Brettspiel-Lexikon · Mechanismen

Netzwerkbau (Netzwerke und Routen) – einfach erklärt

englisch: Network Building, Route Building · auch: Netzwerke und Routen, Streckenbau, Routenbau, Verbindungen bauen, Strecken beanspruchen

Kurz gesagt

Beim Netzwerkbau verbindet ihr Orte auf dem Spielplan mit Strecken, Kanälen, Leitungen oder Straßen. Wo ihr weiterbauen dürft und was ihr am Ende wertet, hängt davon ab, wie euer Netz zusammenhängt – und oft auch davon, wer euch den Weg verbaut.

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So funktioniert es

Ein Netzwerkspiel zeigt Orte und dazwischen freie Strecken. Ihr belegt sie nach und nach mit Plättchen, Waggons, Häusern oder gezeichneten Linien. Aus den einzelnen Verbindungen wird ein Netz, und genau darauf kommt es an: Welche Orte hängen zusammen, wo darf das Netz weiterwachsen, und wer kommt über welche Strecke wohin?

Besonders deutlich zeigt das Brass: Birmingham. Ihr baut Industrien und verbindet die Orte in der Kanalepoche mit Kanälen, in der Eisenbahnepoche mit Eisenbahnen. Jede Aktion kostet eine Handkarte, und ihr habt zwei Aktionen pro Zug. Das Spiel unterscheidet dabei zwei Begriffe, die ihr auseinanderhalten müsst:

  • Euer Netzwerk: Ein Ort gehört dazu, wenn dort mindestens eines eurer Industrieplättchen liegt oder wenn eines eurer Verbindungsplättchen ihn mit einem Nachbarort verbindet.
  • Verbundene Orte: Zwei Orte sind verbunden, wenn Verbindungsplättchen eine lückenlose Kette zwischen ihnen bilden – dabei zählen auch die Plättchen der Mitspieler.

Euer eigenes Netzwerk bestimmt, wo ihr bauen dürft. Mit der Aktion Verbinden legt ihr ein Verbindungsplättchen auf eine freie Strecke, und mindestens einer der beiden Orte muss schon zu eurem Netzwerk gehören. Auch mit einer Industriekarte baut ihr nur in einem Ort eures Netzwerks; eine Ortskarte oder ein Ortsjoker erlaubt den Bau in genau diesem Ort, auch wenn er nicht dazugehört.

  1. 1Handkarte spielen
  2. 2Freie Eisenbahnstrecke wählen: mindestens ein Ende liegt in eurem Netzwerk
  3. 3Bezahlen: 1 Verbindung für £5 – oder 2 für £15 und 1 Bier aus einer Brauerei
  4. 4Legen und je Verbindung 1 Kohle verbrauchen: Die Strecke muss sofort mit einer Kohlequelle verbunden sein
  5. 5Der neue Ort gehört jetzt zu eurem Netzwerk
Die Aktion Verbinden in der Eisenbahnepoche von Brass: Birmingham. In der Kanalepoche legt ihr dagegen höchstens einen Kanal je Aktion, für £3.

Die verbundenen Orte entscheiden dagegen, woher eure Rohstoffe kommen. Braucht ihr Kohle, muss sie vom nächstgelegenen nicht umgedrehten Kohlebergwerk kommen, gemessen an der Zahl der Verbindungsplättchen dazwischen – egal, wem das Bergwerk gehört. Erst wenn keine Verbindung zu einem nicht umgedrehten Bergwerk besteht, kauft ihr Kohle vom Markt, und dafür braucht ihr eine Verbindung zu einem Händler. Auch zum Verkaufen muss eure Industrie mit einem passenden Händler verbunden sein.

Das englische Regelheft zeigt dazu ein Beispiel, das im deutschen fehlt:

  1. 1Rot hat eine Industrie in Birmingham und eine Eisenbahn Birmingham–Redditch
  2. 2Das rote Netzwerk: Birmingham und Redditch
  3. 3Verbindung A: Birmingham–Walsall
  4. 4Walsall gehört jetzt auch zum Netzwerk
  5. 5Verbindung B in derselben Aktion (als zweite Eisenbahn, also für £15 und 1 Bier): von Walsall Richtung Wolverhampton, Cannock oder Tamworth
Ein Netzwerk wächst Ort für Ort (englisches Regelheft, S. 12). Redditch gehört dazu, obwohl dort keine rote Industrie steht – die Verbindung genügt.

