Brettspiel-Lexikon · Mechanismen

Abstimmen (Voting) – einfach erklärt

englisch: Voting · auch: Abstimmung, Abstimmungsmechanik, Mehrheitsentscheid, Wahl, geheime Abstimmung

Kurz gesagt

Beim Abstimmen entscheidet die Runde gemeinsam, was im Spiel passiert: ob ein Team losziehen darf, welches Gesetz gilt oder wer ausscheidet. Gezählt wird nach der Regel des Spiels – mal eine Stimme pro Kopf, mal so viele Stimmen, wie ihr Macht oder Einfluss einsetzt.

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So funktioniert es

Eine Abstimmung braucht eine Frage, eine Art, Stimmen abzugeben, und eine Regel, wann eine Seite gewonnen hat. Darüber hinaus unterscheiden sich die Spiele stark: Stimmt ihr offen oder geheim ab, gleichzeitig oder reihum? Hat jeder eine Stimme, oder kosten Stimmen etwas? Und wer entscheidet bei Gleichstand? Spannend wird es, weil das Ergebnis alle betrifft, aber nicht allen gleich viel nützt.

Gut zeigt das The King's Dilemma. Jeder von euch führt ein Haus im Rat des Königreichs. Jede Runde liegt eine Dilemmakarte auf dem Tisch, eine Frage mit den Seiten JA und NEIN, und der Rat stimmt darüber ab. Eine Runde hat fünf Phasen:

  1. 1Dilemmakarte ziehen und vorlesen
  2. 2Ergebnismarker auf die Waage legen
  3. 3Abstimmung des RatesReihum ab dem Anführer: mit JA oder NEIN stimmen und Machtmarker setzen – oder passen
  4. 4Stimmenauswertung
  5. 5Dilemma-Auswertung
Eine Runde in The King's Dilemma: Die Ergebnismarker zeigen vorher einen Teil der Folgen. Gewonnen hat die Seite mit mehr Macht.

In der Abstimmung des Rates ist reihum dran, wer im Uhrzeigersinn ab dem Anführer sitzt. Ihr habt drei Möglichkeiten:

  • Mit JA oder NEIN stimmen: Ihr legt einen oder mehrere eurer Machtmarker auf die JA- oder die NEIN-Karte. Jeder Machtmarker zählt als Stimme.
  • Passe und erhalte Macht: Ihr legt 1 Münze auf die PASSE-Karte und bekommt später einen Anteil an der Macht, die auf der Waage liegt.
  • Passe und werde Moderator: Das geht nur, wenn in dieser Abstimmung noch niemand Moderator geworden ist. Der Moderator entscheidet bei Gleichstand.

Wer nach seinem Zug als Einziger die meiste Macht gesetzt hat, egal auf welcher Seite, nimmt sofort den Anführermarker. Die Abstimmung endet mit dem Zug des Spielers rechts vom Anführer. Weil der Anführer wechseln kann, seid ihr manchmal mehrmals dran; dann dürft ihr Macht dazulegen oder abwarten, aber nicht die Seite wechseln.

  • JAbesetzt
  • NEINbesetzt
  • PASSEbesetzt
Eine Abstimmung in The King's Dilemma (Zahlen frei gewählt, jeder Punkt auf JA und NEIN ist ein Machtmarker): JA hat 4, NEIN 2 Macht, also gewinnt JA. Rot hat als Einziger am meisten gesetzt und ist Anführer. Gelb hat gepasst und eine Münze auf die PASSE-Karte gelegt.

Bei der Stimmenauswertung gewinnt die Seite mit mehr Macht. Dann kommt der Haken: Wer auf der Siegerseite gestimmt hat, gibt seine Macht ab, sie wandert auf die Waage. Die Verlierer nehmen ihre Machtmarker zurück. Ein Sieg kostet also, eine Niederlage nicht.

