Um Reifenbreite
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DE RegelEN RulesSpieler
2–4
Dauer
60–90 Min.
Alter
ab 8
Erschienen
1979
Komplexität
Leicht
Jeder Teamchef schickt vier Radprofis in ein Rennen à la Tour de France: Gezogen wird mit zwei Würfeln, aber wer direkt hinter dem Vordermann steht, hängt sich ohne Würfeln in dessen Windschatten – und Energie-Karten ersetzen einzelne Würfel, um auszureißen oder am Berg nicht abzusteigen (Regelheft).
Um Reifenbreite () ist ein Familienspiel für 2–4 Personen ab 8 Jahren und ist 1979 erschienen. Eine Partie dauert 60–90 Minuten.
SpielartGegeneinander
ThemaSport & Rennen
MechanikWürfelnWettrennenFiguren bewegen
AnspruchLeichtWenig Text
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Auf einen Blick
- Für wen: Familie und Kenner
- Ähnlich wie: Flamme Rouge (Radrennen mit Windschatten, ganz ohne Würfel – laut Reich der Spiele heute die „Referenz“); Formula D (Würfelrennen mit Streckenabschnitten als Tempobremse; laut GoodGameGuide übernahm Formula Dé Grundideen von Um Reifenbreite).
- Wissenswert:
- Fast die ganze Erstauflage „Homas Tour“ verbrannte 1979 in einem Lager – das Spiel wurde zur Legende, bevor es 1992 Spiel des Jahres wurde (Bontenbal in Sumo 10/11, 1992, und bei Opinionated Gamers, 2015).
- Schummeln ist erlaubt: Wer sich vom Begleitfahrzeug ziehen lässt, zieht eine Fotokarte – am Ende werden zwei Fotos „entwickelt“, und wer darauf ist, verliert alle Punkte (Regelheft, Profi-Regeln).
- Bei gleicher Höhe zieht immer der Fahrer ganz rechts außen zuerst – darum meidet jeder die Ideallinie (Regelheft; Jury Spiel des Jahres).
Klassiker: Wie das Spiel entstand
- Der Autor: Rob Bontenbal (laut mit80.de 1945–2015, Therapeut in den Niederlanden) baute als Kind Pappfiguren für eine eigene Tour de France. Anfang der 1970er Jahre entwickelte er beim Hüten der Kinder von Freunden Rennspiele; Plastik-Radfahrer aus Belgien und ein Holzbrett wurden der erste Prototyp. Über mindestens 15 Versionen ersetzte er reines Würfeln durch glücksmindernde Mechanismen und baute Straßenbeläge und Stürze ein. Sein Name für das Spiel: „Demarrage“, der Radsportbegriff für den Antritt aus dem Feld (Chris Wray, Opinionated Gamers, 10.07.2015, nach Auskunft Bontenbals).
- Homas Tour: 1976 lehnte ein Verlag ab; im Februar 1978 schloss Bontenbal einen Vertrag mit der Beratungsfirma IKON, die dafür die Gesellschaft DION gründete. Hersteller wurde die Holzspielzeug-Firma Homas: Sie nannte das Spiel „Homas Tour“, kürzte es aus Kostengründen von sechs auf vier Spieler und druckte 1979 eine Auflage von 20.000 Stück (Opinionated Gamers). Ein Brand im Homas-Lager vernichtete den Restbestand; nach Bontenbals Schätzung gegenüber Mike Siggins (Sumo 10/11, Essen 1992) waren erst 5.000 bis 10.000 Exemplare im Handel – nicht die „rund 200“ der Legende. 1983 ging Homas Spelen in Konkurs (Opinionated Gamers). Mark Jackson nennt als Erstveröffentlichung 1982 (akapastorguy.blogspot.com, 2013), siehe Offene Punkte.
- Der Ruf wächst: Ende der 1980er Jahre wurde Homas Tour in Deutschland zu hohen Preisen gehandelt, in Alan Moons Spielrunden in den USA war es eines der ersten „German Games“ (Opinionated Gamers; Sumo 1). Anfang der 1990er Jahre rief Ben Leijten von Jumbo an; Bontenbal wollte das Spiel „Demarrage“ nennen, Jumbo wählte für Deutschland „Um Reifenbreite“. Aus dem Doping der Homas-Regel wurde das „Mitziehen lassen vom Begleitfahrzeug“ (Opinionated Gamers; Regelvergleich von David Fristrom, The Game Cabinet, 1993).
