Brettspiel-Lexikon · Mechanismen

Versteigern und Bieten (Auktion) – einfach erklärt

englisch: Auction, Bidding · auch: Versteigerung, Auktion, Bieten, Auktionsspiel, Bietmechanik

Kurz gesagt

Beim Versteigern bietet ihr gegeneinander um Karten, Plättchen oder Vorteile. Wer am meisten bietet, bekommt den Zuschlag und zahlt. Der Preis steht also nicht auf der Schachtel, sondern entsteht am Tisch – je nachdem, wie viel euch und den anderen etwas wert ist.

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So funktioniert es

Eine Versteigerung braucht drei Dinge: etwas, das angeboten wird, etwas, womit geboten wird, und eine Regel, wer wann bietet. Die Währung ist oft Geld, manchmal auch eine Karte oder Scheibe. Wichtig ist, dass jedes Gebot etwas kostet, das an anderer Stelle fehlt. Darum ist die eigentliche Frage nie „Will ich das haben?“, sondern „Wie viel ist es mir wert – und wie viel den anderen?“

Gut zeigt das Kuhhandel. Ihr sammelt Tierquartette. Wer am Zug ist, wählt zwischen einer Versteigerung und einem Kuhhandel.

  1. 1Oberste Tierkarte aufdeckenGoldesel: Beim 1. bis 4. Esel bekommen vorher alle Geld (50, 100, 200, 500)
  2. 2Die Mitspieler bieten, jedes Gebot mindestens 10 höher
  3. 3Zuschlag nach dreimaligem Ausrufen
  4. 4Versteigerer entscheidet: verkaufen oder VorkaufsrechtVorkaufsrecht: Der Versteigerer behält das Tier und zahlt dem Höchstbietenden das Gebot selbst
Eine Versteigerung in Kuhhandel: Der Versteigerer bietet nicht mit. Bietet niemand, bekommt er das Tier umsonst.

Nehmen wir an, ihr deckt eine Kuh auf. Eure Nachbarin bietet 40, ein anderer 50, danach bietet niemand mehr. Jetzt habt ihr die Wahl: Ihr verkauft die Kuh für 50 – oder ihr nutzt das Vorkaufsrecht, behaltet sie und zahlt die 50 selbst an den Höchstbietenden. Gewechselt wird nie: Wer nicht passend zahlen kann, zahlt mehr. Wer mehr geboten hat, als er hat, muss sein Geld zeigen, und die Versteigerung wird wiederholt.

Der Kuhhandel ist die zweite, verdeckte Form. Ihr fordert einen Mitspieler heraus, der dieselbe Tierart besitzt wie ihr, und legt verdeckt beliebig viele Geldkarten hin – auch nur Nullen. Er kann annehmen und sein Tier abgeben oder verdeckt dagegenhalten. Dann werden die Geldstapel getauscht, und wer mehr geboten hat, bekommt das Tier des anderen; bei Gleichstand gewinnt, wer herausgefordert hat. Am Ende zählt Geld nichts: Die Werte der eigenen Quartette werden addiert und mit der Zahl der Quartette malgenommen.

Daraus ergeben sich die Fragen, die Versteigerungen spannend machen:

  • Wert schätzen: Was bringt mir die Karte – und was bringt sie dem, der mitbietet?
  • Preis treiben: Wer weiterbietet, ohne zu kaufen, macht es dem anderen teuer. Wer zu hoch geht, bleibt darauf sitzen.
  • Geld einteilen: Jede Münze, die jetzt weg ist, fehlt bei der nächsten Versteigerung.

Spielformen

  • Offen und aufsteigend (englische Versteigerung): Alle sehen jedes Gebot, es wird erhöht, bis keiner mehr will – wie in Kuhhandel. In Funkenschlag wählt ihr ein Kraftwerk aus dem aktuellen Markt und bietet mindestens seine Nummer, danach wird reihum überboten oder ausgestiegen; jeder kauft höchstens ein Kraftwerk je Runde.
  • Einmal reihum: Jeder darf genau einmal bieten oder passen. In Modern Art ist das eine von fünf Auktionsarten; welche gilt, zeigt das Symbol auf dem Bild, das der Auktionator ausspielt.
  • Verdeckt und gleichzeitig: In Nidavellir legen alle gleichzeitig je eine Münze verdeckt an drei Tavernen; wer an einer Taverne die höchste Münze hat, wählt dort zuerst.
  • Fallender Preis (holländische Versteigerung): Der Preis sinkt Schritt für Schritt, bis jemand zugreift. Wer wartet, spart – oder geht leer aus. Woher die Form kommt, steht unter „Herkunft“.
  • Zugreihenfolge ersteigern: In Age of Steam wird jede Runde um die Reihenfolge geboten. Wer zuerst passt, wird Letzter und zahlt nichts; die Plätze 1 und 2 zahlen voll, die übrigen die Hälfte, aufgerundet.
  • Viele Formen in einem Spiel: In Modern Art bestimmt ein Symbol auf jedem Bild, wie es versteigert wird: offen, einmal reihum, verdeckt, zum Festpreis oder doppelt. Das Geld geht an den Auktionator; ersteigert er sein Bild selbst, zahlt er an die Bank.

