Brettspiel-Lexikon · Mechanismen

Rondell (Aktionsrondell) – einfach erklärt

englisch: Rondel · auch: Aktionsrondell, Aktionsrad, Rondellspiel

Kurz gesagt

Beim Rondell liegen die Aktionen eines Spiels in einem Kreis. Eure Figur zieht darauf vorwärts, und ihr führt die Aktion des Feldes aus, auf dem sie landet. Nahe Felder sind oft kostenlos, weite Sprünge kosten etwas.

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So funktioniert es

Ein Rondell ist eine Art, Aktionen auszuwählen. Alle Aktionen, die ein Spiel bietet, stehen auf Feldern, die im Kreis angeordnet sind. Eure Figur steht auf dem Feld, dessen Aktion ihr zuletzt genutzt habt. In eurem nächsten Zug zieht ihr sie vorwärts und bekommt die Aktion des neuen Feldes. Wie weit ihr ziehen dürft und was ein weiter Zug kostet, regelt jedes Spiel selbst.

Daraus entsteht der Kern der Mechanik: Was direkt vor eurer Figur liegt, ist bequem zu erreichen. Was hinter ihr liegt, kommt erst nach einem ganzen Umlauf wieder – oder ihr zahlt für die Abkürzung. Eine Aktion, die ihr gerade genutzt habt, könnt ihr also nicht einfach immer wieder wählen.

Am deutlichsten zeigt das Imperial 2030. Dort seid ihr Investoren, die sechs Großmächten Geld leihen. Wer einem Staat das meiste Geld geliehen hat, regiert ihn und wählt für ihn die Aktionen auf dem Rondell: Fabrik bauen, Produktion, Import, Manöver, Investor und Steuer.

  1. 1Ein Staat ist an der Reihe
  2. 2Seine Regierung zieht ihn auf dem Rondell 1–3 Felder vor – kostenlos
  3. 3Jedes weitere Feld kostet 1 + Machtfaktor Millionen, höchstens 6 Felder
  4. 4Aktion des Zielfelds ausführen

Beim nächsten Mal zieht der Staat von hier aus weiter

Ein Zug auf dem Rondell in Imperial 2030: Kurze Wege sind frei, weite Sprünge kosten Geld – und mächtige Staaten zahlen mehr dafür.

Jeder Staat zieht in seinem Zug 1 bis 3 Felder kostenlos vor. Stehen bleiben geht nicht, mindestens ein Feld muss es weitergehen. Wer weiter will, zahlt für jedes Feld mehr 1 Million plus den Machtfaktor des Staates; der Machtfaktor liegt zwischen 0 und 5. Mehr als 6 Felder sind nicht erlaubt. So kostet ein weiter Sprung bei einem Staat mit Machtfaktor 2:

Felder weitDavon kostenlosKosten
1 bis 3alle0 Mio.
433 Mio.
536 Mio.
639 Mio.

Die Aktionen selbst sind kurz: Beim Import kauft der Staat bis zu 3 Einheiten für je 1 Million, bei Fabrik bauen zahlt er 5 Millionen für eine Fabrik in einer seiner vier Heimatprovinzen, bei der Produktion bringt jede Fabrik eine Armee oder Flotte. Spannend wird es durch die Reihenfolge. Die Steuer bringt 2 Millionen je Fabrik und 1 Million je Flagge – je mehr Fabriken und Flaggen ein Staat hat, desto mehr bringt sie. Wer Fabriken baut, plant also gleich mit, wann der Staat wieder bei der Steuer vorbeikommt.

Im Kern stellt das Rondell euch immer wieder vor dieselben Fragen:

  • Was brauche ich jetzt – und was danach? Eine gute Reihenfolge spart Umwege.
  • Lohnt sich der Sprung? Manchmal ist eine Aktion so wichtig, dass ihr für sie zahlt, statt den langen Weg zu gehen.
  • Was haben die anderen vor? Weil alle Positionen offen auf dem Plan stehen, seht ihr, welche Aktionen die anderen als Nächstes günstig erreichen.

Spielformen

  • Freie Schritte, dann zahlen: Wie in Imperial 2030 sind auch in Navegador bis zu 3 Felder kostenlos. Jedes weitere Feld kostet dort aber kein Geld, sondern ein eigenes Schiff.
  • Der Würfel zieht mit: In Merlin gebt ihr einen eurer Würfel ab. Mit einem Spielerwürfel zieht euer Ritter im Uhrzeigersinn über das Aktionsrondell, mit dem Merlinwürfel bewegt ihr die gemeinsame Figur Merlin in beliebiger Richtung. Mit einem Apfel dürft ihr einen Würfel auf eine beliebige Zahl drehen.
  • Steine verteilen: In Trajan hat jeder ein eigenes Rondell aus 6 Mulden. Ihr nehmt alle Aktionssteine aus einer Mulde, verteilt sie einzeln im Uhrzeigersinn auf die folgenden Mulden und führt die Aktion der Zielmulde aus.
  • Die Figurenzahl bestimmt den Weg: In Finca ziehen eure Bauern im Uhrzeigersinn um ein Windrad aus zwölf Früchte-Blättern. Wie weit ein Bauer zieht, hängt davon ab, wie viele Figuren auf seinem Startblatt stehen; wie viel er erntet, davon, wie viele auf dem Zielblatt stehen.
  • Die Aktionen wandern: In Woodcraft zieht nicht eure Figur, sondern das Aktionsplättchen: Ihr wählt eines vom Aktionsrad, führt seine Aktion aus und versetzt es ins nächste Viertel.
  • Das Rondell als Zugreihenfolge: In Glen More II: Chronicles zieht ihr eure Figur beliebig weit vor und nehmt das Plättchen, auf dem sie landet. Am Zug ist immer, wer auf dem Rondell am weitesten hinten steht – wer weit springt, muss danach länger warten.

