Stichspiel (Stiche machen) – einfach erklärt
englisch: Trick-Taking · auch: Stiche machen, Stichkartenspiel, Trick-Taking
Kurz gesagt
Beim Stichspiel legt reihum jeder eine Karte offen in die Mitte. Die höchste Karte gewinnt diesen Stich, und wer ihn hat, spielt als Nächster aus. Meist müsst ihr die ausgespielte Farbe bedienen, und Trümpfe schlagen alle anderen Karten.
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So funktioniert es
Ein Stich ist eine Runde am Tisch, in der jeder genau eine Karte aus seiner Hand legt. Wer anfängt, spielt aus und bestimmt damit die Farbe. Die anderen legen der Reihe nach dazu. Wer die stärkste Karte gelegt hat, nimmt alle Karten des Stichs zu sich und spielt den nächsten Stich aus. Das geht so lange, bis alle Handkarten weg sind. Was ihr mit euren Stichen anfangt, hängt vom Spiel ab: Mal zählt die Zahl der Stiche, mal der Wert der Karten darin, mal sollt ihr gar keinen Stich bekommen.
Fast alle Stichspiele bauen auf denselben drei Bausteinen auf:
- Bedienpflicht: Habt ihr die ausgespielte Farbe auf der Hand, müsst ihr eine Karte dieser Farbe legen.
- Trumpf: Eine Farbe oder eine Gruppe von Karten ist stärker als alle anderen. Liegt ein Trumpf im Stich, gewinnt der höchste Trumpf.
- Ansage: Bevor gespielt wird, legt jemand fest, worum es geht – welche Farbe Trumpf ist, wie viele Stiche er macht oder wie viel das Spiel wert ist.
Am deutlichsten zeigt das Skat. Drei Spieler bekommen je 10 Karten, 2 Karten liegen verdeckt als Skat in der Mitte. Einer wird Alleinspieler und spielt gegen die beiden anderen. Im Farbspiel gewinnt er mit 61 Augen oder mehr; Augen sind die Zählwerte der Karten, das Ass bringt 11, die Zehn 10, der König 4, die Dame 3 und der Bube 2.
- 1Geben
- 2Reizen
- 3Skat aufnehmen und drücken – oder Hand spielen
- 4Spiel ansagen
- 5Zehn Stiche spielen
- 6Augen zählen
Im Farbspiel bestimmt der Alleinspieler eine Farbe zum Trumpf. Die vier Buben sind dabei immer die höchsten Trümpfe, danach kommen Ass, Zehn, König, Dame, Neun, Acht und Sieben der Trumpffarbe – zusammen 11 Trümpfe. Für jeden Stich gilt:
- Wer die ausgespielte Farbe hat, muss bedienen. Wird Trumpf ausgespielt, muss ein Trumpf kommen.
- Wer nicht bedienen kann, darf mit einem Trumpf stechen oder eine beliebige andere Karte abwerfen. Stechen muss er nicht.
- Den Stich gewinnt die höchste Karte der ausgespielten Farbe – außer es liegt ein Trumpf darin, dann gewinnt der höchste Trumpf.
Die größte Falle für Neulinge sind die Buben: Im Farbspiel gehören sie nicht zu ihrer Farbe, sondern zu den Trümpfen. Mit dem Pik-Buben könnt ihr also nicht Pik bedienen.
Die Ansage steckt beim Skat im Reizen: Die Spieler bieten Zahlen, die für mögliche Spielwerte stehen. Wer am höchsten bietet oder hält, wird Alleinspieler und sagt dann sein Spiel an – Farbspiel, Grand oder Null. Was er nicht ansagt, etwa Hand oder Schneider, zählt auch nicht. So entscheidet ihr schon vor dem ersten Stich, was euer Blatt wert ist.
Spielformen
- Augen statt Stiche zählen: In Skat und Doppelkopf kommt es nicht auf die Zahl der Stiche an, sondern auf die Augen darin. Beim Doppelkopf sind es 240 Augen, die Re-Partei braucht mindestens 121.
- Stiche vorhersagen: In Wizard bekommt in der ersten Runde jeder eine Karte, in der zweiten zwei und so weiter. Reihum sagt jeder genau voraus, wie viele Stiche er macht. Wer richtig liegt, bekommt 20 Punkte plus 10 je Stich, wer danebenliegt, verliert 10 Punkte je Stich Abweichung. Zauberer und Narren dürfen immer gespielt werden, auch wenn ihr bedienen könntet. Skull King macht daraus ein gleichzeitiges Bieten: Alle schütteln dreimal die Faust und zeigen beim letzten „ho“ mit den Fingern ihre Stichzahl.