Stimmen lassen sich hier auch kaufen. Verhandeln ist frei, Macht darf aber nicht direkt getauscht werden. Münzen dürfen dagegen fließen, etwa dafür, dass jemand mitstimmt oder passt. Verbindlich ist eine Vereinbarung erst, wenn die Münzen gewechselt haben; eine bloße Zusage gilt nicht.

Spielformen

  • Ja oder Nein, alle gleichzeitig: In Der Widerstand stimmen alle gleichzeitig offen über das Team für eine Mission ab. Nötig ist eine Mehrheit, Gleichstand heißt abgelehnt. Werden fünf Teams hintereinander abgelehnt, gewinnen die Spione. In Secret Hitler decken alle gleichzeitig Ja! oder Nein auf; nach drei gescheiterten Wahlen in Folge wird das oberste Gesetz des Stapels erlassen.
  • Geheim und mit Einsatz: In Lancaster stimmt das Parlament geheim über drei neue Gesetze ab. Jeder setzt dafür beliebig viele Stimmsteine ein; bei Gleichstand ist das Gesetz angenommen.
  • Stimmen aus Einfluss: In der Agendaphase von Twilight Imperium sind eure Stimmen der Einfluss der Planeten, die ihr dafür erschöpft. Handelswaren zählen nicht, Enthaltung ist erlaubt. Der Sprecher stimmt als Letzter und entscheidet bei Gleichstand.
  • Auf einen Verdächtigen zeigen: In Werwölfe von Düsterwald zeigen nach der Diskussion alle auf einen Verdächtigen; wer die meisten Stimmen hat, scheidet aus. Die Stimme des Hauptmanns zählt doppelt, und er entscheidet Gleichstände.
  • Zustimmung erkaufen: In Quo Vadis darf ein Senator ein Dreier-Gremium nur verlassen, wenn genau ein weiterer Senator dort zustimmt, aus einem Fünfer-Gremium braucht es zwei. Wer einem Mitspieler zustimmt, bekommt dafür einen Lorbeer, solange der Vorrat reicht; alles Weitere wird ausgehandelt.

Abgrenzung

BegriffWas gleich istWas anders ist
Verräter und geheime RollenOft wird in solchen Spielen abgestimmt.Geheime Rollen sagen, wer zu welcher Seite gehört. Die Abstimmung ist das Werkzeug, mit dem die Runde dann entscheidet.
HandelnVor einer Abstimmung wird oft verhandelt.Beim Handeln einigen sich zwei. Bei der Abstimmung entscheidet am Ende eine Mehrheit für alle.
Tippen auf die richtige LösungAlle wählen geheim eine Antwort.In Dixit tippt jeder, welche Karte vom Erzähler stammt, und bekommt für einen Treffer Punkte. Eine gemeinsame Entscheidung entsteht daraus nicht.
KingmakingEinzelne können ein Ergebnis kippen.Kingmaking ist eine Folge, keine Regel: Wer nicht mehr gewinnen kann, entscheidet, wer gewinnt. Abstimmungen können das begünstigen, wenn eine Stimme den Ausschlag gibt.

Herkunft

Welches Spiel als erstes eine Abstimmung nutzte, ist nicht belegt. Ein Beispiel ohne Spielbrett ist Mafia: Erfunden hat es 1986 Dmitry Davidoff an der Moskauer Staatsuniversität (Quelle: Wikipedia „Mafia (party game)“, englisch, nach Wired, 2010). Dort kann jeder am Tag jemanden beschuldigen; stimmt mehr als die Hälfte der Spieler zu, scheidet die Person aus (Quelle: ebenda, nach Andrew Plotkin, „Werewolf“). Das Werwolf-Thema fügte Andrew Plotkin 1997 hinzu (Quelle: ebenda).