Abgrenzung

BegriffWas gleich istWas anders ist
HandelnEs wird um einen Preis gerungen.Beim Handeln einigen sich zwei, bis beide zustimmen. Bei der Versteigerung konkurrieren alle, und das höchste Gebot entscheidet.
BluffenIn Bluff und Skull wird reihum „geboten“.Dort ist das Gebot eine Behauptung über Verdecktes, die angezweifelt werden kann. Bei der Versteigerung ist das Gebot ein Preis, den ihr zahlt.
DraftenIhr bekommt etwas aus einer Auswahl, die anderen den Rest.Beim Draften entscheidet die Reihenfolge, wer zuerst wählt. Bei der Versteigerung entscheidet, wer am meisten gibt.

Herkunft

Die Formen, die Spiele nachbilden, stammen aus echten Versteigerungen. Die englische Auktion beginnt bei einem Mindestpreis und steigt, bis niemand mehr bietet. Bei der verdeckten Höchstpreisauktion gibt jeder ein geheimes Gebot ab, und das höchste bekommt den Zuschlag (Quelle: Wikipedia „Auktion“, abgerufen 05.11.2026). Die niederländische, auch holländische Auktion arbeitet mit fallenden Preisen: Wer zuerst zustimmt, kauft zum gerade genannten Preis; sichtbar wird das an einer Versteigerungsuhr, deren Zeiger den sinkenden Preis zeigt (Quelle: Wikipedia „Niederländische Auktion“, abgerufen 05.11.2026).

Welches Brettspiel als erstes eine Versteigerung nutzte, ist nicht belegt. Kuhhandel von Rüdiger Koltze erschien 1985 bei Ravensburger; in der ursprünglichen Fassung wurden beim Kuhhandel die Geldbeträge noch nicht getauscht (Quelle: Wikipedia „Kuhhandel (Spiel)“, abgerufen 05.11.2026).

Modern Art von Reiner Knizia erschien 1992 bei Hans im Glück (Quelle: Wikipedia „Modern Art (game)“, englisch, nach New York Magazine, 10.04.2020) und gewann 1993 den Deutschen Spielepreis (Quelle: Wikipedia „Deutscher Spielepreis“). Die Jury Spiel des Jahres hebt die „ungewöhnliche Kombination verschiedener Versteigerungsarten“ hervor (Quelle: spiel-des-jahres.de, Seite zu Modern Art). Zusammen mit Medici und Ra wird es als Trio von Versteigerungsspielen Knizias genannt (Quelle: Wikipedia „Ra (board game)“, englisch, nach Ars Technica, 08.12.2017). Knizia selbst sagt, Versteigerungen schaffen sofort Interaktion zwischen den Spielern (Quelle: Wargamer, Matt Bassil, 08.05.2024).

Was daran begeistert – und was manche stört

Versteigerungen bringen alle an den Tisch, auch wenn gerade jemand anderes am Zug ist. Jede Runde stellt dieselbe einfache Frage – wie viel ist es mir wert? –, und die Antwort hängt davon ab, was die anderen denken. Weil der Preis am Tisch entsteht, wird teuer, was alle haben wollen.

Genau das ist für manche das Problem. Wer den Wert einer Karte nicht einschätzen kann, fühlt sich bei den ersten Partien verloren, denn das Spiel nennt keine Preise. Hat sich jemand verschätzt und viel zu teuer gekauft, ist der Rückstand oft nicht mehr aufzuholen. Und wer ungern lange feilscht oder mit Zahlen jongliert, empfindet offene Bietrunden als zäh.

Spiele zum Ausprobieren

  • Einsteiger: Kuhhandel – das Beispiel aus diesem Artikel: offen versteigern, verdeckt herausfordern.
  • Kenner: Modern Art – fünf Versteigerungsarten in einem Spiel.
  • Experten: Funkenschlag – Kraftwerke ersteigern, dann Rohstoffe kaufen und Städte anschließen. Age of Steam – sogar die Zugreihenfolge kostet Geld.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen offener und verdeckter Versteigerung?

Bei der offenen Versteigerung hört ihr jedes Gebot und könnt darauf reagieren, wie in Kuhhandel oder Funkenschlag. Bei der verdeckten gebt ihr euer Gebot geheim ab, ohne zu wissen, was die anderen bieten – wie in Nidavellir.

Muss man bei Monopoly versteigern?

Laut der Hasbro-Regel für Monopoly Klassik kauft ihr eine freie Straße, einen Bahnhof oder ein Werk – oder lasst es versteigern. Dann dürfen alle mitbieten, ab 10 und in Schritten von 1. Der Verlag rät in seinen Tipps ausdrücklich, immer zu versteigern.

Was passiert, wenn niemand bietet?

Das regelt jedes Spiel anders. In Kuhhandel bekommt der Versteigerer das Tier umsonst. In Modern Art bekommt der Auktionator das Bild ebenfalls umsonst – nur beim Festpreis muss er es selbst kaufen.

Ist das Geld am Ende etwas wert?

Auch das hängt vom Spiel ab. In Modern Art gewinnt, wer das meiste Geld hat; dort ist jedes Gebot ein Verlust, der sich lohnen muss. In Kuhhandel zählt Geld am Ende gar nicht, nur die Quartette.

Quellen

Stand 05.11.2026 · geschrieben von boardgamez.de in eigenen Worten; Beispiele aus vollständig gelesenen Regelheften. So entsteht das Lexikon