- Partner, die erst im Spiel sichtbar werden: Beim Doppelkopf bilden die beiden Spieler mit den Kreuz-Damen die Re-Partei. Verraten dürft ihr das nicht – klar wird es erst im Spiel, zum Beispiel durch eine gelegte Kreuz-Dame oder eine Ansage wie „Re“.
- Gemeinsam statt gegeneinander: In Die Crew – Mission Tiefsee gewinnt oder verliert ihr zusammen. Aufträge legen fest, wer welche Karten oder Stiche gewinnen muss. Über eure Handkarten dürft ihr nicht reden; jeder darf je Versuch nur einmal eine Karte offen zeigen und mit dem Sonarplättchen anzeigen, ob sie seine höchste, einzige oder niedrigste dieser Farbe ist.
- Keinen Stich machen: Beim Nullspiel im Skat gewinnt der Alleinspieler nur, wenn er keinen einzigen Stich bekommt. Es gibt dann keinen Trumpf, und die Zehn steht zwischen Bube und Neun.
Abgrenzung
| Begriff | Was gleich ist | Was anders ist |
|---|---|---|
| Ablegespiel | Ihr legt reihum Karten aus der Hand. | Beim Ablegespiel wollt ihr eure Karten möglichst schnell loswerden; niemand gewinnt eine Runde mit der höchsten Karte. |
| Draften | Ihr wählt reihum Karten aus. | Beim Draften nehmt ihr aus einer gemeinsamen Auswahl. Beim Stichspiel legt ihr aus eurer eigenen Hand, und die stärkste Karte holt alle anderen. |
| Versteigern | Beim Skat wird geboten. | Das Reizen entscheidet nur, wer spielt und wie viel das Spiel wert ist. Gewonnen wird danach in den Stichen. |
| Sets sammeln | Am Ende zählen die gewonnenen Karten. | Beim Sets sammeln wählt ihr gezielt passende Karten. Beim Stichspiel bekommt ihr, was die anderen in den Stich legen. |
Herkunft
Als ältestes bekanntes Stichspiel Europas gilt das Karnöffel, das 1426 in Nördlingen erwähnt wird (Quelle: Wikipedia „Trick-taking game“, nach David Parlett: The Oxford Guide to Card Games, 1990, S. 35 und 164). Trümpfe kamen um 1440 in Italien auf: Sonderkarten, die „trionfi“ hießen, bildeten eine Art fünfte Farbe aus Trümpfen in fester Reihenfolge. Heute heißen diese Karten Tarock (Quelle: ebenda, nach Parlett 1990, S. 163–165).
Skat entstand im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts in Altenburg aus Teilen älterer Kartenspiele (Quelle: Internationale Skatordnung, Fassung November 2022, Abschnitt 1.1.2). Das Reizen stammt aus L'Hombre und dem Deutschen Solo, die zwei weggelegten Karten aus dem Tarock (Quelle: Wikipedia „Geschichte des Skatspiels“). Seit 2016 steht „Skat spielen“ im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes (Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission, „Skat spielen“).
Wizard entwarf Ken Fisher aus Toronto im Jahr 1984; das Spiel beruht auf dem älteren Stichspiel „Oh Hell“ (Quelle: Wikipedia „Wizard (card game)“, nach The Strong National Museum of Play und der Zeitschrift Games, Nr. 110, August 1992). 2020 wurde das kooperative Stichspiel Die Crew von Thomas Sing Kennerspiel des Jahres (Quelle: spiel-des-jahres.de, Seite zu Die Crew). Die Jury schrieb dazu: „Kaum ein Spiel zuvor war in der Lage, den besonderen Charme von Stichspielen so auf den Punkt zu bringen.“ (Quelle: ebenda).
Was daran begeistert – und was manche stört
Ein Stichspiel braucht oft nur ein Kartenblatt und passt auf jeden Tisch. Die Regeln für einen Stich sind schnell gelernt, die Tiefe kommt aus dem Mitdenken: Welche Karten sind schon gefallen, wer hat keine Herz mehr, wann lohnt es sich, einen Trumpf zu opfern? Gute Spieler lesen aus jeder gelegten Karte, was die anderen noch auf der Hand haben. Die Deutsche UNESCO-Kommission hebt beim Skat hervor, dass das Spiel Menschen verschiedener Generationen und Herkunft zusammenbringt.