Am Ende jeder Epoche werden die Verbindungen gewertet: Jedes eigene Verbindungsplättchen bringt so viele Siegpunkte, wie Verbindungssymbole in den beiden verbundenen Orten zu sehen sind – auf dem Plan und auf den Industrieplättchen, auch auf denen der Mitspieler. Danach kommen alle Verbindungsplättchen vom Plan. Eine Strecke zwischen Orten mit vielen Verbindungssymbolen ist also mehr wert als eine zwischen Orten mit wenigen.

Daraus ergeben sich die typischen Entscheidungen: Wohin soll das Netz wachsen? Welche Strecke muss zuerst belegt werden? Und baut ihr dort, wo es euch am meisten bringt, oder dort, wo ihr einem Mitspieler den Weg abschneidet?

Spielformen

  • Netz wächst nur am eigenen Rand: In Brass: Birmingham muss jede neue Verbindung an euer Netzwerk anschließen – außer ihr habt noch gar kein Plättchen auf dem Plan.
  • Strecken frei beanspruchen, Verbindungen erfüllen: In Zug um Zug muss eine neue Strecke nicht an eure anderen anschließen. Zusammenhang zählt erst bei den Zielkarten: Eine Zielkarte ist erfüllt, wenn eure Waggons eine durchgehende Verbindung zwischen den beiden Städten bilden; eine nicht erfüllte zählt am Ende minus. Für die längste durchgehende Strecke gibt es 10 Punkte.
  • Gemeinsames Netz: In Trans Europa & Trans Amerika legt ihr bis zu 2 Schienen je Zug, die über ein lückenloses Netz an euren Startmarker anschließen. Berührt euer Netz das eines anderen, nutzen alle Beteiligten es gemeinsam. Wer zuerst seine 5 Städte verbunden hat, beendet die Runde.
  • Anschließen mit Kosten: In Funkenschlag schließt ihr Städte an euer Stromnetz an. Weitere Städte gehen nur von eigenen aus, und ihr zahlt die günstigsten Verbindungen plus die Anschlusskosten.
  • Gleise für Gesellschaften: In 1830 legt ihr als Direktor einer Eisenbahngesellschaft Gleisplättchen, die von einem eigenen Bahnhof über eine unblockierte Strecke erreichbar sein müssen. Die Loks fahren danach Strecken aus Städten, und deren Werte sind das Einkommen.
  • Netze zeichnen: In Railroad Ink – Edition Tiefblau zeichnet ihr gewürfelte Straßen und Gleise ein. Je mehr Ausfahrten an einem Netzwerk hängen, desto mehr Punkte; jedes offene Streckenende kostet einen Punkt.

Abgrenzung

BegriffWas gleich istWas anders ist
Aufnehmen und LiefernStrecken und Orte spielen die Hauptrolle.Beim Liefern geht es darum, was über die Strecken transportiert wird. Netzwerkbau beschreibt, wie die Strecken entstehen. Steam verbindet beides.
Figuren bewegenEin Netz aus Orten und Linien.Beim Figuren bewegen ist das Wegenetz vorgegeben, wie in Pandemie. Beim Netzwerkbau baut ihr es erst.
GebietskontrolleIhr besetzt Teile des Plans.Bei der Gebietskontrolle zählt die Mehrheit in einem Gebiet, beim Netzwerkbau der Zusammenhang der Verbindungen.

Herkunft

Zu den frühen bekannten Beispielen gehören Eisenbahnspiele der 1970er-Jahre. Railway Rivals von David G. Watts erschien 1973 bei Rostherne Games; die Spieler zeichnen ihre Strecken mit abwischbaren Stiften auf den Plan (Quelle: Wikipedia „Railway Rivals“, dort ohne Einzelnachweis, abgerufen 05.11.2026). Die deutsche Ausgabe Dampfross wurde 1984 Spiel des Jahres (Quelle: Wikipedia „Spiel des Jahres“, abgerufen 05.11.2026).

Die 18xx-Reihe geht auf 1829 zurück, das Francis Tresham Mitte der 1970er-Jahre herausbrachte. In diesen Spielen legen die Spieler für ihre Gesellschaften sechseckige Gleisplättchen auf einen Plan aus Sechseckfeldern, und das Streckennetz wächst mit der Zeit; 1830 war das erste Spiel der Reihe, das in den USA breit erhältlich war (Quelle: Wikipedia „18XX“, abgerufen 05.11.2026).

Alan R. Moon gewann den Preis Spiel des Jahres 1998 mit Elfenland und 2004 mit Zug um Zug; 2006 folgte Thurn und Taxis von Andreas und Karen Seyfarth (Quelle: Wikipedia „Spiel des Jahres“, abgerufen 05.11.2026). Brass von Martin Wallace erschien 2007 und ist in eine Kanal- und eine Eisenbahnepoche geteilt; Brass: Birmingham kam 2018 bei Roxley Games in den Handel (Quelle: Wikipedia „Brass (board game)“, abgerufen 05.11.2026). Welches Spiel als erstes ein Netz aus Verbindungen bauen ließ und seit wann man von Netzwerkbau spricht, ist nicht belegt.

