Draften (Drafting) – einfach erklärt
englisch: Drafting · auch: Drafting, Draft, Kartenauswahl reihum
Kurz gesagt
Beim Draften wählt ihr reihum oder gleichzeitig aus einer gemeinsamen Auswahl – Karten, Plättchen oder Würfel – und lasst den Rest für die anderen liegen oder gebt ihn weiter. Was ihr nehmt, ist für die anderen weg: Ihr baut euer eigenes Spiel und entscheidet zugleich mit, was den anderen bleibt.
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So funktioniert es
Draften heißt wörtlich „auswählen“. Gemeint ist immer dasselbe Prinzip: Es liegt eine Auswahl bereit, und alle bedienen sich nacheinander daraus. Jede Wahl hat zwei Seiten. Ihr nehmt, was euch am meisten hilft – oder das, was eurem Nachbarn am meisten helfen würde.
Ein klares Beispiel ist Azul. Zu Beginn jeder Runde liegen Fliesen auf den Manufakturplättchen in der Tischmitte. Wer am Zug ist, hat genau zwei Möglichkeiten:
- 1Manufakturplättchen wählen
- 2Alle Fliesen einer Farbe nehmen
- 3Übrige Fliesen in die Tischmitte schieben
- 4Fliesen in eine Musterreihe legenZu viele? Rest in die Bodenreihe (Minuspunkte)
Alternative: alle Fliesen einer Farbe aus der Tischmitte – wer das als Erster tut, nimmt auch den Startspielermarker
- Ihr nehmt alle Fliesen einer Farbe von einem Manufakturplättchen, die übrigen Fliesen dieses Plättchens schiebt ihr in die Tischmitte – oder
- ihr nehmt alle Fliesen einer Farbe aus der Tischmitte. Wer das in einer Runde als Erster macht, muss zusätzlich den Startspielermarker nehmen und auf das linke freie Feld seiner Bodenreihe legen.
Die genommenen Fliesen müssen sofort zusammen in eine eurer fünf Musterreihen. Passen nicht alle hinein, landen die überzähligen in der Bodenreihe. Genau hier entsteht die Spannung des Draftens: Gegen Ende der Runde bleiben in der Tischmitte oft große Haufen einer Farbe liegen, die niemand gebrauchen kann – wer zuletzt nehmen muss, bekommt sie trotzdem. Gute Azul-Spieler achten deshalb nicht nur auf ihre eigenen Reihen, sondern darauf, was sie den anderen übrig lassen.
Im Kern geht es beim Draften immer um diese Fragen:
- Was brauche ich? Die naheliegende Wahl.
- Was brauchen die anderen? Manchmal lohnt es sich, etwas zu nehmen, nur damit es ein anderer nicht bekommt (englisch „hate drafting“).
- Was kommt noch? Wer weiß, welche Auswahl später noch bleibt, kann eine gute Wahl aufschieben.
Spielformen
- Offene Auslage: Alle sehen dieselbe Auswahl und nehmen nacheinander, wie in Azul.
- Hand weitergeben: In 7 Wonders bekommt jeder 7 Karten, wählt gleichzeitig mit allen eine davon aus und gibt den Rest weiter – in Zeitalter I und III nach links, in Zeitalter II nach rechts. Im sechsten Zug bleiben 2 Karten: Eine spielt ihr, die andere wird abgeworfen. Weil alle gleichzeitig wählen, wartet kaum jemand.
- Paare aus einer Auslage: In Cascadia liegen vier Kombinationen aus Landschaftsplättchen und Tier aus; ihr nehmt eine davon. Mit einem Zapfen dürft ihr Plättchen und Tier frei kombinieren.
- Kartenreihe mit Preis: In Through the Ages nehmt ihr Karten aus einer gemeinsamen Kartenreihe; je nach Position kostet das 1 bis 3 Aktionen.
- Draften vor der Partie: Manche Spiele lassen Startkarten oder Fähigkeiten vor dem eigentlichen Spiel draften, etwa die Anführerkarten in den Fortgeschrittenen-Regeln von Lorenzo il Magnifico.
- 17 Karten auf der Hand
- 21 Karte verdeckt wählen (alle gleichzeitig)
- 3Karte spielen
- 4Rest weitergeben
weiter mit einer Karte weniger – Zeitalter I und III nach links, Zeitalter II nach rechts
Abgrenzung
| Begriff | Was gleich ist | Was anders ist |
|---|---|---|
| Deckbau | Ihr wählt Karten aus einer Auswahl. | Beim Deckbau kommen die Karten in einen eigenen Stapel, der gemischt wird; beim Draften nutzt ihr sie meist direkt. |
| Set Collection (Sets sammeln) | Oft wählt ihr Karten, um Sammlungen zu bilden. | Sets sammeln beschreibt, wofür es Punkte gibt; Draften beschreibt, wie ihr an die Teile kommt. Viele Spiele verbinden beides. |
| Worker Placement | Was ihr nehmt, ist für andere weg. | Beim Worker Placement blockiert eine Figur ein Aktionsfeld; beim Draften nehmt ihr das Material selbst weg. |
| Versteigern | Alle wollen dasselbe. | Bei einer Versteigerung entscheidet das Gebot, beim Draften die Reihenfolge. |
Herkunft
Bekannt wurde das Draften durch das Draft-Format des Sammelkartenspiels Magic: The Gathering: Jeder öffnet ein Kartenpäckchen, nimmt eine Karte heraus und gibt den Rest weiter (Quelle: Dicebreaker, 05.05.2022; Wikipedia „Magic: The Gathering formats“). Von dort fand die Mechanik ihren Weg in die Brettspiele (Quelle: Dicebreaker, 05.05.2022). Ein frühes Brettspiel mit Draften ist Fairy Tale von Satoshi Nakamura aus Japan, erschienen 2004 (Quelle: Meeple Mountain, 25.08.2020; ICv2, 27.01.2014).
