Brettspiel-Lexikon · Spielarten und Genres

Legacy (Legacy-Spiel) – einfach erklärt

auch: Legacy-Spiel, Legacy-Prinzip, Legacy-Kampagne

Kurz gesagt

Ein Legacy-Spiel verändert sich dauerhaft: Ihr klebt Sticker auf den Plan, beschriftet Karten, öffnet versiegelte Umschläge oder zerreißt sogar Material. Jede Partie baut auf der vorigen auf, bis eine Kampagne aus vielen Partien abgeschlossen ist – und eure Schachtel ist am Ende einzigartig.

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So funktioniert es

Normale Brettspiele beginnen jede Partie von vorn: Ihr räumt alles in die Schachtel, und beim nächsten Mal ist alles wie neu. Legacy-Spiele brechen mit dieser Regel. Was in einer Partie passiert, hinterlässt Spuren für alle folgenden. Daraus entsteht eine Geschichte über viele Abende, die eure Gruppe selbst schreibt – mit Entscheidungen, die sich nicht zurücknehmen lassen.

Das bekannteste Beispiel ist Pandemic Legacy – Season 1. Im Kern spielt es sich wie das kooperative Pandemie: Ihr reist um die Welt, behandelt Krankheiten und sucht Heilmittel. Aber die Kampagne läuft über 12 Spielmonate:

  1. 1Partie spielen (ein Spielmonat)
  2. 2Sieg oder Niederlage
  3. 3Spuren bleiben: Narben, Panik in Städten
  4. 4Gruppe wählt 2 Fortschritte
  5. 5Legacy-Stapel bis zur nächsten STOP-Karte

nächster Monat – mit dem veränderten Spiel

Der Kreislauf in Pandemic Legacy – Season 1: Jede Partie verändert das Material, und die nächste beginnt mit diesen Veränderungen.
  • Spielmonate: Verliert ihr einen Monat, spielt ihr ihn ein zweites Mal; danach geht es in jedem Fall weiter.
  • Der Legacy-Stapel: Er hat eine feste Reihenfolge. Ihr deckt Karten auf, bis eine STOP-Karte kommt; sie bringen neue Regeln, Ereignisse und Aufgaben. Dazu kommen Dossiers mit Türen und nummerierte Pakete, die erst unter bestimmten Bedingungen geöffnet werden.
  • Dauerhafte Spuren: Städte bekommen Panikstufen, die Flüge und Forschungszentren erschweren. Charaktere bekommen Namen und Narben; hat ein Charakter kein freies Narbenfeld mehr, stirbt er – seine Karte wird zerrissen.
  • Fortschritte: Nach jeder Partie, ob gewonnen oder verloren, wählt die Gruppe zwei Verbesserungen, etwa Start-Forschungszentren oder neue Fähigkeiten.
  • Ausgleich: Nach einem Sieg wird das Spiel etwas schwerer, nach einer Niederlage etwas leichter (über die Zahl der eingemischten Ereigniskarten). So gleicht es sich selbst an eure Gruppe an.

Wer Pandemie noch nicht kennt, soll laut Regel vorher mindestens zwei Partien des normalen Spiels ohne die Legacy-Regeln spielen.

Spielformen

  • Kooperativ: Alle spielen zusammen gegen das Spiel, wie in Pandemic Legacy – Season 1 und seinen Nachfolgern Season 2 und Season 0.
  • Gegeneinander: In Risiko Evolution gründen Sieger Städte, benennen Kontinente und kleben Narben auf den Plan; in 15 Partien wird aus einer leeren Welt eure eigene. In Charterstone baut jeder in seinem Ortsteil Gebäude als Aufkleber auf den gemeinsamen Plan, und jedes Gebäude wird ein Aktionsfeld für alle.
  • Für Familien: In My City bauen alle gleichzeitig Gebäude auf ihren eigenen Stadtplan; über 24 Partien in 8 Kapiteln kommen per Umschlag neue Regeln, Sticker und Material hinzu.
  • Freispielen statt zerstören: In Dorfromantik legt ihr gemeinsam eine Landschaft und schaltet über eine Kampagne aus verschlossenen Schachteln neue Plättchen frei. Hier wird nichts zerrissen; das Spiel wächst nur.
  • Legacy mit Deckbau: Klong! Legacy verbindet die Kampagne mit Deckbau; Sticker, Story-Abschnitte und neue Karten verändern das Spielbrett dauerhaft.