Quo Vadis von Reiner Knizia erschien 1992 bei Hans im Glück und belegte im selben Jahr Platz 3 beim Deutschen Spielepreis (Quelle: Wikipedia „Deutscher Spielepreis“). Die Jury Spiel des Jahres schreibt dazu: „Verhandlungsgeschick ist der Schlüssel zum Erfolg.“ (Quelle: spiel-des-jahres.de, Seite zu Quo Vadis)

Wie stark eine Abstimmung ein ganzes Spiel tragen kann, zeigt The King's Dilemma von Hjalmar Hach, Lorenzo Silva und Carlo Burelli; es war 2020 für das Kennerspiel des Jahres nominiert (Quelle: spiel-des-jahres.de, Seite zu The King's Dilemma).

Was daran begeistert – und was manche stört

Abstimmungen machen aus einer Spielrunde eine kleine Versammlung. Jeder hat etwas zu sagen, auch wenn er gerade nicht am Zug ist, und das Ergebnis betrifft alle. In Spielen mit geheimen Rollen verrät eine Stimme oft mehr als jedes Wort: Wer hat für das verdächtige Team gestimmt – und warum? In Spielen wie The King's Dilemma entstehen Bündnisse, die nur eine Runde halten.

Kritik gibt es an zwei Stellen. Wer mit seiner Meinung allein ist, wird überstimmt und kann wenig tun; das fühlt sich anders an als ein verlorenes Würfelduell. Und wo Stimmen gekauft oder getauscht werden dürfen, ziehen sich Abstimmungen in die Länge, weil jeder noch ein besseres Angebot abwarten will. Wer Spiele mag, in denen jeder still für sich plant, findet hier wenig.

Spiele zum Ausprobieren

  • Einsteiger: Werwölfe von Düsterwald – diskutieren, zeigen, abstimmen, in großer Runde. Der Widerstand – Ja oder Nein zum Team, dann verdeckt Erfolg oder Fehlschlag.
  • Kenner: Quo Vadis – Zustimmung im Senat, bezahlt mit Lorbeeren. Lancaster – geheime Abstimmung über Gesetze, mit Stimmsteinen als Einsatz.
  • Experten: The King's Dilemma – das Beispiel aus diesem Artikel: Macht setzen, Stimmen kaufen, Folgen tragen. Twilight Imperium – Agenden, bei denen der Einfluss eurer Planeten zur Stimme wird.

Häufige Fragen

Was passiert bei Gleichstand?

Das regelt jedes Spiel selbst. In Der Widerstand und Secret Hitler scheitert die Abstimmung, in Lancaster ist das Gesetz angenommen. In Twilight Imperium entscheidet der Sprecher, in The King's Dilemma der Moderator, in Werwölfe von Düsterwald der Hauptmann.

Darf man Stimmen kaufen?

Nur, wenn das Spiel es erlaubt. In The King's Dilemma dürft ihr Münzen dafür zahlen, dass jemand mitstimmt oder passt. In Twilight Imperium darf in der Agendaphase jeder mit jedem je Agenda eine Transaktion machen, doch Handelswaren selbst sind keine Stimmen. In Quo Vadis bekommt ein Lorbeer, wer einem Mitspieler zustimmt.

Stimmt man offen oder geheim ab?

Beides kommt vor, oft sogar im selben Spiel. In Der Widerstand stimmen alle offen über das Team ab, auf der Mission legt dann jedes Teammitglied verdeckt Erfolg oder Fehlschlag. In Lancaster wird über Gesetze geheim abgestimmt.

Wie funktioniert die Abstimmung bei Werwölfe?

Am Tag diskutiert das Dorf, dann zeigen alle auf einen Verdächtigen. Wer die meisten Stimmen bekommt, scheidet aus. Die Stimme des Hauptmanns zählt doppelt, und bei Gleichstand entscheidet er.

Quellen

Stand 05.11.2026 · geschrieben von boardgamez.de in eigenen Worten; Beispiele aus vollständig gelesenen Regelheften. So entsteht das Lexikon