Als 7 Wonders von Antoine Bauza 2010 erschien, war gleichzeitiges Draften noch recht neu (Quelle: Meeple Mountain, 25.08.2020). 2011 bekam es als erstes Spiel überhaupt den Titel Kennerspiel des Jahres (Quelle: spiel-des-jahres.de, Seite zu 7 Wonders).
Was daran begeistert – und was manche stört
Draften ist schnell erklärt und fühlt sich trotzdem nach vielen Entscheidungen an. Ihr baut euer eigenes Spiel, achtet aber ständig auf die anderen – das sorgt für Interaktion, ohne dass jemand angegriffen wird. Beim Weitergeben wählen alle gleichzeitig, das hält auch große Runden flott: In 7 Wonders spielen bis zu sieben Personen, ohne dass sich die Partie in die Länge zieht.
Wer neu dabei ist, kennt die Karten noch nicht und weiß nicht, was später kommt; das Draften fühlt sich dann zufälliger an, als es ist. Und das gezielte Wegnehmen („hate drafting“) empfinden manche als unschön, andere als die eigentliche Würze.
Spiele zum Ausprobieren
- Einsteiger: Azul – das Beispiel aus diesem Artikel, mit einer einzigen Entscheidung je Zug. Cascadia – ruhiges Draften von Plättchen und Tieren, Spiel des Jahres 2022.
- Kenner: 7 Wonders – der bekannteste Weitergabe-Draft, erstes Kennerspiel des Jahres 2011.
- Experten: Through the Ages – eine Zivilisation aus einer Kartenreihe aufbauen, bei der jede Karte Aktionen kostet.
Häufige Fragen
Was bedeutet Draften bei Brettspielen?
Reihum oder gleichzeitig aus einer gemeinsamen Auswahl wählen, sodass der Rest für die anderen bleibt oder weitergegeben wird. Das Wort kommt aus dem Englischen („draft“, auswählen).
Was ist ein Weitergabe-Draft?
Jeder bekommt eine Hand voll Karten, behält eine und gibt den Rest weiter. Dann wählt jeder aus der Hand, die er bekommen hat. So wird die Auswahl immer kleiner, bis alle Karten verteilt sind – 7 Wonders funktioniert so.
Was ist Hate Drafting?
Eine Karte oder ein Plättchen nehmen, das man selbst kaum braucht, nur damit es ein anderer nicht bekommt. Ob das sinnvoll ist, hängt davon ab, wie viel es euch selbst kostet.
Was ist der Unterschied zwischen Draften und Deckbau?
Beim Draften nehmt ihr aus einer gemeinsamen Auswahl und nutzt das Genommene meist direkt. Beim Deckbau kauft ihr Karten für einen eigenen Stapel, der immer wieder gemischt wird, und zieht sie erst später.
Quellen
- Azul: Regelwissen von boardgamez.de nach der deutschen Spielregel (Next Move/Asmodee), S. 3–4.
- Spielregeln der weiteren Beispiele, vollständig gelesen (Fundstellen in den Spiele-Einträgen): 7 Wonders (2. Edition), Cascadia, Through the Ages, Lorenzo il Magnifico.
- Dicebreaker: „Best card drafting games“, Samantha Nelson, 05.05.2022 – https://www.dicebreaker.com/categories/board-game/best-games/best-card-drafting-games (abgerufen 05.11.2026)
- Wikipedia: „Magic: The Gathering formats“, Abschnitt Booster Draft – https://en.wikipedia.org/wiki/Magic:_The_Gathering_formats#Booster_Draft (abgerufen 05.11.2026)
- Meeple Mountain: „7 Wonders Review“, 25.08.2020 – https://www.meeplemountain.com/reviews/7-wonders-review-a-monumental-design/ (abgerufen 05.11.2026)
- ICv2: „Fairy Tale 2E, Arboretum from Z-Man“, 27.01.2014 – https://icv2.com/articles/games/view/27727/fairy-tale-2e-arboretum-from-z-man (abgerufen 05.11.2026)
- Spiel des Jahres e. V.: 7 Wonders – https://www.spiel-des-jahres.de/spiele/7-wonders/ (abgerufen 05.11.2026)
Stand 05.11.2026 · geschrieben von boardgamez.de in eigenen Worten; Beispiele aus vollständig gelesenen Regelheften. So entsteht das Lexikon