Abgrenzung

BegriffWas gleich istWas anders ist
KampagnenspielMehrere Partien hängen zusammen.Eine Kampagne lässt sich oft zurücksetzen und neu beginnen. Bei Legacy verändert ihr das Material dauerhaft.
ErweiterungNeue Regeln und neues Material kommen dazu.Eine Erweiterung kauft ihr dazu und könnt sie wieder herausnehmen; bei Legacy steckt alles schon in der Schachtel und wird nach und nach freigespielt.
Escape-SpielMaterial wird manchmal beschriftet oder zerschnitten.Ein Escape-Spiel ist meist nach einer einzigen Partie vorbei; Legacy-Spiele laufen über viele Partien.
Variabler AufbauJede Partie ist anders.Beim variablen Aufbau wechselt der Aufbau zufällig, aber das Material bleibt unverändert.

Herkunft

Als erstes Spiel, das sich ausdrücklich „Legacy“ nannte, gilt Risk Legacy von Rob Daviau aus dem Jahr 2011, auf Deutsch „Risiko Evolution“ (Quelle: Wikipedia „Legacy-Spiel“, Einzelnachweis Brettspielelabor, 05.01.2016). Für Daviau war es das erste Spiel in diesem Format (Quelle: Wikipedia „Legacy game“, unter anderem nach seinem Vortrag auf der Game Developers Conference 2017). Die Idee kam ihm laut einem Porträt um 2008 bei einem Brainstorming zu Cluedo; ein „Cluedo Legacy“ lehnte der Verlag damals ab (Quelle: Eurogamer, „The legacy of Rob Daviau“, April 2016).

Den Durchbruch brachte Pandemic Legacy – Season 1 von Matt Leacock und Rob Daviau, das im Oktober 2015 gleichzeitig in rund 13 Sprachen erschien (Quelle: Eurogamer, April 2016). 2016 war es für das Kennerspiel des Jahres nominiert (Quelle: spiel-des-jahres.de, Seite zu Pandemic Legacy – Season 1). Daviau sagte damals, es sei eines der ersten Male, dass Spieler nach einem Brettspiel fragen, wie es weitergeht (Quelle: NPR, 22.11.2015).

Was daran begeistert – und was manche stört

Legacy-Spiele erzeugen etwas, das sonst nur Rollenspiele schaffen: eine gemeinsame Geschichte. Entscheidungen haben echtes Gewicht, Überraschungen aus versiegelten Umschlägen sorgen für Spannung, und die Gruppe spricht noch lange über einzelne Partien. Am Ende steht eine Schachtel, die es so nur einmal gibt.

Die Kehrseite ist vor allem praktisch: Ihr braucht eine feste Gruppe, die über viele Abende zusammenkommt – wer fehlt, verpasst einen Teil der Geschichte. Viele Legacy-Spiele lassen sich nach der Kampagne nicht noch einmal von vorn spielen, und Material zu zerstören fällt manchen schwer. Wer ein gebrauchtes Exemplar kauft, sollte prüfen, ob es noch unbenutzt ist. Manche Legacy-Spiele bleiben nach der Kampagne aber als normales Spiel spielbar; das steht beim jeweiligen Spiel.

Spiele zum Ausprobieren

  • Einsteiger: My City – Legacy für Familien, mit kurzen Partien. Dorfromantik – kooperativ, ohne Material zu zerstören.
  • Kenner: Pandemic Legacy – Season 1 – das Beispiel aus diesem Artikel. Risiko Evolution – das Spiel, mit dem es angefangen hat.
  • Experten: Charterstone – konkurrierendes Legacy mit Arbeitereinsatz. SeaFall – Entdecken, Handeln und Überfallen in einer Kampagne von rund 15 Partien.

Häufige Fragen

Was bedeutet Legacy bei Brettspielen?

„Legacy“ heißt Vermächtnis oder Erbe. Gemeint ist, dass jede Partie ein Erbe für die nächste hinterlässt: Das Spiel verändert sich dauerhaft durch Sticker, beschriftete Karten, neue Regeln und freigespieltes Material.

Kann man ein Legacy-Spiel mehrmals spielen?

Die Kampagne meist nur einmal. Manche Spiele bleiben danach als normales Spiel spielbar. Wie es beim einzelnen Spiel ist, steht in seinem Regelheft und auf seiner Seite bei uns.

Was passiert, wenn jemand aus der Gruppe fehlt?

Das regelt jedes Spiel anders. Bei kooperativen Legacy-Spielen kann die Gruppe oft einfach weiterspielen; bei konkurrierenden ist es schwieriger, weil jeder eine eigene Entwicklung hat. Am besten plant ihr feste Termine.

Was ist der Unterschied zwischen Legacy und Kampagne?

Eine Kampagne verbindet mehrere Partien, lässt sich aber oft zurücksetzen. Legacy verändert das Material selbst, sodass die Veränderungen bleiben.

Quellen

Stand 05.11.2026 · geschrieben von boardgamez.de in eigenen Worten; Beispiele aus vollständig gelesenen Regelheften. So entsteht das Lexikon