Abgrenzung

BegriffWas gleich istWas anders ist
Worker PlacementIhr wählt Aktionen auf dem Spielplan.Beim Worker Placement besetzt eine Figur ein Feld und blockiert es für andere. Beim Rondell entscheidet eure eigene Position, welche Aktion billig ist.
Aktionsauswahl allgemeinIhr wählt jeden Zug eine Aktion.Beim Rondell hängt die Wahl von der letzten Aktion ab: Was ihr gerade genutzt habt, ist für eine Weile weit weg.
Rundkurs im RennspielFiguren ziehen im Kreis.Im Rennspiel zählt, wer vorn liegt. Auf dem Rondell ist jedes Feld eine Aktion, und es gibt kein Ziel.
MancalaSteine werden einzeln auf Mulden verteilt.Mancala ist ein eigener Mechanismus; Trajan nutzt ihn, um ein Rondell anzutreiben.

Herkunft

Mac Gerdts brachte das Rondell 2005 mit seinem Spiel Antike in die Spieleszene; die Website I Slay the Dragon nennt ihn deshalb den „Vater des Rondells“ (Quelle: I Slay the Dragon, Jason Meyers, 18.10.2013). Derselbe Artikel ordnet das Rondell als Abwandlung der allgemeinen Aktionsauswahl ein (Quelle: ebenda). Gerdts selbst sagte 2018, er sei bekannt dafür, die Rondell-Mechanik in die Welt der Brettspiele eingeführt zu haben. In seinen Spielen Concordia und Transatlantic nutze er sie nicht mehr (Quelle: Tabletop Together, Interview vom 17.10.2018). Ob es vor Antike Spiele mit einem vergleichbaren Aktionskreis gab, ist nicht belegt.

Unmittelbarer Nachfolger von Antike war Imperial (Quelle: I Slay the Dragon, 18.10.2013). Die Jury Spiel des Jahres setzte Imperial 2007 auf ihre Empfehlungsliste (Quelle: spiel-des-jahres.de, Seite zu Imperial). Auch in Familienspielen kam die Idee an: Finca von Ralf zur Linde und Wolfgang Sentker, in dem die Bauern um ein Windrad ziehen, war 2009 für das Spiel des Jahres nominiert (Quelle: spiel-des-jahres.de, Seite zu Finca).

Was daran begeistert – und was manche stört

Das Rondell zeigt alle Möglichkeiten auf einen Blick, und jeder Zug besteht aus einer einzigen Aktion. Das macht die Züge kurz und die Regeln überschaubar, auch wenn das Spiel insgesamt anspruchsvoll ist. Die Tiefe steckt in der Planung über mehrere Züge: Wer die richtige Reihenfolge findet, kommt ohne teure Sprünge aus. Imperial 2030 kommt so ganz ohne Würfel- oder Kartenglück aus.

Kritik gibt es vor allem an der Starrheit. Wer eine bestimmte Aktion dringend braucht, sie aber gerade hinter sich hat, muss zahlen oder warten – das fühlt sich für manche eher nach Verwaltung an als nach freier Entscheidung. In Spielen, in denen ein Würfel die Zugweite bestimmt, hängt dagegen viel vom Wurf ab: Die Seite Gus & Co bemängelt bei Merlin die starke Abhängigkeit von Würfeln und Rondell (Gus & Co, 15.02.2018).

Spiele zum Ausprobieren

  • Einsteiger: Finca – ein Familienspiel, bei dem allein die Figuren auf dem Windrad bestimmen, wie weit ihr zieht und wie viel ihr erntet.
  • Kenner: Navegador – ein Rondell mit drei freien Feldern und dem Schiff als Preis für weite Sprünge. Merlin – ein großes Aktionsrondell, auf dem Würfel und eine gemeinsame Figur den Weg bestimmen. Glen More II: Chronicles – hier entscheidet die Position auf dem Rondell zugleich, wer als Nächster am Zug ist.
  • Experten: Imperial 2030 – das Beispiel aus diesem Artikel, in dem Staaten statt Spielern auf dem Rondell ziehen. Trajan – ein persönliches Rondell aus Mulden, das ihr wie beim Mancala mit Steinen antreibt.

Häufige Fragen

Was ist ein Rondell im Brettspiel?

Ein Kreis aus Aktionsfeldern, auf dem eure Figur vorwärts zieht. Das Feld, auf dem sie landet, gibt euch die Aktion für diesen Zug. Im Englischen heißt die Mechanik „Rondel“.

Warum kostet es etwas, auf dem Rondell weit zu ziehen?

Damit ihr nicht immer dieselbe starke Aktion wählt. In vielen Spielen sind die ersten Felder kostenlos, jedes weitere kostet etwas – in Imperial 2030 Geld, in Navegador ein Schiff. So müsst ihr abwägen, ob sich der Sprung lohnt oder ob ihr den Umweg über andere Aktionen geht.

Was ist der Unterschied zwischen Rondell und Worker Placement?

Beim Worker Placement stellt ihr Figuren auf Aktionsfelder, die dann für die anderen besetzt sind. Beim Rondell zählt, wo eure eigene Figur gerade steht: Nahe Aktionen sind billig, ferne teuer.

Welche bekannten Spiele haben ein Rondell?

Typische Beispiele sind die Spiele von Mac Gerdts wie Antike, Imperial, Imperial 2030 und Navegador. Dazu kommen Spiele anderer Autoren, die die Idee abwandeln, etwa Finca, Trajan, Merlin und Woodcraft.

Quellen

Stand 05.11.2026 · geschrieben von boardgamez.de in eigenen Worten; Beispiele aus vollständig gelesenen Regelheften. So entsteht das Lexikon