- Spiel des Jahres und danach: Laut Bontenbal investierte Jumbo wegen interner Konflikte kaum in Werbung; Nominierung und Sieg 1992 überraschten alle. Danach warb er in Deutschland und Österreich, auch auf der SPIEL in Essen (Opinionated Gamers; Sumo 10/11). IKON/DION forderten Anteile an den Tantiemen, man einigte sich außergerichtlich. 2002 brachte Jumbo zum Jubiläum rund 10.000 Stück heraus – Bontenbal sagte 2015, er habe nie ein Exemplar gesehen (Opinionated Gamers).
Klassiker: Bedeutung für die Brettspielwelt
- Auszeichnungen: Spiel des Jahres 1992 und Platz 2 beim Deutschen Spielepreis 1992 (Preislisten spiel-des-jahres.de / Deutscher Spielepreis). Die Jury lobte, es gehe „um viel mehr als Geschwindigkeit“: Ziel sei, als Teamchef „ein komplettes Viererteam erfolgreich über die Runden zu bringen“ (spiel-des-jahres.de).
- Verbreitung: Laut Bontenbal rund 400.000 deutsche Exemplare und etwa 100.000 in anderen Sprachen (Opinionated Gamers, 2015, ohne Verlagsbeleg); cyclingboardgames.net hält es für „wahrscheinlich das meistverkaufte Radrennspiel überhaupt“.
- Radsport als Teamsport auf dem Brett: Windschatten, Straßenbelag, Zwischensprints, Gelbes Trikot und Teamwertung – mit80.de (Rezension 1992) urteilte, perfekter könne „eine Brettspielsimulation kaum sein“; Kulkmann (boardgame.de): „absolutes Muss für jeden Radsportfan“; Harald Schrapers (Fairplay, Okt.–Dez. 2002): „das Zeug zum Kultspiel“.
- Bis heute gespielt: Opinionated Gamers setzten es 2019 auf Platz 5 der Spiele, die einen Nachdruck verdienen (25.04.2019); 2015 nannten es dort vier Autoren ihr liebstes Rennspiel.
Klassiker: Warum es heute aus der Zeit gefallen ist
- Würfelglück: Reich der Spiele (Michael Weber, 30.10.2005) nennt es „im Grunde ein Glücksspiel“, wenn es um Zwischenwertungen und Gelbes Trikot geht; Patrick Brennan (Opinionated Gamers, 2015): Energie-Karten und Windschatten zähmen das Glück, „trotzdem musst du gut würfeln“. Das Regelheft zeigt den Hebel: nur 14 Energie-Karten pro Team, auf Kurzstrecken 7.
- Regelumfang: 16 großformatige Seiten mit vielen Beispielen; mit80.de warnte schon 1992, man dürfe „beim Anblick des 16seitigen Regelheftes“ nicht aufgeben. Chris Wray (2015) glaubt, die heutige Jury suche „Stromlinienförmigeres“.
- Regelverwirrung zwischen den Auflagen: Schrapers (Fairplay 2002) zählt drei Regelfassungen, die sich beim Massensturz und beim Zurückstellen abgestiegener Fahrer widersprechen; die Übersetzung „Lüttich–Bastenaken–Lüttich“ blieb auch 2002 falsch, die Neuauflage sei „nahezu unverändert“.
- Profi-Regeln mit Schwächen: GoodGameGuide (Troudi, 29.12.2004) findet die Regel zum Gelben Trikot „sehr einseitig“ und den Führungswechsel „nicht wirklich sinnvoll“; Wray hält das Begleitfahrzeug für clever, aber zusätzlichen Zufall, nennt das Cover „scheußlich“ und das Spiel zu zweit deutlich schwächer.
