Brettspiel-Lexikon · Spielgefühl und Jargon

Downtime (Wartezeit) – einfach erklärt

auch: Wartezeit, Leerlauf

Kurz gesagt

Downtime ist die Zeit, in der ihr bei einem Brettspiel nichts zu tun habt, weil die anderen am Zug sind. Ein wenig Wartezeit gibt es fast immer; zu viel davon macht ein Spiel zäh – vor allem in großen Runden und bei Spielen mit langen Zügen.

So funktioniert es

Downtime ist keine Regel, sondern ein Begriff, mit dem Spieler und Rezensenten beschreiben, wie sich ein Spiel anfühlt. Wer sagt „Das Spiel hat viel Downtime“, meint: Zwischen meinen eigenen Zügen sitze ich lange herum. Der Begriff taucht in Rezensionen ebenso auf wie in Spielerunden am Küchentisch.

Wie viel Wartezeit entsteht, hängt vor allem von drei Dingen ab:

  1. Wie viele Spieler mitspielen. Bei streng reihum gespielten Spielen wartet ihr bei vier Personen dreimal so lange, wie ihr selbst spielt.
  2. Wie lang ein einzelner Zug ist. Ein Zug, in dem ihr eine Karte legt, ist schnell vorbei. Ein Zug mit Planen, Rechnen und einer langen Kette von Effekten dauert.
  3. Wie viel ihr während fremder Züge mitbekommen müsst. Wartezeit fühlt sich kürzer an, wenn das, was die anderen tun, euch betrifft – etwa, weil sie euch ein Feld wegnehmen, das ihr braucht.
  1. 1Euer Zug
  2. 2Zug von Spieler 2
  3. 3Zug von Spieler 3
  4. 4Zug von Spieler 4

Bei streng reihum gespielten Spielen zu viert: ein Teil eigene Zeit, drei Teile Warten

Woher Downtime kommt: Je mehr Spieler und je länger die einzelnen Züge, desto länger wartet jeder auf seinen nächsten Zug.

Ein vierter Grund liegt nicht im Spiel, sondern am Tisch: Manche Spieler grübeln über jeden Zug sehr lange (englisch „Analysis Paralysis“). Je mehr Möglichkeiten ein Spiel bietet, desto eher passiert das.

Wie Spiele Downtime verringern, zeigen viele Regeln:

  • Alle spielen gleichzeitig. In 7 Wonders wählen alle zugleich eine Karte und decken sie gemeinsam auf. Bei den Quacksalbern von Quedlinburg bereiten alle ihre Tränke gleichzeitig zu – es gibt keine Spielerreihenfolge.
  • Planung schon während der anderen Züge. In Orléans setzen alle ihre Gefolgsleute gleichzeitig auf ihre Orte, erst danach werden die Aktionen reihum ausgeführt.
  • Etwas tun im Zug der anderen. In Flügelschlag gibt es rosa Fähigkeiten, die einmal zwischen den eigenen Zügen auslösen, wenn ein Mitspieler etwas Bestimmtes tut.
  • Den eigenen Zug schon vorbereiten. In Dominion dürfen geübte Spieler ihren Zug beginnen, während der Vorgänger noch aufräumt – eine Angriffskarte allerdings erst, wenn alle fertig sind.
  • Kurze Züge. In Lords of Waterdeep setzt ihr in eurem Zug nur einen Agenten ein und erfüllt höchstens einen Auftrag.

Spielformen

Downtime zeigt sich je nach Spielart unterschiedlich:

  • Reihum mit langen Zügen: Bei Strategiespielen, in denen jeder Zug viel Planung braucht, ist die Wartezeit am größten. Eine Rezension zu SETI empfahl das Spiel deshalb höchstens zu dritt, weil die Downtime sonst recht hoch werden könne (siehe Herkunft).
  • Reihum mit kurzen Zügen: Viele Familienspiele wie Carcassonne – Plättchen legen, vielleicht einen Meeple setzen, werten – halten die Wartezeit klein.
  • Gleichzeitig: Spiele wie 7 Wonders oder Flip 7, bei denen alle zugleich wählen oder immer wieder gefragt werden, kennen kaum Downtime.
  • Echtzeit: Wenn alle gleichzeitig unter Zeitdruck spielen, gibt es gar keine Wartezeit – dafür Hektik.

