11.2026)
- Wikipedia: „Spiel des Jahres“, Liste der Preisträger – https://de.wikipedia.org/wiki/Spiel_des_Jahres (abgerufen 05.11.2026)
- Wikipedia: „Age of Steam (game)“ – https://en.wikipedia.org/wiki/Age_of_Steam_(game) (abgerufen 05.11.2026)
- The Opinionated Gamers: Rezension zu Auf Achse, 15.06.2015 (Fundstelle im Spiele-Eintrag)
- Meeple Mountain: Test von Age of Steam Deluxe Edition – https://meeplemountain.com/reviews/age-of-steam (abgerufen 05.11.2026)
Stand 05.11.2026 · geschrieben von boardgamez.de in eigenen Worten; Beispiele aus vollständig gelesenen Regelheften. So entsteht das Lexikon