- Was bis heute funktioniert: Die Teamwertung zwingt dazu, alle vier Fahrer gut ins Ziel zu bringen (GoodGameGuide); der Windschatten macht das Würfeln laut Wray „eher zur Nebenrolle“; Reich der Spiele: trotz Würfeln „ganz gut gealtert“.
Klassiker: Moderne Alternativen
- Flamme Rouge – Wenn du an Um Reifenbreite Radsport und Windschatten mochtest, aber die Würfel nicht: Rouleur und Sprinteur fahren mit verdeckt gewählten Energiekarten, wer vorne im Wind fährt, sammelt Erschöpfung; 2–4 Spieler, 30–45 Min., ab 8.
- Heat – Wenn du das Haushalten mit Kräften mochtest: Autorennen der 1960er, der Gang bestimmt die Zahl der gespielten Karten, zu schnelle Kurven spülen Hitzekarten ins Deck; 1–6 Spieler, 30–60 Min., ab 10.
- Formula D – Wenn du Würfeln und Streckenabschnitte mit Tempobremse mochtest: sechs Würfel für sechs Gänge, jede Kurve verlangt Stopps; 2–10 Spieler, ca. 60 Min., ab 8.
- Downforce – Wenn du das Taktieren mit fremden Fahrern mochtest, aber kürzer: Handkarten bewegen mehrere Wagen zugleich, dazu Wetten auf den Sieger; 2–6 Spieler, 20–40 Min., ab 10.
- Camel Up – Wenn du den Würfelspaß in der Familie mochtest: Würfel aus der Pyramide, Kamele stapeln sich huckepack, gewettet wird auf das Rennen; 3–8 Spieler, 30–45 Min., ab 8.
So wird gespielt
- Material: Spielplan, 20 Fahrer (4 Teams zu je 4, dazu je einer im Gelben Trikot), 56 Energie-Karten, 22 Chancen-Karten, 6 Foto-Karten, 2 Würfel, Wertungsblatt. Teams: Trickser (rot, 21–24), Eiserne (blau, 31–34), Strampler (schwarz, 41–44), Schieber (grün, 51–54); Nummer „1“ ist der Star.
- Drei Stufen: Grund-Regeln (Belag ohne Wirkung), erweiterte Grund-Regeln (Belag zählt), Profi-Regeln – frei kombinierbar.
- Start: Strecke wählen (Grundspiel „Paris–Roubaix“, Start 2 bis Finish A); höchster Wurf setzt den ersten Fahrer, dann reihum je einen, nie zwei eigene in derselben Spur.
- Zug: Jeder Fahrer zieht einmal pro Runde; es beginnt der vorderste, bei gleicher Höhe der ganz rechts außen. Zwei Würfel, nur vorwärts oder schräg vorwärts, nie über die dicke Kurvenlinie, nie durch besetzte Felder; weniger ziehen ist erlaubt (außer über die Ziellinie).
- Windschatten: Wer direkt hinter dem ziehenden Fahrer steht, fährt ohne Würfeln mit, muss genau hinter ihm landen und darf nicht mehr Felder brauchen; das setzt sich die ganze Reihe fort. Erweiterte Regeln: nur bei gleicher Feldfarbe.
- Energie-Karten: 14 je Team (Kurzstrecken 7), Wert 5 oder 6, zehn an Fahrernummern gebunden, vier Joker; jede ersetzt einen Würfel, höchstens zwei pro Zug, nicht in der Startrunde. Wer „Ausreißen“ ansagt, kann nicht verfolgt werden.
- Chancen-Karten: bei 7 Augen (auch Karte + Würfel), nie in der Startrunde: Extra-Felder, Energie-Karten erhalten oder abgeben, Reifenpanne, Stürze (beim Massensturz stürzen alle Nachbarn des Verursachers außer denen rechts von ihm).
- Straßenbelag: beige Asphalt; rot Steigung (Feldzahl abziehen, bei 0 oder weniger absteigen und aussetzen); ocker Abfahrt (addieren); blaugrün Kopfsteinpflaster (abziehen, nur eine Energie-Karte); Karten mit Verbotsschild nicht bergauf.