Kritik gibt es an der Kartenverteilung: Mit einem schwachen Blatt könnt ihr eine Runde kaum beeinflussen. Neulinge stolpern über Sonderregeln wie die Buben im Skat oder die Herz-Zehn im Doppelkopf, die jeweils Trumpf sind. Viele klassische Stichspiele brauchen außerdem eine feste Spielerzahl – Skat drei aktive Spieler, Doppelkopf vier. Und bei Partnerspielen ärgert ein Fehler des Partners manche mehr als ein eigener.
Spiele zum Ausprobieren
- Einsteiger: Wizard – die Kartenzahl wächst von Runde zu Runde, und die Ansage der eigenen Stiche macht das Prinzip sofort greifbar. Skull King – Stiche bieten mit Piraten, Meerjungfrauen und dem Skull King, die die Bedienpflicht umgehen dürfen.
- Kenner: Die Crew – Mission Tiefsee – kooperativ: Ihr müsst gemeinsam planen, wer welchen Stich bekommt, ohne über die Karten zu sprechen.
- Experten: Skat – das Beispiel aus diesem Artikel, mit Reizen, Trumpfwahl und Augenzählen. Doppelkopf – zwei gegen zwei, nur weiß anfangs niemand sicher, wer zu wem gehört.
Häufige Fragen
Was ist ein Stich beim Kartenspiel?
Ein Stich sind die Karten, die in einer Runde am Tisch liegen – von jedem Spieler eine. Wer die stärkste Karte gelegt hat, nimmt alle zu sich und spielt die nächste Karte aus. Ein Stichspiel besteht aus vielen solchen Runden, bis die Handkarten aufgebraucht sind.
Was bedeutet „bedienen“?
Bedienen heißt, eine Karte der ausgespielten Farbe zu legen. In Skat, Doppelkopf, Wizard und Die Crew müsst ihr bedienen, wenn ihr könnt. Erst wenn ihr die Farbe nicht habt, dürft ihr eine andere Karte legen.
Muss man stechen, wenn man nicht bedienen kann?
Das regelt jedes Spiel selbst. Im Skat, im Doppelkopf und in Die Crew dürft ihr dann stechen oder eine andere Karte abwerfen – stechen müsst ihr nicht. Beim Tarock nach den oberösterreichischen Regeln müsst ihr dagegen Tarock geben, wenn ihr die Farbe nicht habt, und in den Negativspielen sogar überstechen, wenn ihr könnt.
Was ist Trumpf?
Trumpf sind Karten, die stärker sind als alle übrigen. Liegt ein Trumpf im Stich, gewinnt der höchste Trumpf, egal welche Farbe ausgespielt wurde. Wer Trumpf ist, legt das Spiel fest: Im Skat bestimmt ihn der Alleinspieler, in Wizard die aufgedeckte Karte vom Stapel, in Skull King ist es immer die schwarze Piratenflagge.
Quellen
- Skat: Internationale Skatordnung, Fassung November 2022 (Internationales Skatgericht), vollständig gelesen; Fundstellen im Spiele-Eintrag (ISkO 2.2, 3.3, 4.1–4.3).
- Spielregeln der weiteren Beispiele, vollständig gelesen (Fundstellen in den Spiele-Einträgen): Doppelkopf (Turnier-Spielregeln des DDV, Stand 21.02.2026), Tarock – Königrufen (Oberösterreichische Tarockregeln, Fassung 4/2023), Wizard (AMIGO), Skull King (Ravensburger), Die Crew – Mission Tiefsee (KOSMOS).
- Wikipedia: „Trick-taking game“, Abschnitt History, Einzelnachweis David Parlett: The Oxford Guide to Card Games, Oxford University Press 1990 – https://en.wikipedia.org/wiki/Trick-taking_game (abgerufen 05.11.2026)
- Wikipedia: „Geschichte des Skatspiels“ – https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Skatspiels (abgerufen 05.11.2026)
- Deutsche UNESCO-Kommission: „Skat spielen“ – https://www.unesco.de/staette/skat-spielen/ (abgerufen 05.11.2026)
- Wikipedia: „Wizard (card game)“, Einzelnachweise The Strong National Museum of Play und Peter Gordon, Games Nr. 110, August 1992 – https://en.wikipedia.org/wiki/Wizard_(card_game) (abgerufen 05.11.2026)
- Spiel des Jahres e. V.: Die Crew – https://www.spiel-des-jahres.de/spiele/die-crew/ (abgerufen 05.11.2026)
Stand 05.11.2026 · geschrieben von boardgamez.de in eigenen Worten; Beispiele aus vollständig gelesenen Regelheften. So entsteht das Lexikon