Was daran begeistert – und was manche stört

Ein Netz wächst sichtbar über den Plan: Ihr seht jederzeit, wer wem den Weg abschneiden könnte und welche Strecken noch frei sind. Eine Strecke, die ein anderer belegt, ist für euch weg, und in Brass: Birmingham oder Trans Europa nutzt ihr fremde Verbindungen mit. Viele Regeln laufen auf eine einzige Frage hinaus: Hängt das zusammen oder nicht?

Kritik trifft vor allem das Ausgesperrtwerden. Wenn ein Mitspieler genau die Strecke belegt, die ihr für eure Zielkarte braucht, braucht ihr einen Umweg, oder die Karte bringt Minuspunkte. In großen Netzwerkspielen wie 1830 kommen Aktien, Loks und sieben Phasen dazu – die Regel von 1830 umfasst 28 Seiten.

Spiele zum Ausprobieren

  • Einsteiger: Zug um Zug – Strecken beanspruchen und geheime Zielkarten verbinden. Trans Europa & Trans Amerika – zwei Schienen je Zug, und jedes Netz kann zum gemeinsamen werden. Railroad Ink – Edition Tiefblau – Netze zeichnen, alle gleichzeitig.
  • Kenner: Funkenschlag – ein Stromnetz, bei dem jeder Anschluss Geld kostet. Steam – Gleise bauen, um Waren über das Netz zu liefern.
  • Experten: Brass: Birmingham – das Beispiel aus diesem Artikel; das eigene Netzwerk und die verbundenen Orte aller Spieler greifen ineinander. 1830 – Gleisplättchen und Aktiengesellschaften.

Häufige Fragen

Was bedeutet Netzwerkbau bei Brettspielen?

Ihr verbindet Orte auf dem Spielplan mit Strecken, Leitungen oder Straßen. Was ihr dürft und was Punkte bringt, hängt davon ab, wie die Verbindungen zusammenhängen. Im Englischen heißt das Netz network; auf boardgamez.de heißt der Filter „Netzwerke & Routen“.

Muss eine neue Strecke an meine alten anschließen?

Das regelt jedes Spiel selbst. In Brass: Birmingham muss ein Ende der neuen Verbindung in eurem Netzwerk liegen, in Trans Europa muss alles an euren Startmarker anschließen. In Zug um Zug dürft ihr dagegen jede freie Strecke nehmen – Zusammenhang zählt dort erst für die Zielkarten und die längste Strecke.

Darf ich die Strecken anderer Spieler nutzen?

In vielen Netzwerkspielen ja. In Brass: Birmingham zählen für die Kohle auch fremde Verbindungen. In Trans Europa wird ein Netz, das ein anderes berührt, zum gemeinsamen. In Steam liefert ihr Waren auch über fremde Strecken, und deren Besitzer bekommen dafür Punkte.

Quellen

  • Brass: Birmingham: geprüftes Regelwissen (deutsches Regelheft S. 6–11, englisches Original S. 7–12 mit dem Kasten „Understanding your networks“).
  • Spielregeln der weiteren Beispiele, vollständig gelesen (Fundstellen in den Spiele-Einträgen): Zug um Zug (Days of Wonder, Neuausgabe 2025), Trans Europa & Trans Amerika (DE, 8 S.), Funkenschlag (Recharged, 12 S.), 1830 (Lookout Spiele 2018, 28 S.), Railroad Ink – Edition Tiefblau (12 S.), Steam (Mayfair 2009).
  • Wikipedia: „Railway Rivals“ – https://en.wikipedia.org/wiki/Railway_Rivals (abgerufen 05.11.2026)
  • Wikipedia: „18XX“, Einzelnachweise Mike Siggins, Sumo Nr. 6, 1991, und Brian Bankler, The Game Report, 1995 – https://en.wikipedia.org/wiki/18XX (abgerufen 05.11.2026)
  • Wikipedia: „Spiel des Jahres“, Liste der Preisträger – https://de.wikipedia.org/wiki/Spiel_des_Jahres (abgerufen 05.11.2026)
  • Wikipedia: „Brass (board game)“ – https://en.wikipedia.org/wiki/Brass_(board_game) (abgerufen 05.11.2026)

Stand 05.11.2026 · geschrieben von boardgamez.de in eigenen Worten; Beispiele aus vollständig gelesenen Regelheften. So entsteht das Lexikon