- Profi-Regeln: vier Vorschlagsstrecken (Paris–Roubaix, „Lüttich–Bastenaken–Lüttich“, Giro d'Italia, Tour de France) mit 1–3 Sprints (11/8/5, 7/5/3, 5/4/2 Punkte). Begleitfahrzeug: 1 Würfel + 6 (eine Fotokarte) oder 12 Felder (zwei Fotokarten), höchstens viermal; am Ende zieht der Rennleiter zwei Fotokarten, wer notiert ist, verliert alle Punkte. Gelbes Trikot: 2 Punkte je Runde für den Sprintbesten. Führungswechsel in einer Reihe mit Zustimmung. Etappenrennen: Teampunkte plus Etappenzahl × Punkte des besten eigenen Fahrers.
- Spielende: alle Fahrer im Ziel; Punkte nach Einlauf, Sprints und Trikot; das Team mit den meisten Punkten gewinnt.
- Hausregeln (gekennzeichnet): Schrapers (gamesweplay.de, 2002): Startaufstellung reihum wechseln, Massensturzkarten nach dem Ziehen entfernen, alle Sprints gleich bepunkten; die Auflage 2002 lässt laut ihm bei Zwischensprints den Letzten ausscheiden.
Stimmen aus Rezensionen
- Jury Spiel des Jahres (1992): „ein richtiges Radrennen“, bei dem es um mehr als Geschwindigkeit geht; die 14 großformatigen Regelseiten wirken abschreckend, sind durch Beispiele aber schnell klar; „ein Abend füllendes Programm“.
- Reich der Spiele (Michael Weber, 30.10.2005): witzig, kurzweilig, taktische Mannschaftsleistung. Kritik: im Kern Glücksspiel um die Zwischenwertungen; Flamme Rouge ist heute die Referenz.
- GoodGameGuide/superfred.de (Troudi, 29.12.2004, 8/10): wunderschönes Rennspiel, erweiterte Grundversion am besten, Teamwertung die beste Idee. Kritik: Gelbes Trikot und Führungswechsel wenig gelungen, Regeln ein „riesiger Wälzer“.
- Opinionated Gamers (Chris Wray u. a., 10.07.2015): realistisch und trotzdem zugänglich. Kritik: viele Regeln, hässliches Cover, zu zweit schwächer, nur ein Plan.
- Kulkmann's Gamebox (boardgame.de): „absolutes Muss für jeden Radsportfan“.
Auszeichnungen
- Spiel des Jahres 1992 (Gewinner) Laut Bontenbal auch „Spel van het Jaar“ in den Niederlanden (Opinionated Gamers, nicht geprüft).
- Sprachabhängigkeit „mäßig“ (Chancen-Karten mit Text)
Ausgaben & Erweiterungen
- Keine Erweiterungen.; Um Reifenbreite (Jumbo, DE: 1991, 1992, 2002); Demarrage (NL, 1991), Démarrage! (FR, 1991), Demarraje (ES, 1991), Campionato Italiano (IT, 1991), Peloton/Peleton (CZ Dino Toys, PL; ohne Jahr).
- Ausgabe 2002 (Luding 13474, damals 30 Euro, „ab 12“): laut Wikipedia kompaktere Schachtel, geänderter Plan, Regel auf 12 Seiten gekürzt; laut Schrapers (2002) nur sprachlich neu gefasst.
- Fan-Werke, nicht offiziell: Regelwerk „Homas Tour Pro“ und eine PC-Umsetzung (cyclingboardgames.net).
Autoren & Verlag
- Autor: Rob Bontenbal · Illustration: Jan van Haasteren
- Verlag (Original): Homas Spelen, Niederlande, als „Homas Tour“ · deutsche Ausgabe: Jumbo (Koninklijke Hausemann en Hötte, Amsterdam), 1. Auflage 1991 (Regelheft „© 1991“, Art.-Nr. 3554), 2. Auflage 1992 mit Spiel-des-Jahres-Logo, 3. Auflage als Jubiläumsausgabe 2002. Vergriffen: jumboplay.com kennt den Titel nicht mehr (Suche 2026-10-21), Luding: „Produktion eingestellt“, Reich der Spiele und gamesweplay.de: „nicht mehr lieferbar“.
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