Abgrenzung

BegriffWas gleich istWas anders ist
Grübeln (Analysis Paralysis)Beides verlängert die Wartezeit.Grübeln liegt am Spieler, der zu lange überlegt; Downtime beschreibt die Wartezeit, egal woher sie kommt.
SpieldauerBeides hat mit Zeit zu tun.Ein Spiel kann lange dauern und trotzdem wenig Downtime haben, wenn alle ständig beschäftigt sind.
InteraktionWer betroffen ist, wartet aufmerksamer.Interaktion beschreibt, wie sehr eure Züge einander beeinflussen; Downtime nur, wie lange ihr wartet.
KingmakingBeides sind Begriffe für Probleme am Spieltisch.Kingmaking betrifft, wer gewinnt; Downtime, wie sich die Partie anfühlt.

Herkunft

Woher der Begriff im Spielkontext stammt, ist nicht belegt. Er kommt aus dem Englischen, wo „downtime“ allgemein Ausfall- oder Ruhezeit bedeutet. In Brett- und Kartenspielen bezeichnet er die Zeit, die man wartet, bis man wieder am Zug ist; meist, aber nicht immer, wird das als Problem gesehen (Quelle: Gnome Stew, „A look at downtime in RPGs and board games“). Im Board Game Designers Forum werden gemeinsames Planen, mehr Informationen und kleinere Züge als Mittel dagegen genannt (Quelle: Board Game Designers Forum, „Boardgame downtime“).

Auch in der Kritikenrundschau auf der Seite des Vereins Spiel des Jahres taucht der Begriff auf: Zu SETI schrieb Michaela Poignée, die Downtime könne recht hoch sein, weshalb sie das Spiel höchstens zu dritt empfahl; Udo Fritsch sprach von „entsprechender Downtime“ in Vollbesetzung (Quelle: spiel-des-jahres.de, Kritikenrundschau vom 11.04.2025).

Was daran begeistert – und was manche stört

Ein bisschen Wartezeit gehört zum Brettspiel dazu und ist nicht nur schlecht: Man unterhält sich, beobachtet die anderen, plant den nächsten Zug. Viele Spieler sagen auch, dass ihnen Downtime nichts ausmacht, solange sie das Geschehen spannend finden.

Problematisch wird sie, wenn die Wartezeit länger ist als das, was ihr in eurem eigenen Zug erlebt. Dann wandern die Gedanken zum Handy, Gespräche brechen ab, und das Spiel zieht sich. Besonders bei Strategiespielen in Vollbesetzung ist das ein Kritikpunkt, wie das Beispiel SETI zeigt. Wer ein Spiel kauft, sollte deshalb nicht nur auf die angegebene Spielerzahl achten, sondern darauf, mit wie vielen es am besten läuft.

Spiele zum Ausprobieren

Spiele, die zeigen, wie man Downtime klein hält:

  • Einsteiger: Flip 7 – alle werden reihum gefragt, ob sie noch eine Karte wollen; ein Zug dauert Sekunden. Carcassonne – kurze Züge mit nur drei Schritten.
  • Kenner: 7 Wonders – alle wählen gleichzeitig, auch zu siebt. Die Quacksalber von Quedlinburg – alle brauen zur selben Zeit.
  • Experten: Orléans – lange Planung, aber die Planungsphase läuft gleichzeitig.

Häufige Fragen

Was bedeutet Downtime bei Brettspielen?

Die Zeit, in der ihr wartet, bis ihr wieder am Zug seid. Viel Downtime heißt: Zwischen den eigenen Zügen vergeht viel Zeit, in der ihr nichts zu tun habt.

Wie kann man Downtime verringern?

Mit weniger Spielern, mit Spielen, in denen alle gleichzeitig handeln, und indem ihr euren nächsten Zug schon plant, während die anderen dran sind. Manche Gruppen legen auch eine Sanduhr hin, wenn jemand sehr lange überlegt.

Haben kooperative Spiele weniger Downtime?

Oft fühlt es sich so an, weil alle über jeden Zug mitreden. Die Wartezeit ist dieselbe, aber ihr seid beteiligt. Wenn einer allein für alle entscheidet, kippt das ins Gegenteil (englisch „Alpha-Spieler“ oder „Quarterbacking“).

Ist Downtime dasselbe wie Analysis Paralysis?

Nein. Analysis Paralysis heißt, dass jemand zu lange über seinen Zug grübelt. Das ist eine häufige Ursache für Downtime, aber nicht die einzige – auch lange Züge und viele Mitspieler verlängern die Wartezeit.

Quellen

Stand 05.11.2026 · geschrieben von boardgamez.de in eigenen Worten; Beispiele aus vollständig gelesenen Regelheften. So entsteht das Lexikon